Das CHE hat 41 Studienkredite in Deutschland geprüft und anhand von 15 Indikatoren bewertet. Die Methodik der Untersuchung finden Sie
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Die detaillierten Ergebnisse können Sie als PDF
herunterladen.
Weitere Informationen zum Studienkredit-Test des CHE finden Sie
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Der Mai begann an Deutschlands
größter Uni turbulent. In Köln besetzten
Studenten das Rektorat, sprengten
eine Senatssitzung und bedrängten
Rektor Axel Freimuth und einige Professoren
so heftig, dass eine Hundertschaft
der Polizei als Geleitschutz anrücken
musste. Auch an den Unis in Bonn, Bochum
und Bielefeld gab es in den vergangenen
Wochen Tumulte. Der Grund war
immer derselbe: Nordrhein-Westfalens
Hochschulen können ab Herbst Studiengebühren
erheben, die Protestler wollen
das ver hindern. In Köln nannte ein „Stefan
Wiesner“ - seinen richtigen Namen
woll te er lieber nicht gedruckt sehen - das
zentrale Gegenargument der Rektoratsbesetzer:
„Künftig kann sich nur noch
eine reiche Elite das Studium leisten.“
Das ist ein populärer Irrtum. Tatsächlich
muss in Zukunft niemand wegen
Geld mangels auf die Universität verzichten
- zur Not gibt es die Gebühren von
der Bank. Mittlerweile bieten viele Kreditinstitute
neuartige, zinsgünstige Darlehen
für Studenten an. Die ermöglichen
es oft nicht nur, die Gebühren vorzufinanzieren, sondern auch den Lebensunterhalt zu bestreiten. Mit der Rückzahlung
muss frühestens ein Jahr nach
Studienende begonnen werden, die
Höhe der Raten ist meist sehr flexibel
aushandelbar. „Es gibt inzwischen eine
erstaunliche Breite und Vielfalt an interessanten
Kreditmodellen - darum glaube
ich nicht, dass die Zahl der Studienanfänger
wegen der Gebühren sinken
wird“, konstatiert Professor Detlef Müller-
Böling, Leiter des renommierten
Centrums für Hochschulentwicklung
(CHE) in Gütersloh.
Überblick. Er muss es wissen: Die Forscher des CHE, einer Gemeinschaftseinrichtung von Bertelsmann-Stiftung und Hochschulrektorenkonferenz (HRK), haben in Kooperation mit Capital erstmals eine umfassende Übersicht über die Studien kredite in Deutschland zu sam mengestellt und im Hinblick auf fünf Kernkriterien geprüft und bewertet. Das Resultat: Mehr als 40 Banken haben mittlerweile spezielle Angebote für angehende Akademiker. Darunter sind viele Institute, die sich nur an die Kunden am Ort wenden - etwa einige bayerische Volks- und Raiffeisenbanken, die das Rahmenkonzept ihres Dachverbands nutzen. Neun Anbieter sind landesweit tätig, sechs richten sich an alle Studenten in Deutschland.
Bei den Kreditmodellen existieren
drei unterschiedliche Typen:
- Kredite zur Abdeckung der Studiengebühren
von meist 500 Euro pro Semester:
Solche Angebote gibt es von den staatlichen
Förderbanken in den Bezahlländern
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern und
Hamburg. Das Geld aus den Darlehen
fließt gar nicht erst auf die Konten der
Studenten, sondern direkt an die Unis.
Vorteil: Für Bafög-Empfänger - immerhin
ein Viertel aller Studenten - mindern
viele Banken das Schuldenrisiko dadurch,
dass sie eine Rückzahlungshöchstgrenze
einziehen.
- Kredite zur Finanzierung der Lebenshaltung:
Die Angebote von Deutscher,
Dresdner und KfW-Förderbank mit
monatlichen Auszahlungs raten von
600 bis 800 Euro rei chen ungefähr für
das durchschnittlich 700 Euro teure
Studentenleben. Vorteil: Schulabgänger
können unabhängig von ihren Eltern
studieren - und ohne nebenher arbeiten
zu müssen. Bisher sind neun von
zehn Studenten auf Geld von zu Hause
angewiesen, zwei Drittel auf einen Nebenjob.
Der Kredit kann sich auch finanziell
lohnen: Wer ein Semester früher Examen
macht, weil er ein Jahr lang nicht jobben
musste, braucht im neuen Beruf in den
ersten sechs Monaten insgesamt nur rund 10 000 Euro zu verdienen und hat den Kredit
plus Zinsen schon erwirtschaftet.
– Bildungsfonds: Beim Geschäftsmodell
von Careerconcept handelt es sich nicht
um einen klassischen Kredit, sondern
um einen Fonds. Interessenten durchlaufen
ein Auswahlverfahren und erhalten
bei Erfolg bis zu 1000 Euro pro Monat
plus Studiengebühren aus dem Fonds.
Vorteil: Das Risiko ist überschaubar, weil
die Höhe der Rückzahlung vom Verdienst
nach dem Studium abhängt. Als
Betrag wird ein fester Prozentsatz des
späteren Einkommens vereinbart, der
auf mehrere Jahre gestreckt wird. Bei
einem geringen Gehalt zahlt ein Absolvent
also auch nur eine geringe Summe.
Daneben gibt es noch Studienkredite,
die nur für einzelne, oft private Hochschulen
gelten und helfen sollen, die dort
viel höhere Gebührenlast zu tragen. Sie
sind im CHE-Vergleich nicht enthalten.
