• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Wochenrückblick

Kleinfelds Fettnapf

, von Kai Beller

Mit einem bizarren Brief manövriert sich Klaus Kleinfeld bei Arconic ins Aus. Außerdem: VW-Zahlen und Exportüberschüsse

Klaus Kleinfeld © Getty Images
Klaus Kleinfeld musste bei Arconic seinen Hut nehmen

Wenn Top-Manager aus der Rolle fallen, schlägt das immer hohe Wellen. Bei Klaus Kleinfeld, Ex-Chef des Aluminiumkonzerns Arconic, müssen einige Sicherungen durchgebrannt sein, als er einen Brief an den Hedgefondsmanager Paul Singer schrieb, der über die Elliot Management Corporation rund 13 Prozent an Arconic hält. Singer hatte scharfe Kritik an den Führungsqualitäten, den Fähigkeiten und der Persönlichkeit Kleinfelds geäußert und dessen Ablösung gefordert. Kleinfeld reagierte mit einem Schuss unter die Gürtellinie – und brachte sich damit selbst zu Fall.

Elliott veröffentlichte das Schreiben, das Andeutungen über das Privatleben Singers enthält. Konkret geht es um einen Besuch des Investors in Berlin bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Kleinfeld macht in dem Schreiben Andeutungen über Partyexzesse im Anschluss an die von Singer besuchten Spiele. Die Begleiter Singers hätten „farbenfrohe Erinnerungen“ an diese „bemerkenswerte Zeit“.

Besonders bizarr fiel das Post Scriptum aus: Dort schreibt Kleinfeld vom Federschmuck eines Ureinwohners, den er Singer schicken werde, wenn er einen finde. Der Federschmuck sei ein „zusätzlicher essenzieller Bestandteil der Erinnerungen“. Und dann folgt noch eine Bemerkung über das Lied „Singin in the Rain“, das ein wunderbarer Klassiker sei. In einem Springbrunnen habe er jedoch noch nie versucht, es zu singen, so Kleinfeld.

Elliott bezeichnete den Brief als Einschüchterungs- und Erpressungsversuch und legte Beschwerde beim Arconic-Verwaltungsrat ein. Am Montag teilte der Konzern dann mit, dass Kleinfeld zurückgetreten sei. Er habe mit dem Brief ein schlechtes Urteilsvermögen an den Tag gelegt.

Paul Singer hat also ein Ziel erreicht: Kleinfeld ist weg. Doch damit wird sich der Investor kaum zufrieden geben, denn er will Arconic auf Rendite trimmen. Das Unternehmen müsse seine Kosten besser in den Griff bekommen. Am liebsten würde Singer einen eigenen Mann an der Konzernspitze installieren. Dann wäre er endgültig am Ziel.

Volkswagen: gute Zahlen auch bei VW

Der neue VW Tiguan wird auf der Detroit Motor Show im Januar 2017 enthüllt © Getty Images
Der neue VW Tiguan wird auf der Detroit Motor Show im Januar 2017 enthüllt

Inmitten der Turbulenzen um den Dieselskandal hat Volkswagen in dieser Woche Quartalszahlen vorgelegt, die besser ausfielen als erwartet. In den ersten drei Monaten 2017 erwirtschaftete der Wolfsburger Autobauer ein vorläufiges operatives Ergebnis von rund 4,4 Mrd. Euro. Das sind 1 Mrd. Euro mehr als im ersten Quartal des Vorjahres. Besonders erfreulich für den Konzern ist, dass die Kernmarke VW zu dem guten Ergebnis beigetragen hat.

VW ist eigentlich das Sorgenkind unter den Konzernmarken: Im Vorjahr lag die operative Rendite nur bei 1,9 Prozent. Die Tochtergesellschaften Audi und Skoda erwirtschaften mehr als acht Prozent. Das Management will die Gewinnmargen auch bei VW steigern. Ob hier schon Fortschritte erzielt wurden, ist dem jetzt veröffentlichten Zwischenbericht nicht zu entnehmen.

Einer der Gründe für die Ergebnisverbesserung seien erfolgreiche Markteinführungen gewesen. Volkswagen nennt insbesondere den Tiguan als Beispiel, der für den Trend zum SUV steht. Dabei will der Autobauer eigentlich mit Elektroautos in die Offensive ...

Exportüberschüsse: Debatte auf Wiedervorlage

Im Emden werden Autos für den Export verladen © Oliver Tjaden
Im Emden werden Autos für den Export verladen

Eine alte Debatte hat in dieser Woche wieder Fahrt aufgenommen: Es geht um die deutschen Exportüberschüsse, die vom französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron als „nicht mehr tragbar“ bezeichnet wurden. Macron, der laut Umfragen gute Chancen auf den Wahlsieg hat, kritisierte die Ungleichgewichte in der Eurozone, von denen die Bundesrepublik profitiere. Die hohen Handelsüberschüsse seien weder „für seine eigene Wirtschaft gut noch für die Wirtschaft der Eurozone“, sagte er den Zeitungen der „Funke-Mediengruppe“. Es müsse ein Ausgleich geschaffen werden. Doch was genau geschehen soll, sagte Macron nicht.

Der Franzose steht mit seiner Kritik nicht alleine da. Auch der Internationale Währungsfonds und die neue US-Regierung wollen die Ungleichgewichte beseitigen. Bei der Frühjahreskonferenz des Internationalen Währungsfonds (IWF) und beim Treffen der G20-Finanzminister in Washington wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble um das Thema nicht herumkommen.

Der CDU-Politiker macht die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank für die Überschüsse verantwortlich. Bei der Ankündigung des Anleihenkaufprogramms der EZB habe er gesagt, „dass das unseren Überschuss erhöhen wird“. Er wolle jetzt nicht für die Folgen kritisiert werden, die er schon damals klar aufgezeigt habe.


Artikel zum Thema