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Die Kartelle der deutschen Wirtschaft

, von Jens Brambusch

Die deutschen Autobauer stehen unter Kartellverdacht. Auch andere Branchen gerieten schon wegen Preisabsprachen ins Visier der Ermittler. Große und skurrile Fälle

Lkw-Kartell: 2016 verhängte die EU-Kommission gegen die Lkw-Hersteller Daimler, Volvo, Iveco und DAF wegen Preisabsprachen eine Rekordstrafe von fast 3 Mrd. Euro. Der VW-Tochter MAN wurde die Strafe erlassen, weil sie das Kartell verraten hatte.

Schienen-Kartell: Die „Schienenfreunde“ wurde ein Kartell genannt, das bis 2011 Preise für Eisenbahnschienen abgesprochen hatte. Voestalpine, Thyssen-Krupp und Corus gehörten dazu. Es soll seit den 80er-Jahren bestanden haben. Opfer war unter anderem die Deutsche Bahn.

Luftfracht-Kartell: Die Deutsche Bahn verklagte 2014 Fluggesellschaften auf Schadenersatz in Höhe von 1,76 Mrd. Euro. Beim Luftfrachtkartell trafen 33 Fluglinien von 1999 bis 2006 Absprachen über Zuschläge für Treibstoff- und Sicherheitsgebühren. Die Lufthansa ließ als Kronzeugin das Kartell platzen.

Zucker-Kartell: Das Bundeskartellamt verklagte im Jahr 2015 die Zuckerproduzenten Pfeifer&Langen, Südzucker und Nordzucker wegen Wettbewerbsabsprachen zu einem Bußgeld von rund 280 Mio. Euro. Süßwarenproduzenten wie Storck klagten zudem auf Schadenersatz.

Zement-Kartell: Im April 2004 verhängte das Bundeskartellamt gegen sechs Großkonzerne ein Rekordbußgeld von 660 Mio. Euro, darunter HeidelbergCement. Die Firmen sollen über Jahrzehnte ein Absatz- und Preiskartell gebildet haben.

Agrar-Kartell: Wegen des Verdachts verbotener Preisabsprachen im Großhandel mit Pflanzenschutzmitteln ließ das Bundeskartellamt 2014 sieben Agrar-Großhändler durchsuchen. Betroffen war unter anderem das Münchner Unternehmen BayWa.

Pflastersteine-Kartell: Auch bei Steinen gibt es Preisabsprachen. Das Kartellamt ermittelte bereits gegen 14 Hersteller von Betonpflastersteinen. Die Bußgelder hielten sich in Grenzen. 6,2 Mio. Euro.

Kofferraum-Kartell: Auch Autozulieferer können Kartell. Ab dem Jahr 2002 sollen sechs Unternehmen aus dem Bereich Kofferraumauskleidung Preise abgesprochen haben. Unter anderem dabei: Magna International. 2013 flogen die Preisabsprachen auf.

Wannen-Kartell: 2010 verhängte die EU-Kommission Kartellstrafen gegen Villeroy & Boch und 16 andere deutsche Sanitärausstatter. Verbraucher sollen jahrelang zu viel Geld für Badewannen, Duschkabinen und Wasserhähne gezahlt haben. Villeroy & Boch kassierte mit 71,5 Mio. Euro die höchste Strafe.

Wurst-Kartell: 2014 verhängte das Kartellamt Bußgelder in Höhe von rund 338 Mio. Euro gegen 21 Wursthersteller. Betroffen waren bekannte Marken wie Böklunder, Herta, Meica, Rügenwalder und Wiesenhof. Es war bis dahin eine der höchsten Kartellstrafen in der Geschichte des Kartellamts.


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