Welches der untersuchten Angebote
das beste ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.
Je nach Lebenssituation und
Präferenz des Studenten bieten sich unterschiedliche
Finanzierungsvarianten
an (siehe:
„Tipps für alle Fälle“).
Deshalb hat das CHE auch darauf verzichtet,
aus der Bewertung der fünf Kernkriterien
ein Gesamturteil zu ermitteln. „Jedes Angebot hat Vorteile und Nachteile“,
sagt Projektleiter Markus Langer. „Der Einzelne kann am besten selbst entscheiden,
ob ihm zum Beispiel niedrige Kosten wichtiger sind oder eine wirksame
Risikobegrenzung.“
Schuldenrisiko. So hilfreich die neuen Kredite sein können, so besonnen sollten Studenten sie nutzen. Sonst droht die Gefahr, nach dem Examen mit unerwartet hohen Verbindlichkeiten dazustehen. Zwar sind die Horrorzahlen unrealistisch, mit denen ge bühren kritische Studentenvertreter und Sozialdemokraten etwa das Kreditmodell der bundeseigenen KfWBank von Anfang an zu diskreditieren versuchten: Bis zu 97500 Euro Schulden müsse ein Absolvent nach Studienende zurückzahlen, warnte die SPD-Fraktion. Doch auch die tatsächlichen knapp 60000 Euro Schulden, die bei Inanspruchnahme des KfW-Höchstbetrags von monatlich 650 Euro nach fünf Jahren Studium über zehn Jahre zurückzuzahlen wären, sind viel Geld für frisch gebackene Akademiker. Hinzu kommt eine weitere Unsicherheit: Der Zinssatz der Darlehen ist häufi g variabel - auch nach oben. Hochschulrektorenpräsidentin Margret Winter mantel rät daher zu Augen maß: „Man muss den Rahmen ja nicht komplett ausschöpfen. Oft hilft es schon, einen Kredit nur ergänzend zu anderen Geldquellen oder nur für eine bestimmte Studienphase aufzunehmen.“
Mit dem
Studentenkreditrechner der Finanzberatung FMH ermitteln Sie individuell Ihre Rückzahlungssumme.
Ihr Tipp wird schon jetzt be herzigt:
Von den mehreren Tausend An trägen,
die etwa seit dem offi ziellen Start des
KfW-Studienkredits Anfang April ausgefüllt
wurden, liegen nach Angaben der
Bank viele unter dem Maximalbetrag.
„Die Studenten verhalten sich sehr rational
und risikobewusst“, berichtet KfWSprecher
Alexander Mohanty.
Lückenschluss. Ein ohnehin geringes
Schuldenrisiko trägt derjenige, der den
Studienkredit nur für die 500 Euro Gebühren
braucht: Die Tilgungssumme
beträgt für ein fünfjähriges Studium inklusive
Zinsen rund 7500 Euro. „Es geht
um einen Kredit von einem relativ kleinen
Betrag mit niedrigen Zinsen und
flexibler Rückzahlung“, sagt Wintermantel.
„Damit sind die Gebühren ausreichend
sozial abgefedert.“
Auch CHE-Chef Müller-Böling fürchtet
nicht, dass die Kredite abschreckende Wirkung haben. Im Gegenteil: In Deutschland
könnte sogar die im internationalen
Vergleich niedrige Akademikerquote von
derzeit 20 Prozent eines Jahrgangs steigen.
Denn weil die neuen Darlehen ohne
sonst übli che Sicherheiten gewährt werden,
sind nun auch diejenigen in der Lage,
ein Studium zu finanzieren, die zwar kein
Bafög bekommen, ihren Eltern aber
trotzdem nicht auf der Tasche liegen wollen.
„Hier gab es eine Lücke, die jetzt geschlossen
ist“, analysiert der Experte.
Den Protest gegen Studiengebühren
wegen angeblicher sozialer Ungerechtigkeit
hat Müller-Böling noch nie verstanden:
„Sozial ungerecht ist es doch vielmehr,
wenn die gesamte Gesellschaft die
Hochschulausbildung für eine kleine
Minderheit bezahlt, die dann später auch
noch überdurchschnittlich verdient.“
Zweckentfremdung. Kritik übt er allerdings
an der Verwendung der Gebühren.
Ein Teil kommt nämlich gar nicht
den Hochschulen zugute, sondern fließt
in Sicherungsfonds der Länder – in Nordrhein-
Westfalen zum Beispiel gleich 23
Prozent der Einnahmen. Mit dem Geld
werden die Rückzahlungsbegrenzungen
für Bafög-Empfänger und Kreditausfälle
finanziert. „Besser wäre es, die Länder
würden selbst als Ausfallbürgen in die
Bresche springen“, fordert Müller-Böling.
Doch die halten sich angesichts leerer
Kassen bisher überall zurück.
Das kann man vom Kölner Studenten
Michael Knippel nicht sagen. Während
seine Kommilitonen noch demonstrieren,
hat der 22-Jährige die neue Chance
der Studiendarlehen genutzt: Er ist einer
der ersten, die einen Kredit bei der KfWBank
aufgenommen haben. Von der bekommt
er jetzt monatlich 300 Euro und
muss daher nicht mehr so viel jobben. Gegen
Studiengebühren hat Knippel nichts
einzuwenden: „Ich bin bereit, für eine
bessere Bildung Geld auszugeben.“
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