Im Personen-Nahverkehr ging es los, dann kam der Güterverkehr. Jetzt sind auch die Fernzüge betroffen. Die GDL reizt erstmals alle ihre Möglichkeiten aus, um den Tarifpartner unter Druck zu setzen, und sorgt damit für den bisher größten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn. Für drei Tage ruft die Gewerkschaft ihre Mitglieder zum Ausstand auf. Zunächst im Güterverkehr, seit 2 Uhr in der vergangenen Nacht legen auch die Kollegen im Personen-Fernverkehr die Arbeit nieder. Das angekündigte Ende des Streiks ist in der Nacht zu Samstag ebenfalls um 2 Uhr.
Dazu verschärft sich der Ton zwischen den Lokführern und der Deutschen Bahn. Auch über eine weitere Eskalation des Konflikts - unbefristete Streiks, Ausfälle im Weihnachtsverkehr - wird inzwischen offen gesprochen. "Wir haben immer mehr Probleme, den Forderungen unserer Mitglieder nach unbefristeten Streiks zu widersprechen", sagte GDL-Chef Manfred Schell am Dienstag auf einer Pressekonferenz.
Ersatzfahrplan im Internet
Wie bei den bisherigen Streiks, will die Bahn mit Ersatzfahrplänen die Ausfälle im Personenverkehr kompensieren, die im
Internet zur Verfügung stehen. Die Bahn erklärte, dass zwei Drittel der Züge im Fernverkehr fahren, vor allem ICE-, internationale, Auto- und Nachtzüge. Im Nahverkehr seien dagegen nur bis zu 50 Prozent der Züge unterwegs. Dabei gibt es wie bei den vergangenen Streiks starke regionale Unterschiede. In den ostdeutschen Bundesländern, wo überdurchschnittlich viele GDL-Mitglieder zu Hause sind, ist die Lage am Schlimmsten. Nach Bahnangaben fahren im Osten nur rund 15 Prozent der Regionalbahnen, im Westen sind es 50 Prozent.
Neben dem Internetangebot können sich Bahnkunden auch über die kostenlose Service-Hotline 08000-996633 über die aktuelle Lage informieren.
Zum zweiten Mal in diesem Arbeitskampf ist auch die Bahn-Tochter Railion, früher DB-Cargo, betroffen. Die Bahn ist im Güterverkehr täglich mit 4780 Zügen unterwegs und transportierte im Jahr 2006 308 Millionen Tonnen Güter. Sie erzielte damit eine Beförderungsleistung von 96,4 Milliarden Tonnenkilometer und ist damit Europas größte Güterbahn. Wie hoch der volkswirtschaftliche Schaden des Streiks im Güterverkehr zu veranschlagen ist, ist noch ungewiss.
© 2007 capital.de









