An der Euroswiss Universität zu lehren, darauf war Karsten Bredemeier wohl ganz besonders stolz. Auf der Homepage des Managementtrainers, der unter anderem Führungskräfte von Allianz, BP, Deutsche Bank, Metro und SAP schult, prangte unübersehbar: Prof. Dr. Karsten Bredemeier, Professor am Institut für Wirtschaftswissenschaften, Management und Marketing der Euroswiss Universität, Schaffhausen.
Der kleine Schönheitsfehler: Das Sekretariat der Konferenz der Kultusminister brandmarkt die Adresse im Internet als "nichtanerkannte Institution". Dies hat Bredemeier mittlerweile selbst erkannt. Wiederholt auf Euroswiss angesprochen, ließ der qua Beruf ansonsten höchst kommunikative Bredemeier zum Schluss seinen Rechtsanwalt antworten. Die Lehrtätigkeit sei beendet, "das Vertragsverhältnis" aufgelöst. Der Rhetoriktrainer hat eigenen Angaben zufolge seit 2004 einen Professorentitel von der Staatsuni Moskau. Und sogar eine Genehmigung des Wissenschaftsministeriums von Nordrhein-Westfalen, diesen zu führen. Allerdings nur in Originalform mit dem Zusatz der Hochschule. Das war dann wohl doch zu unattraktiv. Der Professorentitel und der Verweis auf die Euroswiss jedenfalls sind zwischenzeitlich von
www.dr-bredemeier.de verschwunden.
Aufgrund der Vielzahl renommierter Titel, die hierzulande rechtmäßig erworben und geführt werden können, wirkt die Szene der akademischen Kürzel mittlerweile recht unübersichtlich. Hinzu kommt noch der Handel mit gekauften Promotionen, Habilitationen oder MBA-Abschlüssen. Experten schätzen die Zahl der Pseudohochschulen - oft auch Titelmühlen genannt - weltweit auf mehr als 2000, ihre jährlichen Einnahmen werden mit gut 500 Millionen Dollar beziffert. "Das hat eindeutig zugenommen", klagt Manuel René Theisen, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der den Handel mit den begehrten Kürzeln seit Jahren bekämpft.
Erstaunlich viele Manager lassen sich auf solch ein Geschäft in der Hoffnung ein, im harten beruflichen Wettbewerb einen Trumpf auszuspielen. Ob Schweiz, USA oder Osteuropa: Die Möglichkeiten, an einen sogenannten akademischen Grad zu kommen, sind mannigfaltig. Die Gefahren aber auch: Wer in Deutschland ungerechtfertigt einen Titel führt, verstößt gegen Paragraf 132a Strafgesetzbuch und riskiert bis zu einem Jahr Gefängnis. Deshalb sollten all jene, die im Ausland promovieren wollen, sehr genau hinschauen, wer ihnen da wissenschaftliche Meriten bestätigen will.
Ex-Telekom-Manager Thomas Kühr stolperte über seinen dubiosen Doktortitel
Vor allem das Internet und die EU-Erweiterung haben dem Geschäft mit vermeintlich seriösen Titeln zu neuem Aufschwung verholfen. Neben Viagra-Spams landen fast täglich Titelangebote in ungezählten Mailboxen; im Netz werben echte Betrüger wie auch windige Promotionsberater für ihre Dienste. Und seitdem - der Europäischen Union sei dank - auch die Abschlüsse aus Ländern wie Tschechien oder Bulgarien nicht mehr in Originalform mit dem lästigen Zusatz der jeweiligen Hochschule geführt werden müssen, boomt das Geschäft auch an durchaus renommierten Universitäten.
In deutschen Tageszeitungen offerieren Geschäftemacher - trotz der Strafbarkeit - ungeniert ihre Angebote. Mitunter haben sie sogar eine eigene Rubrik. "Krönen Sie Ihr Lebenswerk Dr./Dr. h. c./Prof./Prof. h. c. an renommierten internationalen Staatsuniversitäten", heißt es dort. Wer die angegebene Website
www.doktorate.ch anklickt, wird auf die Euroswiss Universität weiterverwiesen.
Immer wieder schmücken sich Manager mit Abschlüssen dubioser Schweizer Titelmühlen, deren bekannteste die sogenannten Freien Universitäten Herisau und Teufen sind. Thomas Kühr stolperte 2005 über seinen Doktortitel, den ihm die St. Bernhards-Universität Zürich verliehen hatte. Er musste nicht nur seinen Posten als Geschäftsführer der Telekom-Tochter T-Venture niederlegen, sondern auch den Vorstandsvorsitz des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften. Kühr galt als Pionier der Venture-Capital-Industrie in Deutschland und hätte den zweifelhaften Doktor eigentlich nicht nötig gehabt.

















