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Stromkosten spalten deutsche Industrie

, Thomas Steinmann und Jakob Schlandt

Die Strompreise für industrielle Großverbraucher sind in Deutschland unter den EU-Schnitt gesunken. Mittelständische Firmen müssen dagegen mehr bezahlen - das führt zu Spannungen im Industrieverband BDI.

Die Strompreise für die Industrie liegen unter EU-Durchschnitt © E.ON
Die Strompreise für die Industrie liegen unter EU-Durchschnitt

Die Belastungen durch die Energiewende treiben einen immer tieferen Keil in die deutsche Industrie. Wie Capital in seiner aktuellen Ausgabe berichtet, ist die Differenz beim Strompreis zwischen der Großindustrie und kleineren energieintensiven Unternehmen mittlerweile nirgendwo in Europa so extrem wie in Deutschland. Das geht aus Zahlen des EU-Statistikamtes Eurostat für das erste Halbjahr 2013 hervor, die Capital ausgewertet hat.

Demnach bezahlen die größten industriellen Verbraucher in Deutschland ohne Abgaben knapp 6,4 Cent pro Kilowattstunde. Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt für den Verbrauch ab 70 Gigawattstunden pro Jahr bei rund 7 Cent. Selbst die französische Industrie, die vom billigen Atomstrom profitiert, bezahlt inzwischen nur noch 0,4 Cent pro Kilowattstunde weniger als deutsche Konkurrenten. Im Jahr 2006 waren es noch 4 Cent weniger. Von Abgaben und Steuern sind Großverbraucher in Deutschland weitgehend befreit.

Bei mittelgroßen Industrieunternehmen, die häufig Abgaben wie die EEG-Umlage bezahlen müssen, zählen die Stromkosten in Deutschland dagegen zu den höchsten in der EU. Bei einem Jahresverbrauch zwischen 2 und 20 Gigawattstunden liegt der deutsche Schnitt den Daten zufolge bei 12,8 Cent pro Kilowattstunde. Der EU-Durchschnitt beträgt rund 11 Cent.

Niedrige Preise an der Strombörse

Hintergrund der Preisschere sind einerseits Ausnahmeregeln für die Industrie bei der Ökostromförderung. Während Großverbraucher von weitgehenden Rabatten bei der EEG-Umlage profitieren, sofern die Stromkosten mehr als 14 Prozent der Wertschöpfung ausmachen, müssen Betriebe, die die Grenzwerte nicht erreichen, die steigenden Belastungen voll tragen. Zum anderen profitieren Konzerne, die ihren Strom über die Börse beschaffen, von den drastisch gesunkenen Großhandelspreisen. Die Preise an der Leipziger Strombörse EEX sind auf den niedrigsten Stand seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts gefallen – nicht zuletzt wegen der wachsenden Einspeisung erneuerbarer Energien.

Wie Capital weiter berichtet, sorgt die Kluft bei den Strompreisen auch zu Spannungen innerhalb des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI). „Wir sehen das Auseinanderdriften der Industrie bei den Strompreisen mit Sorge. Die Verteilung der Lasten ist derzeit nicht fair, das ist doch klar“, sagte ein BDI-Insider.

Dagegen warnte der Stahlkonzern ThyssenKrupp vor Kürzungen bei den Rabatten. Eine Abschaffung der kompletten Umlagebefreiung für selbst produzierten Strom, die Teil einer EEG-Reform werden könnte, würde den Konzern nach internen Berechnungen 2014 mit mehr als 200 Mio. Euro belasten. ThyssenKrupp deckt zwei Drittel seines Strombedarfs von mehr als fünf Terawattstunden im Jahr mit eigenen Kraftwerken. Wie das Unternehmen auf Anfrage von Capital angab, zahlt es 2013 einen Selbstbehalt von 40 bis 50 Mio. Euro EEG-Umlage. Darüber hinaus drohen Kosten von weiteren 40 Mio. Euro aus strittigen Härtefallanträgen. „Solche Belastungen müssen internationale Wettbewerber nicht schultern“, sagte Gunnar Still, Leiter der Abteilung Umweltschutz bei ThyssenKrupp.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der neuen Capital, die am 24. Oktober erscheint. Hier finden Sie eine Vorschau auf die neue Ausgabe


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