28.06.2006

M-Dax

Durchwachsene zweite Liga

Nicht einmal das kleine Investor-Relations-Einmaleins beherrschen derzeit Premiere, Vossloh, Merck oder Karstadtquelle. Was geht, beweisen Sieger wie Deutsche Euroshop, IVG und Celesio oder Aufsteiger wie Hugo Boss.

Priorität. Turbulente Zeiten an der Börse: Seit Mitte Mai sackte der M-Dax, der seit Anfang 2005 um fast zwei Drittel zugelegt hatte, von 9160 Punkten zeitweise unter 7300 Punkte ab – ein Minus von fast 22 Prozent. Ein Unternehmen zeigt sich davon ziemlich unbeeindruckt: Deutsche Euroshop. Die Investoren wissen, was sie an der dividendenstarken Immobilienaktie haben und halten ihr die Treue. Ein schöner Erfolg für Vorstandschef Claus-Matthias Böge – und ein Beleg für ausgezeichnete IR. „Sie hat bei uns oberste Priorität“, sagt Böge, der in West- und Osteuropa in ertragsstarke Shoppingcenter investiert und im Capital-Ranking zum zweiten Mal auf Rang eins landet: 2004 siegte er im S-Dax, nun im M-Dax. Sein Motto: „Unsere Aktionäre sind unsere Kunden. Investor-Relations ist für uns Kundengewinnung und -pflege.“

Noten. Auch IVG Immobilien, das auf Rang zwei landet, sowie Celesio und Lanxess räumen ab und erzielen Spitzennoten. Vor allem Lanxess, die ehemalige Chemiesparte von Bayer, zeigt seit dem Börsengang vor anderthalb Jahren eine beeindruckende Performance: Vorstandschef Axel Heitmann hält alle Versprechen, treibt die Restrukturierung konsequent voran und deutete auf der Hauptversammlung an, dass bald eine Dividende möglich sei. Stark verbessert zeigen sich Hugo Boss, Fraport, ProSieben Sat.1 sowie SGL Carbon.

Geheimniskrämerei. Gleichzeitig fallen Pfleiderer, Puma und Beiersdorf stark zurück. Einige Unternehmen sind völlig von der Rolle: Premiere-Chef Georg Kofl er, der mit nur 185,9 Punkten den letzten Platz belegt, hat sich beim Wettstreit um die Bundesliga- TV-Rechte verzockt. Merck auf Rang 46 ist traditionell sehr verschlossen – auch im Übernahmepoker mit Bayer um Schering. So weigerte sich Merck tagelang zu erklären, warum es nach dem deutlich höheren Gegenangebot von Bayer weiter Schering-Aktien kaufte – für insgesamt mehr als drei Milliarden Euro.

Fehlprognosen. Auch Vossloh steht in der Kritik: „Am Kapitalmarkt will man von uns eine glaubwürdige, konsistente und realisierbare Strategie haben“, sagte Vorstandschef Gerhard Eschenröder auf der Hauptversammlung Ende Mai – und kritisierte unverhohlen Vorgänger Burkhard Schuchmann, der nach Streitereien mit Aufsichtsräten sowie der Vossloh-Familie sein Amt aufgegeben hatte. „Alle Prognosen, die man Ihnen gegeben hat, sind nicht erreicht worden“, stichelte Eschenröder und kündigte an: „Ich will zurück zur Glaubwürdigkeit.“

 

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Quelle: Smarthouse Media, SIX Telekurs
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