Bereits die Allianz, BASF, Fresenius und auch Porsche haben die neue Rechtsform übernommen. Linde beispielsweise könnte die 30.000 Kollegen des britischen Zukaufs BOC erst durch eine solche Umfirmierung in den Aufsichtsrat integrieren, da im Aufsichtsrat einer deutschen AG immer nur Vertreter der deutschen Werke vertreten sind. Bei Eon, der Münchener Rück oder der Deutschen Telekom sei die Wahl der neuen Rechtsform dann gut denkbar, wenn eine große Akquisition anstehe. RWE-Chef Jürgen Großmann betonte in einem Capital-Gespräch Anfang des Jahres ausdrücklich, dass er für den Essener Stromgiganten die Rechtsform einer SE nicht ausschließt.
Rainer Wend, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD, prognostiziert, dass es „auf Dauer“ in Deutschland „nur noch SE“ geben wird. „In sechs bis acht Jahren wird ein erheblicher Teil der Dax-30-Unternehmen eine Europa AG sein“, sagt auch Christian Strenger, Mitglied der Corporate Governance Kommission.
Dabei kann die Entscheidung für eine SE brisante Hintergründe und Folgen haben. Porsche beispielsweise nutzt die Gründung einer SE-Holding, um im künftigen Aufsichtsrat den Einfluss der Belegschaftsvertreter des Zukaufs VW möglichst klein zu halten – laut Satzung der neuen Porsche SE stehen den 12.000 Porsche-Mitarbeitern ebenso viele Sitze im neuen Aufsichtsrat zu wie den Abgesandten der 324.000 VW-Mitarbeitern.
Alle bisherigen SE-Gründungen führten dazu, dass leitende Angestellte nicht mehr wie bei deutschen AG im Aufsichtsrat vertreten sind, weil die Aufsichtsgremien bei SE fast immer kleiner sind als der 20-köpfige Aufsichtsrat einer großen deutschen Aktiengesellschaft. „Die Leitenden mit ihrem Fachwissen fallen bei SE grundsätzlich durch den Rost“, kritisiert Ulrich Goldschmidt, Geschäftsführer des Verbandes „Die Führungskräfte“ in Capital. Außerdem erleichtert die SE-Gründung grundsätzlich, den Sitz eines Unternehmens außerhalb der Landesgrenzen zu verlagern. Was das für Folgen haben kann, erläutert Joachim Betz, Präsident des Deutschen Führungskräfteverbandes (ULA) gegenüber Capital: „Spätestens wenn die SPD es wagen würde, mit der Linken eine Bundesregierung zu stellen, droht in den Konzernen eine Diskussion über ihren Hauptstandort.“
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