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Warum es zu wenig Gründer gibt

, Capital-Redaktion

Wo bleibt der Gründerboom? Laut einer IW-Studie gibt es zu wenig Finanzierungsmöglichkeiten – und zu viel Bürokratie.

Arbeitsplatz mit Computer, Smartphone und Papier
Existenzgründer haben es schwer, an Geld zu gelangen

„Wir brauchen eine neue Gründerzeit in Deutschland“, hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel kürzlich erklärt. Es ist ein Credo, in dem sich Politiker aller Parteien und Wirtschaftsexperten einig sind. Aber wie erfolgreich sind all die Appelle und Initiativen, die den Deutschen Selbständigkeit und Unternehmertum schmackhaft machen sollen?

Nicht sehr, nimmt man die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland zum Maßstab. Sie hat nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln einen Tiefpunkt seit dem Jahr 2000 erreicht: 2014 wurden bundesweit nur rund 310.000 Existenzgründungen realisiert, weniger als vier je 1000 Einwohner. 

„Eine Trendwende ist nicht in Sicht, zumal die demografische Entwicklung zu einer weiteren Verringerung der tendenziell gründungsaffinen jüngeren Altersjahrgänge führen wird“, so die Autoren der Studie, die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) herausgegeben wurde und die Capital vorliegt. Sie empfehlen unter anderem, den Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit, dessen Vergabe vor vier Jahren massiv eingeschränkt worden sei, wieder großzügiger zu handhaben.

Für ihre Studie haben die IW-Experten Umfragen und Datenquellen wie den Doing Business Report der Weltbank ausgewertet.

administrative Hindernisse

Als entscheidende Barrieren für Gründungen identifiziert das IW die Finanzierung und die Bürokratie. Tatsächlich stimmen im Eurobarometer 2012, einer Umfrage der EU-Kommission unter den Bevölkerungen in der EU, 72 Prozent der Deutschen der Aussage zu, es sei schwer, sich selbstständig zu machen, weil es an ausreichender finanzieller Unterstützung mangelt. Allerdings ist der Anteil in den USA und auch im europäischen Schnitt noch höher. Eine Erklärung könnte den Autoren zufolge sein, dass die Banken- und Staatsschuldenkrise Deutschland viel weniger erschüttert hat als viele europäische Nachbarn.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Bürokratie. Rund 70 Prozent nennen 2012 administrative Hindernisse als Gründungshemmnis, damit steht Deutschland etwas schlechter da als die USA, aber besser als Europa insgesamt. Unter den 35 betrachteten Ländern kommt Deutschland allerdings nur auf Rang 13 - hinter Polen, Finnland oder auch Island.

Das IW leitet aus seiner Studie eine klare Empfehlung ab: Vorhandene Bürokratie abbauen, neue bürokratische Regeln vermeiden. Und es macht einen Vorschlag: Die Entrepreneurship-Kultur schon in der Schule zu stärken statt „ein überholtes Bild von Wirtschaft“ zu vermitteln, das allein Großunternehmen und Konzerne als wirtschaftlich bedeutsame Player kennt.


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