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in 3 Schritten zur Digitalisierung

, Katja Nettesheim

Wie Sie möglichst schnell, sichtbar und trotzdem mit Substanz Ihr Unternehmen in Richtung „digital“ entwickeln können. Von Katja Nettesheim

Ein Mann sitzt mit Kopfhörern vor einem Computer mit zwei Bildschirmen © Getty Images
Mitarbeiter mit Kopfhörern vor Computer zu setzen, macht noch kein digitales Unternehmen

Wann haben Sie das letzte Mal gehört, Sie müssten Ihr Unternehmen auf das digitale Zeitalter vorbereiten? Gestern, letzte Woche? Und haben Sie dabei auch erfahren, wie Sie das machen sollen? Und zwar so über die üblichen Berater-Banalitäten hinweg („Machen Sie Ihre Belegschaft fit“), sondern konkret handhabbar und kurzfristig wirksam?

Als Geschäftsführer wird Ihnen – wird uns – ja Einiges abverlangt: Umsatz steigern, Kosten senken, Geschwindigkeit erhöhen, Stellen abbauen, alle bei Laune halten – und jetzt auch noch „digital werden“. Und das bitte bis zum nächsten Berichtstermin. Schlimmstenfalls also innerhalb der nächsten drei Monate. Da ist guter Rat teuer…. Hier die Top 3 der Initiativen, wie Sie möglichst schnell, sichtbar und trotzdem mit Substanz Ihr Unternehmen in Richtung „digital“ entwickeln können:

#1 Richten Sie eine „Future Task Force“ ein

Interdisziplinäre Teams, die neue – oft ungeahnte – Freiheiten bekommen, sind die besten Multiplikatoren für Ihre Weitsicht hinsichtlich der Digitalen Transformation. Setzen Sie ein Team zusammen aus verschiedenen Abteilungen und Senioritäten, aber lassen Sie Führungskräfte raus. Geben Sie diesem Team ein kleines Budget und nur eine Aufgabe: neues Wissen von außen ins Unternehmen zu bringen.

Wie sie das machen, bleibt ihnen überlassen: Konferenzen, Wettbewerberbesuche, Teilnahme an Meetups etc. Hauptsache, sie streuen die Eindrücke möglichst weit innerhalb des Unternehmens. Auch hier wieder mit freier Wahl der Mittel: Lunch Lectures, interne Blogs, Flugblätter – wichtig ist nur, dass die neuen Erkenntnisse viral gehen.

#2 Design Thinking goes a long way

Schulen Sie möglichst die gesamte Organisation in Design Thinking oder – um genauer zu sein – im Customer Centric Design. Es handelt sich um die Methode der strikten Ableitung der Produkte aus den Bedürfnissen der Kunden. Dabei wird extrem stark in den Dialog mit den Kunden gegangen: Was nicht vom Kunden selbst kommt, wird nicht als Grundlage der Produktentwicklung herangezogen. Also Kundenorientierung hoch drei und häufig eine grundsätzliche Kulturveränderung. Besonders schön ist das mit Führungskräften, die bisher ihre Autorität allein daraus ableiteten, sie allein wüssten, was der Kunde wirklich will.

#3 Fügen Sie ein Produktentwicklungsteam dazu

Und noch ein interdisziplinäres Projektteam, genauso zusammengesetzt, aber mit anderen Personen und diesmal mit einem engeren Auftrag: ein neues digitales Produkt zu entwickeln, und zwar auf Basis der Design Thinking-inspirierten Methoden, die zuvor geschult wurden. So bekommen die Maßnahmen aus Punkt 2 gleich eine praktische Relevanz, sie ermächtigen weitere Personen, an der Zukunft des Unternehmens mitzuarbeiten, und vielleicht kommt tatsächlich ein umsatzträchtiges Produkt dabei heraus.

Positiver Nebeneffekt: Durch die enge Zusammenarbeit entstehen gleich andere Kommunikationswege und ein besseres Verständnis zwischen den Abteilungen. Nicht mehr jeweils gegeneinander, und vor allem nicht mehr immer „über die Spitze“. Und wenn Sie auch dem Produktentwicklungsteam aufgeben, regelmäßig zu berichten, welche Schritte sie in der Produktentwicklung gehen, welche Erkenntnisse sie von den Kunden gewinnen und wie es ihnen dabei ergeht, haben Sie eine weitere Gruppe von Multiplikatoren gewonnen.

Also drei Maßnahmen, die ihre (ersten) Wirkungen innerhalb von drei Monaten entfalten können, aber jeweils so auf Viralität angelegt sind, dass sie mit ein bisschen Unterstützung von selbst weiter leben – vorausgesetzt, sie werden nicht durch operative Aufgaben der beteiligten Mitarbeiter und Gegenwehr aus dem Mittelmanagement erstickt. Aber dazu mehr in einer nächsten Folge ….


Katja Nettesheim ist Gründerin und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Mediate. Zudem ist sie Professorin für digitales Medienmanagement an der Steinbeis Hochschule Berlin. Mehr von Katja Nettesheim: So entstehen neue Geschäftsmodelle



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