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Winterkorn war gewarnt

, Kai Beller

Ex-VW-Chef Winterkorn erfuhr schon 2014 von den Dieselproblemen. Außerdem: Börsenfusion, Pro Sieben Sat 1 und Argentinien

Abgasskandal: Winterkorn übersah die Gefahr

Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn
Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn erhielt schon im Frühjahr 2014 einen Hinweis auf die Abgasprobleme - Foto: Getty Images

Im VW-Abgasskandal gerät der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn immer stärker ins Zwielicht. Nach Angaben des Unternehmens wurde Winterkorn bereits im Mai 2014 erstmals über die Dieselproblematik informiert – knapp eineinhalb Jahre bevor die Affäre richtig ins Rollen kam. Es sei nicht bekannt, ob Winterkorn den Vermerk, der sich in seiner Wochenendpost befunden habe, überhaupt zur Kenntnis genommen habe.

Das Eingeständnis des Unternehmens steht in der Erwiderung auf Klagen von Aktionären, die dem Konzern Verstöße gegen Publizitätspflichten vorwerfen. Das streitet das Unternehmen allerdings ab. Erst nachdem am 18. September 2015 die US-Umweltbehörde EPA die Abgasmanipulation publik gemacht habe, sei Volkswagen in der Pflicht gewesen, die Aktionäre zu informieren. „Bis dahin gab es keinerlei Anzeichen für börsenkursrelevante Informationen, denn bis zu diesem Zeitpunkt war von einer überschaubaren Fahrzeug-Anzahl (etwa 500.000) und Bußgeldern in einem zweistelligen oder unteren dreistelligen Millionen-Bereich auszugehen“, heißt es in einer Konzernmitteilung.

Der Konzern untermauert das durch eine weitere Notiz, die im November 2014 an Winterkorn gegangen sei. In diesem Vermerk sei „von einem Kostenrahmen von ca. EUR 20 Mio. für  die Diesel-Thematik in Nordamerika“ die Rede gewesen. Die Angelegenheit habe auf den Führungsebenen des Konzerns zunächst keine Aufmerksamkeit erregt. Ende Juli 2015 wurden die Probleme bei einer Besprechung über Schadens- und Produktthemen erneut erörtert. Winterkorn habe eine weitere Aufklärung des Sachverhalts verlangt.

Ende August sei dann deutlich geworden, dass VW mit der Manipulationssoftware gegen US-Recht verstoßen haben. Aber auch zu diesem Zeitpunkt sei das Unternehmen davon ausgegangen den Fall mit Bußgeldzahlungen in überschaubarer Höhe beilegen zu können. Das erwies sich als fatale Fehleinschätzung.

Börsenfusion: ICE funkt dazwischen

London Stock Exchange
Die Londoner Börse und die Deutsche Börse wollen sich zum größten europäischen Börsenbetreiber vereinen - Foto: Getty Images

Gerät die geplante Fusion zwischen der Deutschen Börse und der London Stock Exchange (LSE) noch in Gefahr? Das könnte passieren, wenn die amerikanische Intercontinental Exchange (ICE) tatsächlich ein Gegenangebot vorlegt. Das Unternehmen, das auch die New York Stock Exchange betreibt, erwäge eine Offerte für die LSE, hieß es in dieser Woche.

Aber was bezweckt ICE-Chef Jeffrey Sprecher mit seinen Überlegungen? Will er die LSE tatsächlich übernehmen? Oder will er nur die geplante europäische Börsenfusion verhindern? Eine Antwort darauf gibt es erst, wenn ein Angebot vorliegt. ICE müsste den LSE-Aktionären einen satten Aufschlag anbieten, um sie umzustimmen.

Deutsche Börse und LSE planen eine Fusion auf Augenhöhe. Hauptsitz der Börse soll London sein. Als Chef ist der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse Carsten Kengeter vorgesehen. Gut 54 Prozent an dem neuen Unternehmen sollen die Anteilseigner des deutschen Partners halten. Auf die LSE-Aktionäre entfielen demnach 46 Prozent.

LSE-Chef Xavier Rolet warb am Freitag nachdrücklich für den deutsch-britischen Zusammenschluss. Es sei eine Riesenchance, die beide Unternehmen stärken und die Branche umwälzen würde.

Pro Sieben Sat 1: Aufstieg in den Dax

Pro Sieben Sat 1 Playoutcenter
Pro Sieben Sat 1 ist mehr als ein Fernsehunternehmen - Foto: Pro Sieben Sat 1

Medienunternehmen haben es bislang noch nie in die Beletage der börsennotierten Konzerne in Deutschland geschafft. Axel Springer und die RTL Group sind im MDax notiert. Dort ist bislang auch die Aktie von Pro Sieben Sat 1 angesiedelt. Doch das wird sich bald ändern: Am 21. März rückt der Medienkonzern für den Düngemittelhersteller K+S in den Dax auf.

„Wir sehen den Aufstieg als Würdigung unserer Arbeit der vergangenen Jahre und als Ansporn, unsere diversifizierte Wachstumsstrategie in Zukunft erfolgreich weiter zu verfolgen“, sagte Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling. Unter seiner Regie hat sich das Unternehmen über das reine werbefinanzierte Fernsehgeschäft hinaus entwickelt. Die E-Commerce-Sparte mit Marken und Beteiligungen im Reisebereich und Onlinehandel wächst schnell. Im vergangenen Jahr erzielte der Konzern mit 3,26 Mrd. Euro einen Umsatzrekord. Bis 2018 peilt Ebeling Erlöse von 4,2 Mrd. Euro an.

ProSiebenSat.1 Media Aktie

ProSiebenSat.1 Media Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Argentinien: Kompromiss mit Hedgefonds

Argentinische Flagge
Argentinien: Der neue Präsident Macri führt das Land zurück an die Kapitalmärkte

Argentinien steht vor der Rückkehr auf die internationalen Finanzmärkte. Nach jahrelangem Streit hat sich die Regierung in Buenos Aires mit mehreren US-Hedgefonds auf die Zahlung von 4,65 Mrd. Dollar geeinigt. Sollte das argentinische Parlament dem Kompromiss zustimmen, kann sich das Land wieder Geld auf den internationalen Finanzmärkten besorgen.

Die neue argentinische Regierung bricht damit mit der Politik der früheren Präsidentin Cristina de Fernandez de Kirchner, die einen erbitterten Kampf mit den „Geierfonds“ geführt hatte. Vier US-Hedgefonds hatten sich nach der argentinischen Staatspleite 2001 geweigert, einer Umschuldung zuzustimmen, bei der sie auf 70 Prozent ihrer Forderungen hätten verzichten müssen. Vor einem US-Gericht bekamen sie 2014 Recht. Argentinien wurde verpflichtet, erst die Forderungen der Hedgefonds zu begleichen, bevor andere Gläubiger bedient werden dürfen.

Der neue konservative Staatschef Mauricio Macri hatte versprochen, den Streit beizulegen. Er braucht das Geld von den Kapitalmärkten, um die stagnierende Wirtschaft des Landes anzukurbeln.


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