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  • Wochenrückblick

Fed schreitet in Richtung Normalität

, von Kai Beller

Robuste Konjunktur: Die US-Notenbank erhöht erneut die Leitzinsen. Außerdem: Griechenland-Hilfe, VW-Skandal und Uber-Krise

Fed-Chefin Janet Yellen
Fed-Chefin Janet Yellen sieht die US-Wirtschaft in sehr guter Verfassung

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die US-Notenbank Fed die Leitzinsen erhöht. Sie steigen um 0,25 Prozentpunkte auf eine Bandbreite zwischen 1 und 1,25 Prozent. Der Leitzins gibt vor, zu welchen Konditionen sich die Banken in den USA gegenseitig Geld leihen können.

Anders als die Europäische Zentralbank setzt die Fed damit ihren Kurs der geldpolitischen Normalisierung fort. Fed-Chefin Janet Yellen stellte einen weiteren Zinsschritt in diesem Jahr in Aussicht. Und so soll es weitergehen: „Weitere graduelle Zinserhöhungen sind in den nächsten Jahren angemessen“, sagte sie. Die Wirtschaft mache sich sehr gut und zeige ihre Widerstandskraft.

Infografik: US-Leitzinspolitik seit 2001 | Statista Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Die Arbeitslosenquote in den USA lag zuletzt bei 4,3 Prozent, was praktisch Vollbeschäftigung bedeutet. Allerdings liegt die Inflationsrate mit 1,5 Prozent unter der Zielmarke von zwei Prozent. Sie ist zuletzt sogar gesunken. Ökonomen halten das jedoch für ein vorübergehendes Phänomen.

Als weiteren Schritt der geldpolitischen Normalisierung kündigte Yellen an, bald mit dem Abbau der Bilanz zu beginnen. In einem ersten Schritt will die Fed auslaufende Staatsanleihen im Wert von 6 Mrd. Dollar nicht durch neue ersetzen. Das Volumen soll von Quartal zu Quartal um jeweils 6 Mrd. Dollar angehoben werden. Insgesamt stehen Anleihen im Volumen von 4,5 Billionen Dollar in den Büchern.

Griechenland-Hilfe mit symbolischem IWF-Beitrag

Christine Lagarde, Pierre Moscovici und Jeroen Djisselbloem
IWF-Chefin Lagarde erläutert die Haltung ihrer Organisation, EU-Kommissar Moscovici und Eurogruppenchef Djisselbloem schauen skeptisch - Foto: European Union

Griechenland erhält weitere 8,5 Mrd. Euro an Krediten aus dem Hilfsprogramm für das finanziell schwer angeschlagene Land. Darauf einigten sich die Euro-Finanzminister am Donnerstag in Luxemburg nach monatelangen Debatten. Im Zentrum der Verhandlungen standen diesmal nicht die griechischen Sparbemühungen, sondern ein Streit über Schuldenerleichterungen zwischen der Regierung in Athen und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf der einen Seite und einer Gruppe von Euro-Ländern darunter Deutschland auf der anderen Seite. Gelöst wurde der Konflikt zwar nicht, der jetzt gefundene Kompromiss erlaubt aber die Auszahlungen der Kredite in mehreren Tranchen.

Der IWF wird ein Stand-By-Programm für Griechenland mit einer Laufzeit von 14 Monaten auflegen. Das Geld – rund 2 Mrd. Euro – soll aber erst ausgezahlt werden, wenn sich die Euro-Gruppe auf Schuldenerleichterungen geeinigt hat. Der IWF hält die Schuldenlast von 180 Prozent des griechischen Bruttoinlandsproduktes für nicht tragfähig. Die Euroländer wollen erst nach Ablauf des laufenden Hilfsprogramms im Sommer 2018 über einen Schuldenerlass beraten. Dann sind die Bundestagswahlen vorbei – und womöglich ist die Bereitschaft den Griechen entgegenzukommen dann größer.

