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GMs langer Leidensweg mit Opel

, William Boston

General Motors will Opel loswerden. Es ist nicht der erste Anlauf der Amerikaner, sich aus Europa zu verabschieden.

Opel-Produktion in Rüsselsheim © Getty Images
Opel-Produktion in Rüsselsheim

Die Gespräche von General Motors mit Peugeot über Opel sind nicht GMs erster Flirt mit einem Verkauf der deutschen Tochter. Bereits 1936, nur sieben Jahre nach der Rettung des deutschen Top-Automobilherstellers aus der großen Depression und fünf Jahre nach Übernahme der vollständigen Kontrolle, schlugen einige GM-Führungskräfte vor, deutschen Investoren Anteile zu verkaufen, um Hitler zuvorzukommen.

Alfred P. Sloan, der GM aus einer Ansammlung kleinerer US-Autohersteller schuf, verwarf die Idee, weil er größere Pläne für Opel hatte. „Wenn Deutschland seine Schwierigkeiten überwindet, was es letztlich tun wird, dann ist General Motors in der Lage, die harte Arbeit und die Fortschritte zu nutzen, die in den vergangenen sieben oder acht Jahren in Form von Gewinnen gemacht wurden und sie nach Amerika zu transferieren“, sagte er gegenüber Führungskräften des Konzerns.

Seitdem ist es für GM eine Gratwanderung mit Opel, immer zwischen der Hoffnung auf große Profite in Europa und den Kopfschmerzen, ein häufig unprofitables deutsches Unternehmen zu besitzen, das für viele Deutsche eine amerikanische Firma ist.

Rückzug nach Amerika

2009 war GM nahe an einem Verkauf Opels, entschloss sich aber noch einen Versuch in Europa zu unternehmen. Nun sieht es aber so aus, als ob GM die Argumente für einen Verbleib in Europa ausgegangen seien. Am Dienstag teilte der Konzern mit, man spreche mit dem französischen Konkurrenten über einen Verkauf von Opel, um sich aus Europa zurückzuziehen und sich auf den heimischen US-Markt zu konzentrieren.

GM Opel, der den britischen Autobauer Vauxhall umfasst, ist Europas sechstgrößter Autohersteller nach Verkaufszahlen mit einem Marktanteil von knapp sieben Prozent. Weltmarktführer Volkswagen ist der größte Hersteller in Europa mit einem Marktanteil von 24 Prozent in Europa.

Vor dem Aufstieg des legendären VW Käfers im Nachkriegsdeutschland war Opel am nächsten dran an einem Auto für die breite Masse, das die deutsche Industrie bis dahin entwickelt hatte. Opel verdiente sich seinen Ruf als Hersteller von Familienautos mit seinem Kadett, den Heinrich Nordhoff entwickelt hatte, der nach dem Krieg an die Spitze von Volkswagen rückte und aus dem Käfer eine weltweite Ikone formte. Der Kadett lief bis in die 90er-Jahre in Rüsselsheim bei Frankfurt vom Band, bis er von Opels Verkaufsschlager Astra ersetzt wurde.

Gescheiterte Deals

Im Zuge der globalen Finanzkrise und des Bankrotts von GM in den USA geriet auch Opel wieder in die Krise. GM stellte Opel zum Verkauf. Ein Angebot des italienischen Automobilherstellers Fiat lehnte die deutsche Regierung ab. Nach monatelangen Verhandlungen und Lobbyarbeit, um die Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu überzeugen, gab GM im September 2009 schließlich bekannt, Opel an Magna International, einen Autozulieferer im Besitz des Österreichers Frank Stronach, zu verkaufen.

Aber GM besann sich anders. Zwei Monate nach Verkündigung des Magna-Deals, zog sich GM zurück. Das neue GM-Management entschied, dass es langfristige strategische Ziele für die deutsche Tochtergesellschaft gebe.

GM nahm eine massive Umstrukturierung seines Europa-Geschäfts in Angriff und gewann dafür sogar die deutsche Unterstützung für die Schließung des großen Werks in Bochum. Der neue GM-Europa-Chef Karl-Thomas Neumann, früherer CEO des Zulieferers Continental, wollte bis 2016 die Gewinnzone erreichen. „Die Sanierung ist hart“, sagte Neumann Anfang 2016. „Aber wir wollen die Gewinnschwelle noch 2016 erreichen.“

Er war auf einem guten Weg, aber dann stimmten die Briten im letzten Juni in einem Referendum für den Austritt aus der Europäischen Union. Die britische Währung stürzte ab, was zu Währungsverlusten bei GMs Europageschäft führte. Trotz der jahrelangen Bemühungen verfehlte GM Europe erneut die Ziele: Der Verlust betrug im vergangenen Jahr 257 Mio. Dollar bei Erlösen in Höhe vob 18,7 Mrd. Dollar.

Copyright The Wall Street Journal 2017


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