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Wie Walmart sich gegen Lidl rüstet

, Sarah Nassauer, Heather Haddon, Wall Street Journal

In der Konzernzentrale des Weltmarktführers im Einzelhandel gibt es gerade ein beherrschendes Thema: Die Führungsriege von Walmart stellt sich auf den Angriff eines Zerstörers in den USA ein - Lidl betritt den Markt.

© Getty Images
Lidl will Geschäfte in Virgina, North Carolina und South Carolina eröffnen

Der deutsche Discounter Lidl, der seit 1994 schon den britischen Lebensmittelmarkt aufmischt, will bis zum Sommer 20 Niederlassungen in den Bundesstaaten Virgina, North Carolina und South Carolina eröffnen. Von rund 200 Filialen in den kommenden Jahren gehen Immobilienexperten aus. Auch Rivale Aldi, dessen Markteintritt schon 40 Jahre zurückliegt, will das Amerika-Geschäft ausbauen: Mit 1,6 Mrd. Dollar sollen 1300 Standorte modernisiert und 650 weitere gestartet werden.

Walmart sieht dem nicht untätig zu und arbeitet an seiner Wettbewerbsfähigkeit. CEO Doug McMillon verfeinert sein Angebot an Eigenmarken, senkt Preise und trimmt die Läden auf ein besseres Einkaufserlebnis – etwa durch kürzere Wartezeiten an den Kassen. So hat McMillon seit 2014 schon den Umsatz verbessert. „Wir haben vor zwei Jahren bereits angefangen, uns für schärferen Wettbewerb zu positionieren“, sagte er vor kurzem in einem Interview.

In Europa haben Lidl und Aldi mit einem kombinierten Umsatz von nahezu 100 Mrd. Dollar an 10.000 Standorten mit Niedrigpreisen, beliebten Eigenmarken und mehr Obst und Gemüse ihren Marktanteil im Lebensmitteleinzelhandel erheblich ausgebaut. In Großbritannien bekommt die Walmart-Tochter Asda das schon zu spüren, deren Geschäft seit 13 Quartalen in Folge stagniert. Aldi und Lidl teilen sich zwölf Prozent des Marktes. Handelsexperten von Kantar Worldpanel sehen Asda, Tesco und andere Ketten als Leidtragende.

In Lücken stoßen

Auf dem US-Markt wittere Lidl nun eine noch größere Chance, mit niedrigpreisigen Qualitätslebensmitteln zu punkten, sagt US-Sprecher William Harwood. „Wir glauben, wir werden in einige bedeutende Lücken hineinstoßen.“ Kantars Experte Mike Paglia erwartet, dass die ersten Vorzeigefilialen unweit Lidls US-Zentrale in Arlingten, Virginia starten – mit Frischware am Eingang, viel Tageslicht und Wein im Angebot.

Wie weit Lidl sein Netz spannen will, darüber hält der Discounter sich bedeckt. Auf die ersten 20 Filialen in den drei genannten Bundesstaaten würden bis nächsten Sommer an der Ostküste 80 weitere folgen. Näheres will Amerika-Chef Brendan Proctor demnächst in New York bekannt geben. Der Markt für Handelsimmobilien stellt sich auf mindestens 150 Standorte ein.

Hinweis an einer Walmart-Kasse auf die Möglichkeit, per Smartphone zu bezahlen © Walmart
Hinweis an einer Walmart-Kasse auf die Möglichkeit, per Smartphone zu bezahlen

Die Offensive der Discounter könnte amerikanische Supermärkte zu keinem schlechteren Zeitpunkt treffen. Sinkende Lebensmittelpreise drücken die Marge seit 17 Monaten, länger als je zuvor seit 1956. Daran ist Walmart selbst nicht unschuldig, dreht der Konzern doch selbst kräftig an der Preisspirale, um im Niedrigpreissegment mitzuhalten. Einkäufer sind angehalten, bei Herstellern für 80 Prozent des Volumens die Preise um 15 Prozent zu drücken.

Die führende Supermarktkette Kroger musste im März-Umsatz den ersten Quartalsrückgang seit 13 Jahren vermelden. Die Märkte von Publix verbuchten im Mai das erste Minus seit der Rezession. In europäischen Städten suchten Kroger-Manager nach Antworten, wie der Einzelhandel im Wettlauf mit Discountern besteht. Finanzchef Michael Schlotman setzt auf Preissenkungen und attraktive Eigenmarken.

Lieferanten nervös

Auch auf Lieferantenseite sorgen sich Platzhirschen wie Procter & Gamble, Nestlé und Unilever, dass die Preisschlacht sie nicht ungeschoren lassen wird. Walmart nimmt jährlich Ware für Millionen Dollar ab. Um das einzuhegen, wird überlegt, den Discountern eigene Produktlinien – etwa mit Unterschieden in Geschmack und Größe – anzubieten.

Der Branchenführer feilt derweil daran, das Einkaufserlebnis in seinen Filialen noch bequemer zu gestalten. Er testet Scanner, über die Kunden per Smartphone ihren Einkauf erfassen und bezahlen können. Mehr Expresskassen sollen hinzukommen. „Da gibt es noch einiges“, sagt McMillon. „Wir sind auf einem guten Weg.“

Außerdem sind nicht alle überzeugt, dass Lidl und Aldi in den USA so viel Boden gewinnen können wie anderswo. Marktforscher verweisen darauf, dass der Preiskampf schon beträchtlich ist. So sei Aldi in vier Jahrzehnten auch nicht über einen Marktanteil von einem Prozent hinausgekommen. Deren US-Chef Jason Hart begrüßt die neue Konkurrenz. „Wir sehen die Chance, zu expandieren und neue Kunden zu gewinnen“, sagte er. „Schon andere wollten Aldi-Preise schlagen, und wir konnten immer noch tiefer gehen.“

Copyright The Wall Street Journal 2017

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