IWF-Chefin Christine Lagarde nannte den Kompromiss die zweitbeste Lösung, da derzeit eine Einigung auf Schuldenerleichterungen nicht möglich sei. Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bewegt sich die aktuelle Vereinbarung im Rahmen der Bundestagsbeschlüsse zur Griechenland-Rettung. „Wenn der Haushaltsausschuss anderer Meinung wäre, dann müsste der Bundestag einen neuen Beschluss fassen“, sagte er in der ARD. Der Bundestag hat die Beteiligung des IWF zur Bedingung für die Zustimmung zu den Hilfen gemacht. Der CDU-Finanzexperte Christian von Stetten kritisierte im Deutschlandfunk, dass sich der IWF nur symbolisch an dem Programm beteilige. Damit sei die Geschäftsgrundlage für den Beschluss von 2015 entfallen. Man darf gespannt sein, wie diese innenpolitische Debatte ausgeht.

VW: Kulanz in Europa, Entschädigungen in den USA

VW-Dieselmotor
VW will Dieselfahrzeugbesitzer in Europa nicht entschädigen - Foto: Getty Images

Während amerikanische VW-Kunden finanziell entschädigt werden, belässt es der Autokonzern in Europa bei einer „vertrauensbildenden Maßnahme“. Die Rede ist natürlich vom Dieselskandal. Der Wolfsburger Autobauer gewährt seinen europäischen Kunden eine zweijährige Garantie auf Bauteile, die bei der Umrüstung der manipulierten Dieselmotoren verwendet werden. Kulanz statt Entschädigung, lautet also die Devise.

Die EU-Kommission sprach von einem positiven Schritt. Sie will aber mit Volkswagen im Gespräch bleiben, um den Autohersteller zu weiteren Zugeständnissen zu bewegen. Die Brüsseler Behörde befindet sich jedoch in einer schwachen Position, denn eine rechtliche Handhabe hat sie nicht.

VW betonte die Freiwilligkeit der Garantiezusage. Im Streitfall bleibt den Autobesitzern also nichts anderes übrig als vor Gericht zu ziehen, wo sie dann beweisen müssen, dass ein eventueller Schaden im Zusammenhang mit der Umrüstung steht. Oder wie wäre es damit? Sie verkaufen ihr Auto und fahren künftig ein Fahrzeug einer anderen Marke. Das wäre dann ein Misstrauensvotum seitens der Kunden.

Uber-Chef Kalanick nimmt sich eine Auszeit

Uber-Chef Kalanick
Uber-Chef Kalanick: Sein Führungsstil gilt als ruppig - Foto: Getty Images

Travis Kalanick hat als CEO des Fahrdienstes Uber nicht immer eine gute Figur gemacht. Jetzt nimmt der umstrittene Manager eine Auszeit – unbefristet. Kalanick begründete den Schritt mit der Trauer über den Tod seiner Mutter aber auch damit, dass er an sich selbst arbeiten müsse, um seiner Rolle als Chef gerecht werden zu können.

Der Teil-Rückzug des Top-Managers ist aber nur die Spitze der Führungskrise beim wertvollsten Start-up der Welt. Vor Kalanicks Schritt hatten andere hochrangige Führungskräfte das Unternehmen verlassen. Und in dieser Woche setzte sich die Reihe mit Verwaltungsratsmitglied David Bonderman fort, der abwertende Bemerkungen über Frauen gemacht hatte. Er ist kein Einzelfall.

Beschwerden über sexuelle Belästigungen, Diskriminierungen und Mobbing häuften sich bei Uber. Eine Untersuchungskommission unter Leitung von Ex-Justizminister Eric Holden erarbeitete eine Reihe von Empfehlungen zur Verbesserung der Unternehmenskultur bei Uber. Dazu gehörte auch die Empfehlung, Kalanick Verantwortung abzunehmen. Das wird nun geschehen: Ein Komitee aus 14 Geschäftsführern wird den Fahrdienst künftig leiten.


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