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Ungleichheit - schiefer OECD‑Vergleich

, Capital-Redaktion

Die Unstatistik bringt die Wahrheit hinter den Zahlen ans Tageslicht. Diesmal: Wie eine Studie zur Ungleichheit in die Irre führt

Armut
Kein Geld in der Tasche: Ist die Einkommens-Ungleichheit in Deutschland wirklich größer als in anderen Industriestaaten?

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. 
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de. Jüngst erschienen im Campus Verlag ist das Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet - Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“


„So ungleich ist Deutschland“, titelte die Frankfurter Rundschau am 21. Mai. Sie bezog sich dabei auf eine Studie der Industrieländerorganisation OECD, wonach die obersten zehn Prozent der deutschen Erwerbstätigen 6,6-mal so viel wie die untersten zehn Prozent verdienen. Damit seien die Einkommensunterschiede in Deutschland größer als in vielen anderen Industrienationen, schlussfolgerte die Organisation.

Wie schon bei anderen Statistiken zur Ungleichheit findet die Unstatistik auch diese Erhebung wenig überzeugend. „Das Problem: Der oben genannte Faktor 6,6 bezieht sich nur auf Menschen, die tatsächlich Arbeit haben. Verliert ein teilzeitbeschäftigter Arbeitnehmer mit geringem Verdienst seinen Arbeitsplatz, so geht die Ungleichheit zurück!“, schreiben die Unstatistiker. Einkommen von null fielen aus der Betrachtung völlig heraus. In dem Ausmaß aber, wie Teilzeitjobs selbst gewählt sind, liefere die OECD-Untersuchung einen schiefen Vergleich der Ungleichheit. Zumal Teilzeitarbeit in Deutschland weiter verbreitet sei, als in anderen Ländern, die bei der Lohnungleichheit besser abschnitten.

Vermögensungleichheit - noch ein schiefer Vergleich

Die Unstatistik kritisiert auch, dass die ebenfalls auf der OECD-Studie beruhenden Vergleiche über die Vermögensungleichheit in die Irre führten. Laut OECD verfügen die reichsten zehnt Prozent der Deutschen über beinahe 60 Prozent des gesamten Nettohaushaltsvermögens. Der OECD-Durchschnitt liege bei 50 Prozent.

Allerdings, so die Statistik-Kritiker, fielen in Deutschland alle Anwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung aus dem von der OECD gemessenen Vermögen heraus. Für viele Haushalte sei das der größte Teil ihres Vermögens. „Würde der dem Vermögen hinzugerechnet, wie in Ländern mit vorwiegend privater oder kapitalgedeckter Altersvorsorge, wäre die Ungleichheit der Vermögen in Deutschland wahrscheinlich beträchtlich kleiner“, schlussfolgern die Unstatistiker.

Die Einkommens- und Vermögensungleichheit sei ein großes soziales und ökonomisches Problem. „Aber dessen Bewältigung wird nicht dadurch leichter, dass man verschiedene Zustände auf falsche Art und Weise vergleicht.“


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