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"Stunde der virtuellen Kraftwerke"

, Thomas Steinmann

Damit die Energiewende gelingt, müssen die Erneuerbaren Energien mehr für die Sicherheit des Stromsystems leisten als bisher. Im Interview erläutert PwC-Energiemarktexperte Joachim Albersmann, wie das funktionieren kann

© Getty Images
Viele Minikraftwerke prägen die neue Energiewelt – eine Herausforderung für das System

Joachim Albersmann ist Senior Manager bei PricewaterhouseCoopers in Frankfurt und Autor der Studie "Virtuelle Kraftwerke als wirkungsvolles Instrument für die Energiewende". 


 

Capital: Inwiefern können virtuelle Kraftwerke zum Erfolg der Energiewende beitragen?

Albersmann: Virtuelle Kraftwerke sind die richtige Antwort auf zwei große Trends, die durch die Energiewende getrieben werden: die Dezentralisierung der Stromerzeugung und die zunehmende Einspeisung von Energie aus schwankenden Quellen. Je mehr Strom aus erneuerbaren Quellen ins Netz eingespeist wird, desto wichtiger wird es, die vielen dezentralen Minikraftwerke zu vernetzen und intelligent zu managen. Wenn man viele kleine Biogas- und Solaranlagen, Blockheizkraftwerke und Windräder in einem Pool zusammenschaltet, lassen sie sich fast wie ein großes Kraftwerk steuern. Damit können virtuelle Kraftwerke auch einen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes leisten.

Wie viele virtuelle Kraftwerke sind in Deutschland bereits am Markt?

Ich schätze, dass von den 900 kleinen und großen Energieversorgern in Deutschland etwa acht bis zwölf Prozent ein virtuelles Kraftwerk betreiben, Tendenz steigend. Bei dem Großteil davon handelt es sich aber um kleine Pools, in dem nur wenige Erzeugungsanlagen zusammengeschlossen sind. Maximal 15 oder 20 virtuelle Kraftwerke erreichen die notwendige Größe, um großflächig am Markt für Regelenergie teilzunehmen. Sie sind in der Lage, den Netzbetreibern ausreichend kurzfristig verfügbare Energie zu liefern, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen.

Wird es in Zukunft mehr von diesen großen Grünstrom-Pools geben?

Nicht unbedingt. Gegebenenfalls werden es auch einfach nur mehr dezentrale Pools. Nach den jüngsten Grundsatzbeschlüssen der Bundesregierung zum künftigen Energiemarktdesign gibt es endlich Klarheit über die politischen Rahmenbedingungen. Mit der Entscheidung gegen eine Prämie für das Vorhalten fossiler Reservekapazitäten ist klar, dass die Erneuerbaren eine zunehmend wichtige Rolle bei der Bereitstellung von Reservekapazitäten spielen werden. Hinzu kommt, dass der Netzausbau, der die Leitungen entlasten könnte, langsamer vorangeht als geplant, zugleich aber die Einspeisung aus schwankenden Quellen wie Wind- und Solarenergie wächst. Um das System stabil zu halten, werden die Netzbetreiber auch weiterhin häufig ins Netz eingreifen und Regelenergie abrufen müssen. Diese Entwicklungen bieten den Erneuerbaren Energien große Marktchancen. Es schlägt die Stunde der virtuellen Kraftwerke.

Für wen lohnt es sich, virtuelle Kraftwerke zu betreiben?

Das sind zum einen Unternehmen aus der Energiebranche, die schon lange im dezentralen Geschäft aktiv sind: von regionalen Verbünden kleiner Gemeindewerke über mittelgroße Stadtwerke bis hin zu den acht bis zehn größten Stadtwerken in Deutschland. Auch die Energiekonzerne sind in das Geschäft mit der Vernetzung und zentralen Optimierung eingestiegen. Zum anderen können sich virtuelle Kraftwerke auch für branchenfremde Unternehmen aus der energieintensiven Industrie lohnen. In virtuellen Kraftwerken lassen sich nicht nur Erzeugungsanlagen vernetzen, sondern auch Stromverbraucher, die sich zu einem gewissen Teil flexibel steuern lassen. Wir können beobachten, dass sich derzeit viele mit dem Thema beschäftigen – nicht nur in der Energiebranche. 

Lesen Sie in der aktuellen Capital die Geschichte, wie kleine Unternehmen mit virtuellen Kraftwerken die alten Energiekonzerne herausfordern.

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