Angefangen hat alles in der Schule. Jürgen Schmidt begann als Pennäler, Hefte aus Recycling-Papier an seine Mitschüler zu verticken – damals beeinflusst von der Öko-Welle der 80er Jahre. Aus der Idee wurde ein Geschäft: Heute arbeitet der 44-Jährige als Gesellschafter und Vorstandsprecher der Memo AG, eines ökologischen Versandhandels für Schreibwaren und Büroaustattung. Im Online-Shop für „nachhaltig guten Bürobedarf“ offeriert Memo mehr als 9000 Produkte, darunter gut 400 unter der Eigenmarke Memo.
Das Sortiment reicht vom Briefpapier mit Umweltzertifikat und Ablagefächern aus Recycling-Kunststoff über Energiesparbirnen bis zu ergonomisch geformten Möbeln aus unbehandelten Hölzern oder ökologisch korrekten Haushaltswaren. 2006 verbuchte das 1989 gegründete Unternehmen einen Umsatz von 14,6 Millionen Euro, in diesem Jahr wird mit einem Anstieg auf 16,3 Millionen Euro gerechnet. Dazu erwartet die Memo AG für 2007 ein Ergebnis vor Steuern von 390 000 Euro.
Der ganzheitliche Ansatz überzeugt. „Da das Memo-Kernsortiment primär aus Verbrauchs- und Gebrauchsgütern des täglichen Lebens besteht, leisten die Produkte bei steigenden Absatzmengen einen wichtigen Beitrag zur Schonung wertvoller Ressourcen“, urteilen Professor Maximilian Gege, Vorstandsvorsitzender des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M.), und Bernhard Bauske von der Umweltstiftung WWF Deutschland.
Das macht Jürgen Schmidt zum Ökomanager des Jahres in der Kategorie Mittelstand. Mit dieser Auszeichnung ehren Capital und die Umweltstiftung WWF Deutschland seit 1990 Unternehmenslenker, die Ökologie und Ökonomie vorbildlich verbinden (
Ökomanager 2007: Preis und Jury).
Öko muss weder umständlich noch teuer sein
Memo hatte es zum Start nicht leicht, es bedurfte harter Überzeugungsarbeit. Als sonderlich populär galten ökologische Produkte bei Konzernen und Unternehmern in den frühen 90ger Jahren nicht. Das klassische Vorurteil: Öko ist umständlich und teuer. Schmidt setzte auf Marketing. Er wollte den Kunden vermitteln, dass umweltfreundliche Produkte keinen Verzicht darstellen, sondern eine Alternative sind – bei gleicher Qualität und konkurrenzfähigen Preisen. Das Konzept ging auf.
Der mittelständische Betrieb wurde 2005 als erster deutscher Groß- und Einzelhändler vom Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Der FSC ist eine Organisation, die eine nachhaltige Forstwirtschaft fördert und ausweist. Für den Büroversandhändler mit einem hohen Anteil von Papierverkäufen ein Zertifikat von großem Wert, sorgt es doch für Vertrauen bei den Kunden. Um diese Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel zu setzen, überprüft Memo seine Produkte auf soziale und ökologische Faktoren. Ist nur einer der Lieferanten zweifelhaft, fliegt das Angebot aus dem Sortiment.
Vollständig klimaneutral
Schmidt entwickelte eine Wertstoffbox, die es Kunden ermöglicht, verbrauchte Materialen zurückzusenden und so dem Wertstoffkreislauf wieder zuzuführen. Um den Kartonageanteil zu senken, engagierte sich Memo als Pilotpartner der Deutschen Post und setzte als Mehrwegsystem „Postbox“ in seiner Versandlogistik ein. Das reduzierte den Kartoneinsatz um mehr als die Hälfte. Daneben hat der Chef ein Nachhaltigkeits-Management installiert, das die laufenden Prozesse korrigiert. Die CO-2-Emissionen stehen genauso auf der Prüfliste wie der Papierverbrauch im Unternehmen.
Memo heizt mit einer neu installierten, energiesparenden Holz-Hackschnitzel-Anlage, versorgt Firmenfahrzeuge über die eigene Biodiesel-Tankstelle und bezieht ausschließlich Strom aus regenerativen Quellen. Der aktuelle Nachhaltigkeitsbericht aus dem Jahr 2007 zeigt: Das Unternehmen arbeitet vollständig klimaneutral. Emissionen, die Memo nicht einsparen kann, kompensiert die Firma durch Spenden an Umweltprojekte und den Kauf von Emissionsrechten.
Die Firmenkultur wirkt motivierend auf die Mitarbeiter. Krankheitsbedingte Ausfälle und Fluktuation sind bei Memo weit unter Durchschnitt. Die zusätzlichen Angebote sind üppig: Fortbildungsmöglichkeiten, eine Kinderbetreuung mit zwei Erzieherinnen – und das bei einer Belegschaft von insgesamt knapp 90 Mitarbeitern. Zudem gibt es Sonderkontingente von Aktien für die Angestellten, die auf diesem Weg am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt werden. Und natürlich am Umweltschutz.
© 2007 capital.de
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