• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Wochenrückblick

RWE kontra Kommunen

, Kai Beller

Mit der Streichung der Dividende provoziert RWE die Kommunen. Außerdem: Siemens vs. Osram, Apple vs. FBI und Allianz-Bilanz

RWE streicht Dividende zusammen

RwE-Werbespruch
Mit seinen Dividendenplänen stößt RWE seine Aktionäre vor den Kopf - Foto: Getty Images

Was für den Energiekonzern RWE eine Ausschüttungspolitik mit Augenmaß ist, ist für die Anteilseigner ein harter Schlag. Das Unternehmen streicht die Dividende fast komplett und trifft damit vor allem die Kommunen, darunter Städte wie Bochum, Dortmund und Essen, die knapp 25 Prozent an dem Energieunternehmen halten. Die Kämmerer der klammen Ruhrgebietsstädte konnten sich bisher auf die Gewinnausschüttung verlassen, die Jahr für Jahr half, die Haushaltslöcher zu stopfen.

Doch jetzt muss RWE-Chef Peter Terium sparen. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Verlust von 200 Mio. Euro eingefahren, weil das Geschäft mit der Stromerzeugung aus Kohle- und Gaskraftwerken nicht mehr lukrativ ist. Terium plant daher eine Aufspaltung des Unternehmens und will das Ökostromgeschäft an die Börse bringen.

„Vor dem Hintergrund der aktuellen wirtschaftlichen Perspektiven in der konventionellen Stromerzeugung haben wir heute eine Dividendenentscheidung getroffen, die uns nicht leicht fällt“, sagte Terium am Mittwoch. Die Stammaktionäre sollen leer ausgehen, den Inhaber von Vorzugsaktien will RWE 13 Cent je Aktie zukommen lassen. Im vergangenen Jahr hatte RWE noch 1 Euro je Anteilsschein ausgeschüttet.

Die Kommunen kündigten Widerstand gegen die Pläne des Vorstands an. „Wir werden den Vorschlag so nicht hinnehmen und alle Möglichkeiten nutzen, um eine Veränderung herbeizuführen“, sagte Uwe Bonan, Stadtkämmerer von Mülheim an der Ruhr. Die Kommunen stellen vier der 20 Aufsichtsratsmitglieder, der das nächste Mal Anfang März tagt. Auch die Hauptversammlung im April muss die Dividendenstreichung noch absegnen. Da die Kommunen etwa ein Viertel an RWE müssen sie sich Verbündete suchen, um Terium auszubremsen.

RWE St Aktie

RWE St Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Siemens revoltiert gegen Osram-Chef Berlien

Osram-Chef Berlien auf der Hauptversammlung
Osram-Chef Berlien konnte sich auf der Hauptversammlung durchsetzen - Foto: dpa

Das Verhältnis zwischen Siemens-Chef Joe Kaeser und dem Osram-Vorstandsvorsitzenden Olaf Berlien gilt als zerrüttet. Bei der Hauptversammlung des Leuchtmittelkonzerns ging Großaktionär Siemens auf offenen Konfrontationskurs zum Chef der früheren Tochter. Der Großkonzern stimmte gegen die Entlastung Berliens – und verlor. Rund 70 Prozent der Anteilseigner votierten für die Entlastung des Osram-Chefs.

Kaeser hat wiederholt den geplanten Strategiewechsel des Leuchtmittelherstellers kritisiert, an dem Siemens noch mit 17,5 Prozent beteiligt ist. Berlien will den Schwerpunkt Osrams auf die Produktion von LED-Chips verlagern und dafür milliardenschwere Investitionen tätigen. Das Unternehmen begibt sich damit auf einen Markt, der immer wieder von starken Preis- und Nachfrageschwankungen erschüttert wird.

Für 1 Mrd. Euro will das Unternehmen eine LED-Fertigung in Malaysia errichten, die Leuchtdioden herstellen soll. Als Osram die Pläne im vergangenen November bekannt gab, knickte die Aktie ein. Kaeser kritisierte damals die mangelhafte Kapitalmarktkommunikation. Siemens sei im Vorfeld nicht über den Strategiewechsel informiert gewesen.

Die ehemalige Konzernmutter hält die Neuausrichtung aber auch für zu riskant. Für Berlien ist der Schritt dagegen unumgänglich: „Nur wer sich in der dramatisch wandelnden Lichtindustrie konsequent, mutig und schnell bewegt, kann unternehmerisch gewinnen.“ Rückendeckung erhält der Osram-Chef vom Aufsichtsrat, den Arbeitnehmervertretern und auch von anderen Investoren. Jetzt kann sich der Vorstand an die Umsetzung der Strategie machen. Das Verhältnis zum Großaktionär wird nicht so leicht zu reparieren sein.

