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  • Wochenrückblick

Eons teure Vergangenheitsbewältigung

, von Kai Beller

Tiefrote Bilanz: Eon will mit der Vergangenheit abschließen. Außerdem: Aufatmen bei Lufthansa und die Fed-Zinserhöhung

Eon-Chef Johannes Teyssen © dpa
Eon-Chef Johannes Teyssen möchte am liebsten nur noch nach vorne blicken

Wer zu spät kommt, den bestraft die Energiewende. Beim Energiekonzern Eon führte das zu lange Festhalten am Geschäft mit Atom- und Kohlestrom zum höchsten Verlust in der Unternehmensgeschichte. Ein Minus von 16 Mrd. Euro weist der Energieriese für das vergangene Jahr aus. Konsequenz: Konzernweit sollen 1300 Stellen abgebaut werden, 1000 davon in Deutschland. Und auch die Aktionäre müssen Einbußen hinnehmen: Die Dividende wird von 50 Cent je Aktie auf 21 Cent gekürzt. Um die Aktionäre bei der Stange zu halten, stellte der künftige Finanzchef Marc Spieker für 2017 schon mal eine Dividende von 30 Cent je Aktie in Aussicht.

Hauptgrund für die desaströse Bilanz sind Wertberichtigungen auf das Tochterunternehmen Uniper. Bei der Abspaltung der Gesellschaft, in der klassische Kraftwerksgeschäft gebündelt ist, hatte Eon den Wert Unipers 11 Mrd. Euro zu hoch angesetzt. Zudem muss Eon für den Atomkompromiss zahlen, der mit der Bundesregierung ausgehandelt wurde.

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Eon-Chef Johannes Teyssen möchte sich am liebsten gar nicht mehr mit der Vergangenheit befassen: „Die Bilanz des Übergangsjahres 2016 ist eine Zäsur, die den Weg von Eon in die neue Energiewelt frei macht“, sagte er. Ob allerdings die neue Strategie mit erneuerbaren Energien aufgeht, muss sich erst noch erweisen.

Vorerst bleibt die Lage bei Eon prekär. Schulden in Höhe von 26 Mrd. Euro drücken den Konzern. Um sich Geld zu besorgen, schoss Eon bereits am Freitag eine Kapitalerhöhung nach, die 1,3 Mrd. Euro in die klammen Kassen spült. Ein Teil der Summe ist wieder für die Vergangenheitsbewältigung vorgesehen: Er fließt in die Finanzierung des Fonds zur Bewältigung der Atomaltlasten.

Lufthansa: Einigung mit Piloten

Lufthansa Airbus A 340 © Lufthansa
Die Lufthansa will in Zukunft wieder mehr neue Maschinen anschaffen

Lufthansa-Chef Carsten Spohr kann zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken. „Wir stehen heute wiederum ein Stück besser da als noch vor einem Jahr“, sagte er. Vor allem die Beilegung des scheinbar endlosen Arbeitskampfes mit den Piloten über deren Altersversorgung dürfte den Airline-Manager erleichtern. „Unsere Freude ist groß, dass wir den längsten Tarifkonflikt in der Unternehmensgeschichte beenden konnten“, sagte Spohr. Vor allem die für die Fluglinie teure Frühverrentung ihrer Piloten kann nun neu geregelt werden.

Mittelfristig wird sich das auch positiv auf den operativen Gewinn auswirken. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern aber mit einem leichten Rückgang des bereinigten operativen Ergebnisses vor Zinsen und Steuern, das 2016 bei 1,75 Mrd. Euro lag. Es wäre der zweite Rückgang in Folge. Grund dafür sind die höheren Treibstoffkosten wegen der gestiegenen Ölpreise, eine der größten Kostenfaktoren der Fluglinie.

Unter dem Strich steht ein Konzerngewinn von 1,77 Mrd. Euro in der Bilanz. Als Dividende schüttet der Konzern 50 Cent je Aktie an seine Anteilseigner aus – genauso viel wie im Vorjahr. An der Börse griffen die Anleger beherzt zum Lufthansa-Papier: Die Aktie war am Donnerstag der große Gewinner im Dax.

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Leitzinsen: Die Fed macht den nächsten Schritt

Fed-Chefin Janet Yellen
Fed-Chefin Janet Yellen sieht die US-Wirtschaft gut aufgestellt - Foto: Flickr.com / Federal Reserve

Die US-Konjunktur läuft auf Hochtouren, es herrscht fast Vollbeschäftigung und die Inflationsrate zieht an. Für Fed-Chefin Janet Yellen Gründe genug, um die Leitzinsen anzuheben. Sie liegen nun bei 0,75 bis 1,0 Prozent. Es wird wohl nicht der letzte Zinsschritt in diesem Jahr gewesen sein, denn Yellen stellte zwei weitere Zinserhöhungen in Aussicht.

Da US-Präsident Donald Trump mit Ausgabenprogrammen für Verteidigung und Infrastruktur die Wirtschaft weiter ankurbeln will, kann man den Schritt der Währungshüter auch als Maßnahmen gegen eine Überhitzung der Konjunktur interpretieren. Yellen bestritt jedoch, dass Trumps Politik die Notenbank in ihrer Entscheidung beeinflusst habe. „Wir haben nicht über politische Veränderungen gesprochen. Wir haben noch viel Zeit, um zu sehen, was da kommt“, sagte sie.

Dem Präsidenten dürfte die Vorgehensweise der Fed nicht gefallen. Er hatte Yellen bereits im Wahlkampf vorgeworfen, die Zinsen künstlich niedrig zu halten, um die Wirtschaft besser dastehen zu lassen, als sie in Wirklichkeit sei. Anders als bei ähnlichen Gelegenheiten verzichtete Trump diesmal auf einen seiner berüchtigten Twitter-Kommentare.

An den Finanzmärkten kam der gut vorbereitete Zinsschritt sehr gut an. Der deutsche Leitindex Dax kletterte über die Marke von 12.000 Punkten.

Schlecker verliest Erklärung

Anton Schlecker © Getty Images
Anton Schlecker streitet alle Vorwürfe ab

Im Schlecker-Prozess hat sich in dieser Woche Anton Schlecker zu Wort gemeldet. Er verlas vor dem Landgericht eine Erklärung, in der der frühere Drogeriemarktunternehmer die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückwies. Schlecker ist unter anderem wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt. Er soll nach Darstellung der Staatsanwaltschaft die Insolvenz hinausgezögert haben, um Vermögen beiseitezuschaffen.

Schlecker zeichnet von sich ein Bild des ehrlichen Kaufmanns, der von der Schieflage seines Unternehmens völlig überrascht wurde. Drei Kernaussagen belegen das:

„Dass dieses Unternehmen wirklich kaputtgehen könnte, war für mich völlig unvorstellbar.“

„Ich erinnere mich nicht an Liquiditätsprobleme, die ich nicht für überwindbar gehalten hätte.“

„Für mich gab es kein unternehmerisches Scheitern. Ich war sehr erfolgsverwöhnt.“

2012 meldete Schlecker Insolvenz an. 23.000 Mitarbeiter – vor allem Frauen – verloren ihren Job.


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