02.10.2008
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Foto: shutterstock.de

AWD

Finale fatale

Mithilfe von Großaktionär Swiss Life wollte AWD-Gründer Carsten Maschmeyer endgültig der Größte werden. Stattdessen bringen ihn die Schweizer nun mächtig in die Bredouille.

Der Stoff, aus dem die Träume sind, ist manchmal flüchtig. Das spürt AWD-Gründer Carsten Maschmeyer derzeit besonders. "Wir wollen der größte unabhängige Finanzdienstleister der Welt werden", tönte der Chef des Hannoveraner Policenanbieters Ende August einmal mehr. Und rühmte zugleich die Neutralität seiner Berater, was Kunden in Scharen zur Geldanlage locken soll.

Zur gleichen Zeit fuhr ihm der neue Mehrheitseigner aus der Schweiz mächtig in die Parade. "Unabhängigkeit allein schafft für den Kunden noch keinen Mehrwert", stellte Swiss-Life-Chef ­Bruno Pfister klar. Seitdem sich der Lebensversicherer für rund eine Milliarde Euro zunächst 86 Prozent an AWD sicherte, puscht Pfister als Aufsichtsrat des AWD die eigenen Wachstumsziele.

Swiss Life habe den Anspruch, mit ihren Spitzenprodukten zur kleinen Auswahl der Top-Angebote zu gehören, die ­AWDler den Kunden schmackhaft machen. Keinesfalls sollen diese Angebote im Verkaufsgespräch in der Palette konkurrierender Offerten untergehen. "Wir sprechen nicht von 20, sondern von vier bis fünf Produkten."

So hatte sich Maschmeyer das wohl nicht ­gedacht, als er im vergangenen Dezember den Deal mit den Zürichern besiegelte. Bisher der Sonnenkönig im Reich seiner 6600 Vermittler von Versicherungen, Bausparverträgen und Fondsprodukten, bekommt der Gründer zunehmend kalte Füße. Denn die Schweizer gefährden nicht nur sein mühsam aufgebautes Image der Neutralität, sondern sägen ­zudem am Chefsessel des 49-Jährigen: Oberkontrolleur Pfister setzte Maschmeyer den deutschen Swiss-Life-Statthalter Manfred Behrens an die Seite. Der vertriebserfahrene Co-Chairman sitzt ­zugleich auch im Konzernvorstand der Mutter. "Das ist ein klares Signal", ­urteilt Rolf Dahlems, Personalexperte des Beratungsunternehmens Signium International: "Maschmeyer sollte erkennen: Seine Zeit ist abgelaufen."

Finale fatale: Eigentlich sollte die finanzkräftige Swiss Life helfen, Maschmeyer zum Größten seiner Zunft zu machen. Im August brachte er die Schweizer dazu, beim deutschen AWD-Erzrivalen MLP einzusteigen. Unbemerkt hatte der smarte Maschmeyer zuvor für rund 300 Millionen Euro fast 27 Prozent der Anteile an MLP zusammengekauft und sie an die überraschte Swiss Life weitergereicht. Für den AWD-Gründer, der vor 25 Jahren sein Medizinstudium abbrach und seine Vertriebskarriere startete, war dies ein letzter Versuch, sich seinen eitlen Traum zu erfüllen: die vornehme MLP mit 637 Millionen Euro Umsatz und ihrer Akademikerklientel unter einem Dach mit dem AWD, der als Vermittler fürs breite Volk 762 Millionen Euro umsetzt. Zusammen wären sie größer als der deutsche Champion DVAG und spielten auch in der internationalen Liga vorne mit.

Der Winkelzug über Swiss Life wurde ­nötig, nachdem bereits mehrere direkte Anläufe des einstigen niedersächsischen Mittelstreckenmeisters gescheitert waren. MLP-Mitgründer Manfred Lautenschläger, dessen Familie fast 30 Prozent der Aktien besitzt, und sein CEO Uwe Schroeder-Wildberg halten nichts von der Liaison.


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