Apple verweigert sich dem FBI

Apple iPhone
Die Sicherheitsfunktionen von Apples iPhone sind von den Behörden kaum zu knacken

Der iPhone-Hersteller legt sich mit den amerikanischen Sicherheitsbehörden an. Das Unternehmen weigert sich, Hilfestellung zu leisten beim Entsperren eines iPhones, das einem der Attentäter von San Bernardino gehörte. Bei dem Anschlag töteten zwei Terroristen 14 Menschen. Trotzdem wehrt sich Apple gegen den Wissensdrang des FBI. Auch der Aufforderung eines US-Gerichts will Konzernchef Tim Cook keine Folge leisten. Stattdessen setzte er sich mit einem offenen Brief zur Wehr. Die Forderung gefährde die Sicherheit der Kunden, schrieb Cook.

Unterstützung erhielt der Apple-Chef von der Konkurrenz. Manager von Google, Facebook, Whatsapp und Twitter solidarisierten sich mit Cook. „Wir dürfen diesen gefährlichen Präzedenzfall nicht zulassen“, schrieb beispielsweise Whatsapp-Gründer Jan Koum.

Die Unternehmen wollen sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, die Datensicherheit sei bei ihnen nicht gewährleistet. Nach den Enthüllungen des NSA-Whistleblowers Edward Snowden wurden Smartphones mit einer Verschlüsselungsfunktion des Datenspeichers ausgerüstet. Für die US-Bundespolizei erweist sich das nun als unüberwindbare Hürde. Die Ermittler müssen zudem befürchten, dass der dem Islamischen Staat zugerechnete Attentäter bei seinem iPhone eine automatische Löschfunktion aktiviert hat. Wird zehnmal ein falsches Passwort eingegeben, sind alle Daten auf dem Gerät verloren. Apple soll nun helfen, die Sicherheitsfunktionen auszuhebeln.

In seinem offenen Brief betont Cook, dass sein Unternehmen mit dem FBI zusammengearbeitet habe. Was jetzt von ihm verlangt werde, sei aber zu gefährlich: „Man hat uns aufgefordert, eine Hintertür für das iPhone zu bauen.“ Durch diese Hintertür könnten aber nicht nur die Sicherheitsbehörden steigen, sondern auch gefährliche Kriminelle.

Allianz mit gedämpften Optimismus

Allianz-Chef Oliver Bäte
Allianz-Chef Oliver Bäte gab einen verhaltenen Ausblick - Foto: Allianz

Der Versicherungskonzern Allianz hat seine angepeilten Jahresziele knapp verfehlt. Das operative Ergebnis steigerte das Unternehmen zwar um drei Prozent auf 10,7 Mrd. Euro. Vorstandschef Oliver Bäte hatte jedoch 10,8 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. Auch bei der Dividende bleibt der Konzern knapp hinter den Erwartungen zurück: Mit 7,30 Euro je Aktie können sich die Anteilseigner trotzdem auf eine Steigerung freuen. Im Vorjahr hatte die Allianz 6,85 je Anteilsschein ausgeschüttet.

Probleme bereitet weiterhin die US-Tochter Pimco. Der Vermögensverwalter konnte die Mittelabflüsse zwar verlangsamen aber nicht stoppen. Ende 2015 verwaltete Pimco zehn Prozent weniger Geld als im Vorjahr. Das Asset Management werde „auch im Jahr 2016 ein Fokusthema bleiben“, teilte der Konzern mit.

Allianz-Chef Oliver Bäte blickt mit gedämpftem Optimismus auf 2016. Er sei zuversichtlich, „dass wir auch in Zukunft sehr gute Ergebnisse erzielen werden. Im Jahr 2016 erwarten wir ein operatives Ergebnis von 10,5 Mrd. Euro, plus oder minus 500 Mio. Euro“, sagte Bäte.


Artikel zum Thema
Autor
  • Thema
Energie aus eigener Ernte

14.400 Projekte förderte die KfW mit dem Programm ‚Erneuerbare Energien Premium‘. Ein OrtsbesuchMEHR

  • Wochenrückblick
Terrorangst setzt Fluglinien zu

Die Lufthansa und ihre Konkurrenten leiden unter der Verunsicherung ihrer Kunden. Außerdem: ARM-Übernahme, Daimler-Zahlen und Sparkassen-RotMEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.