Der Schriftsteller Martin Walser hat die Zahlung von Bestechungsgeldern durch deutsche Firmen im Ausland gerechtfertigt. "Jeder weiß, dass in vielen Ländern Großaufträge ohne Bestechung nicht zu bekommen sind", sagte Walser im Interview mit Capital. Dass Manager hierzulande deshalb an den Pranger gestellt würden, sei "deutsch bis ins Mark", meinte der Schriftsteller: "Gucken wir mal in unser Nachbarland Frankreich. Dort kräht kein Hahn danach, ob Unternehmen bestechen."
Walser nahm auch den früheren Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden von Siemens, Heinrich von Pierer, in Schutz. "Hier ist eine öffentliche Person in den Medien mehr oder weniger zur Hinrichtung präpariert worden, ohne dass wirklich etwas nachzuweisen ist", sagte er. Auf die Frage, ob der Ex-Siemens-Chef – auch wenn er nichts von den Bestechungspraktiken seines Konzerns gewusst habe – nicht zumindest die Führungsverantwortung dafür hatte, antwortete Walser: "Das ist eine abstrakte moralistische Konstruktion. Auch dass ein Minister gehen muss, weil irgendein Unter-Unter-Unterstaatssekretär dieses oder jenes gemacht hat, habe ich nie verstanden." Wenn ein Unternehmen wie Siemens derart funktioniere, "dass bis zu einer gewissen Ebene alle wissen, wir müssen bestechen, aber wir müssen für den Fall des Falles die Spitze davon freihalten", dann sei das "eine sehr solide, vernünftige Konstruktion".
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