"Wir müssen damit rechnen, dass durch die Kostensenkungspläne des Konzerns rund 2500 Vollzeitstellen bis 2009 wegfallen sollen", erklärt Frank Fassin, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und bei Verdi NRW für Versicherungen zuständig. Nach Berechnungen der Arbeitnehmerseite sollen schätzungsweise 200 Millionen Euro bei dem Düsseldorfer Konzern mit den Marken Hamburg-Mannheimer, Victoria, DKV und DAS eingespart werden. Ein Ergo-Sprecher bestätigte zwar Überlegungen zur Kostensenkung, nicht aber deren Umfang: "Es gibt dazu derzeit keine Zahlen", sagte er. Fassin: "Tatsächlich geht es um eine noch nie dagewesene Kostensparmaßnahme mit dramatischen Auswirkungen auf viele Arbeitsplätze in der Ergo."
Bereits im vergangenen Dezember hatte der neue Ergo-Chef Torsten Oletzky auf einem Analystenkongress Einsparungen bei dem Erstversicherer der Münchener Rück angekündigt. Dem Programm "Kontinuierliche Verbesserung der Wettbewerbsposition" (KVW) liegen Quoten zugrunde, deren Auswirkungen abhängig vom Wachstum der Beiträge sind: Bleiben die Prämieneinnahmen hinter den Zielen zurück, steigt der Sparbedarf.
Oletzky hatte zugleich ehrgeizige Wachstums- und Profitziele verkündet: Das Beitragsvolumen soll gegenüber 2006 von gut 16 auf 23 Milliarden Euro in 2012 steigen und das Ergebnis um rund 90 Prozent auf rund 900 Millionen Euro wachsen. Der Gewinn je Aktie soll bis 2010 zudem jährlich um zehn Prozent zulegen. Im ersten Quartal 2008 war der Ergo-Ertrag allerdings trotz Prämienanstiegs gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent auf 150 Millionen Euro geschrumpft – vor allem wegen geringerer Kapitalerträge.
Der Mehrmarkenversicherer bestätigt, dass ein weiteres Projekt unter dem Titel "Ergo – ein Unternehmen" einen Umbau im Personalbereich vorsieht: Mehr als 10.000 Mitarbeiter im Innendienst dürften demnach künftig Ergo-Verträge erhalten. "Die Umsetzung streben wir für das Jahr 2009 an", schreibt Oletzky in einem internen CEO-Newsletter an die Mitarbeiter. Bisher bestand das Arbeitverhältnis mit den operativen Tochtergesellschaften Hamburg-Mannheimer, Victoria, DKV und DAS. "Per Ende 2007 hatten gut 500 Mitarbeiter einen Ergo-Vertrag", erklärt das Unternehmen. "Wir befürchten, dass dies den Erfolg versprechenden Mehrmarken-Ansatz von Ergo gefährdet", sagte Fassin.
Die Direktversicherungstochter Karstadtquelle, Wachstumsträger im Konzern und bisher im Gemeinschaftsbesitz mit Arcandor, soll von den Maßnahmen nicht betroffen sein. Ergo hatte erst kürzlich bestätigt, dass die Versicherungssparte voll übernommen und dafür der Bankanteil an Arcandor abgetreten werden soll.
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