01.08.2008
Frank Bsirske
Frank Bsirske
Foto: dpa

Tarifstreit

Streik geht weiter - Verdi-Chef fliegt derweil kostenlos in die Südsee

Obwohl Verdi und Lufthansa sich wieder annähern, geht der Streik vorerst weiter. Die Gewerkschaft vertagte ihre Beratungen. Während etliche Passagiere Wartezeiten und Umbuchungen erdulden müssen, macht Verdi-Chef Bsirske Urlaub. Er ist mit der Lufthansa in die Südsee geflogen - einem Zeitungsbericht zufolge erster Klasse und kostenlos.



Knapp 130 Flüge fallen derzeit im Flugplan der Lufthansa weg, weil das Personal für mehr Gehalt streikt. Passagiere warten auf Ersatzflüge oder steigen auf andere Verkehrsmittel um. Gewerkschaftschef Frank Bsirske hat sich Unannehmlichkeiten erspart und zusammen mit seiner Frau kurz vor Beginn des Arbeitskampfes eine Lufthansa-Maschine in die Südsee genommen. Die "Bild"-Zeitung berichtet, Bsirske sei kostenlos erster Klasse geflogen und werde fünf Wochen bleiben. In der Business-Class ging es nach Frankfurt, im Anschluss in der ersten Klasse nach Los Angeles und schließlich weiter in die Südsee.

Weil Bsirske stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Lufthansa ist, musste er für die Tickets nicht bezahlen, schreibt "Bild". Der übliche Preis für derlei Flüge liegt bei etwa 10000 Euro.



Ein Verdi-Sprecher bestätigte, dass sein Chef in Urlaub sei, machte aber keine weiteren Angaben zu dem Thema. Die Tatsache, dass Bsirske während eines Streiks außer Landes sei, sei jedoch nicht außergewöhnlich: "Als Herr Bsirske in den Urlaub fuhr, waren die Verhandlungen zwischen Verdi und Lufthansa noch nicht abgebrochen."

Verhandlungsführer auf der Gewerkschaftsseite ist Erhard Ott. Der sprach von "erheblichem Diskussionsbedarf", sieht aber auch Zeichen für ein Vorankommen im Tarifstreit. Am Donnerstagabend hatte sich die Tarifkommission der Gewerkschaft getroffen, um zu beraten, ob und unter welchen Umständen Gespräche und letztlich eine Einigung mit der Lufthansa möglich sein könnten. Mitglieder der Kommission berichteten, es werde ein Eckpunktepapier diskutiert, das bei den Sondierungsgesprächen entstanden war. Mehrere Mitglieder signalisierten, das bisherige Ergebnis im Kern bereits als Tarifeinigung zu akzeptieren.

Währenddessen geht der Streik des Boden- und Kabinenpersonals jedoch weiter. Mehrfach hat Verdi bekräftigt, den Arbeitsstopp nicht aufzuheben, solange keine endgültige Einigung gefunden ist. Die Gewerkschafter fordern 9,8 Prozent mehr Gehalt für 50.000 Mitarbeiter der Lufthansa. Das Unternnehmen bietet bislang 6,7 Prozent.


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