Hinter dem Tresen stand Peter Kowalsky, in Weihenstephan zum Diplom-Brauingenieur ausgebildet, zusammen mit Bruder Stephan, Mutter Sigrid Peter-Leipold und Stiefvater Dieter Leipold.
Heute füllen Produktionsanlagen die ehemalige Kneipe und die Familie schwimmt in wirtschaftlichem Erfolg. Möglich machte es das Limonaden-Kultgetränk Bionade, eine natürlich hergestellte, vergleichsweise zuckerarme Variante der süßen Durstlöscher. Bionade – alkoholfrei, obwohl aus Gerste gemacht und auf Basis des deutschen Reinheitsgebots für Bier fermentiert – gibt es in den Geschmacksrichtungen Holunder, Litschi, Kräuter und Ingwer-Orange. Der selbstbewusste Marketing-Slogan: "Bionade - Das offizielle Getränk einer besseren Welt".
„Das Unternehmen gibt ein wegweisendes Beispiel, dass auch ein regional und umweltbewusst erzeugtes Produkt erfolgreich auf einem Massenmarkt platziert werden kann“, begründet Bernhard Bauske von der Umweltstiftung WWF Deutschland die Wahl: Bionade-Chef Peter Kowalsky ist Ökomanager des Jahres in der Kategorie Mittelstand. Mit dieser Auszeichnung ehren Capital und die Umweltstiftung WWF Deutschland seit 1990 Unternehmenslenker, die Ökologie und Ökonomie vorbildlich verbinden (
Ökomanager des Jahres 2007: Preis und Jury). In ihrem Gutachten über Bionade haben die Juroren Produkt, Herstellungsverfahren, Mitarbeiterorientierung und Engagement des Unternehmens für Region und Umwelt unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: „Es ist eine wichtige Ermutigung für andere.“
Mundpropaganda und Szenekneipen
Tatsächlich wird das Unternehmen der Nachfrage kaum mehr Herr. Eine ungewohnte Situation in einem Markt, der von Überangebot und Preiskämpfen geprägt ist. „Jede Flasche die wir abfüllen, ist bereits nachgefragt. Wir könnten viel mehr absetzen als unsere Kapazitäten zulassen“, sagt Peter Kowalsky, Geschäftsführer der Bionade GmbH. Sie existiert seit dem Jahr 2002 als Ableger neben dem traditionellen Brauereibetrieb der Eltern. Nach dem Start produzierte Bionade rund zwei Millionen Flaschen im Jahr, 2006 waren es bereits 70 Millionen Flaschen, und für 2007 hofft Kowalsky, 250 Millionen Flaschen abzusetzen. Im vergangenen Jahr kam das Unternehmen auf einen Umsatz von 17 Millionen Euro, bislang macht es jedes Jahr 300 Prozent Plus. Kein Wunder, dass Unternehmen wie Coca-Cola ihr Kaufinteresse signalisieren – bislang allerdings vergebens.
Peter Kowalsky steht für die Marke, die vor allem über Mundpropaganda und den Vertrieb in Szenekneipen bekannt wurde. Das biologische Herstellungsverfahren hat indes sein Stiefvater Dieter Leipold ausgetüftelt, der ehemalige Braumeister der Peter Brauerei. Von ihm stammte die Idee eines biologisch hergestellten Getränks als Ersatz für die stark zuckerhaltigen Limonaden für Kinder. Sein Durchbruch war es, die industrielle Phosphorsäure in normalen Limos durch Gluconsäure zu ersetzen. Das ist eine hochwertige Fruchtsäure aus Traubenzucker, wie sie auch von Bienen bei der Honigproduktion entwickelt wird. Der Zusatz von Zucker ist weitgehend entbehrlich. Seine Entwicklung meldete Leipold 1995 zum Patent an, heute genießt der 70-Jährige als Ruheständler die Früchte seiner Arbeit.
Ökologisches Handeln bedeutet regionale Verantwortung
Stiefsohn Peter feilt derweil daran, der Bio-Idee des Unternehmens weiter gerecht zu werden. Die Grundstoffe für die Produktion der Bionade stammen aus ökologischem Anbau und entsprechen den Kriterien der EU – Öko-Anbauverordnung. Bis Jahresende will er den Betrieb nach dem IFS (International Food Standard) zertifizieren lassen. Seit 2005 fördert Bionade die heimische Produktion von Bio-Rohstoffen, vor allem in der strukturschwachen Rhön-Region, und sichert Landwirten, die ihren Betrieb auf ökologischen Landbau umstellen, den vollständigen Abkauf ihrer Braugerste- und Holunderernten zu. Ziel ist es, in fünf Jahren 80 Prozent der Grundstoffe aus dem Biosphärenreservat Hohe Rhön zu beschaffen – und das bei weiter steigender Produktion. Von einem Ortwechsel will Kowalsky, der bei Bionade und der Familienbrauerei Peter insgesamt rund 150 Mitarbeiter beschäftigt, trotz seines Erfolgs nichts wissen. Für ihn ist ökologisches Handeln gleichbedeutend mit regionaler Verantwortung. Und mit Förderung der Jugend: Bionade sponsort die deutsche Schulsportstiftung (Jugend trainiert für Olympia) und möchte Schulprojekte zum Thema gesunde Ernährung initiieren.
Persönlich ist Kowalsky, der selbst eine Tochter hat, der Hype um sein Kultgetränk offenbar nicht zu Kopf gestiegen. Er gibt sich bodenständig, lacht viel und verzichtet auf Sakko oder schickes Büro, um Besucher zu beeindrucken. Lieber sitzt er mit ihnen in einer einfachen Stube zusammen und genießt Mutters Wurstschnitten. Natürlich handelt es sich auch bei denen ausschließlich um regionale Spezialitäten.
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