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Sinns Abschiedsvorstellung

, Monika Dunkel

Zum Abschied von Hans-Werner Sinn gibt sich die Prominenz aus Ökonomie und Politik die Ehre. Verfolgen Sie die Veranstaltung bei uns im Live-Stream

Hans-Werner Sinn © Wolfgang Stahr/Laif
Hans-Werner Sinn

Deutschlands Star­Ökonom Hans­Werner Sinn verabschiedet sich in den Ruhestand. 17 Jahre war er Präsident des Münchener Ifo-Instituts. Mit einem Festakt und Symposium mit 800 geladenen Gästen würdigen Politiker und Wissenschaftler die Arbeit Sinns. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hält eine Laudatio über den „öffentlichen Intellektuellen Sinn“, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble spricht über „Europa zwischen Wunsch und Wirklichkeit“. Capital folgt dem Ereignis an der Ludwig Maximilian Universität im Live-Stream.

Anfang April startet Clemens Fuest als Präsident in München. Er trete, sagt er selbst „in verdammt große Fußstapfen“. Sinn sei „der einflussreichste deutsche Ökonom seiner Generation, eine Ausnahmeerscheinung“. Es wäre sinnlos zu versuchen, ihn zu imitieren oder sich bewusst von ihm abzugrenzen. Seine Antwort könne nur lauten: weitermachen wie bisher. „Meinen Weg gehen, mein Programm machen, meine Art beibehalten.“ Und deshalb sei es auch nicht sein Ziel, möglichst viel Radau zu machen. Er plane, die Dinge zu sagen, wie er sie sehe. Wenn das zitiert werde, sei es gut. Wenn nicht, sei es auch gut.

Und Sinn will dem Neuen die Show nicht stellen. Er habe nicht vor, sich ins Tagesgeschäft einzumischen, versichert er. Er werde jetzt Bücher schreiben. Fuest lobt er in den höchsten Tönen: „Er ist ein „großartiger Ökonom, der sich bereits deutlich vernehmbar in den öffentlichen Diskurs eingebracht hat“. In Fuests Alter sei er lange nicht so bekannt gewesen.

Vertreter wirtschaftsliberaler Positionen

Inhaltlich sind sich beide tatsächlich sehr nah, beide sehen den Mindestlohn skeptisch, halten die Energiewende für verkorkst, die Maßnahmen zur Eurorettung für falsch und den Rauswurf Griechenlands aus dem Euro für geboten. Geht es um die Flüchtlinge reden Sinn wie Fuest eher von den Kosten der Integration als von fernen Wohlstandsgewinnen. Beide vertreten eher wirtschaftsliberale Positionen.

Als Institutschef stehe er im harten Wettbewerb, sagt Fuest. Der Wettbewerb unter den Forschungsinstituten und Ökonomen sei härter geworden, Meinungsführerschaft anstrengend. „Als Institut muss man beweglich bleiben“, sagt er. Es sei wie in einem Unternehmen, sie müssten permanent ihre Strategie überdenken und anpassen. Sein Spezialgebiet sind Steuern und Finanzpolitik, so untersucht er gerade, ob höhere Unternehmensteuern die Löhne der Beschäftigten reduzieren. Dazwischen Fernsehauftritte, Interviews. Verkaufen gehört zum Kern­ geschäft, mindestens an einem Tag in der Woche sei er mit Pressearbeit be­ schäftigt. Nach Sinn und DIW­Chef Marcel Fratzscher ist er der meistzitierte Ökonom. Die Nachfrage nach ökonomischem Sach­ verstand ist riesig. „Unser Einfluss war noch nie so groß wie heute“, findet Fuest. Auch die Politik übernehme Ideen von Ökonomen, sie hätte ja nichts anderes, „es gibt keine andere Möglichkeit, sich in der Welt zu orientieren“. Dass die Volkswirte seit der Finanzkrise generell nicht mehr ernst genommen würden, sehe er nicht. Natürlich gab es auch in seiner Zunft Versäumnisse, aber vor allem sei es für Politiker bequem, Ökonomen zu diskreditieren, weil sie ihnen dauernd ins Gehege kommen.

Lesen Sie das ausführliche Portrait über den neuen Ifo-Präsidenten in der neuen Capital.


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