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Warum GM die Lust an Opel verliert

, Mike Colias, Wall Street Journal

Opels Bedeutung für General Motors schwindet, weil der Trend weg von Pkw und hin zu SUVs geht.

Opel-Logo © Getty Images

Seit General Motors vor sieben Jahren zum letzten Mal über einen Verkauf seines Europageschäfts nachdachte, hat sich etwas Wesentliches geändert: Die Welt hat sich vom Pkw abgewandt. GM spricht mit Peugeot über einen möglichen Verkauf seiner Tochtergesellschaft Opel. Der deutsche Ableger, den sich der Autogigant aus Detroit vor 88 Jahren einverleibt hatte, diente vor allem als Entwicklungszentrum für Limousinen und Kompaktautos, die in vielen Märkten nachgefragt wurden und die bestimmte Emissionsstandards erfüllen mussten.

Doch Opels Rolle ist kleiner geworden, weil sich die Verbraucher wegen der niedrigen Ölpreise SUVs zuwandten, für die amerikanische Ingenieure bekannt sind. Auch in Europa, wo der VW Golf oder der Ford Mondeo lange Jahre Verkaufsschlager waren, fluteten die Hersteller den Markt mit SUVs, um dem veränderten Geschmack gerecht zu werden.

Einige Pkw einschließlich des Opel Astra und des Chevrolet Malibu verkauften sich recht gut. Allerdings wiesen die GM-Verantwortlichen im vergangenen Monat daraufhin, dass Verkaufssteigerungen bei Limousinen auf die Margen in einigen Schlüsselmärkten drücken. Der Autobauer drosselte daher die Produktion einiger Modelle.

Opel ist ein Klotz am Bein

Die Gespräche über einen Opel-Deal könnten nun ein Signal sein, dass sich GM weiter aus dem Pkw-Markt zurückziehen will. Der Markt sei durch schrumpfende Nachfrage und Überkapazitäten gekennzeichnet, schrieb Analyst Joseph Spak von RBC Capital Markets kurz nach Bestätigung der Verkaufsverhandlungen.

Opel schreibt seit den späten 1990er-Jahren Verluste und das große Vertriebsnetz in Europa zwingt die US-Autohersteller, andere Emissionsregeln zu erfüllen als in ihrem Heimatmarkt. 2009 war GM kurz davor die Europa-Tochter an den kanadischen Zulieferer Magna zu verkaufen, aber der Konzern blies den Deal ab. Der Versuch, die Marke Chevrolet in Europa zu etablieren, verlief im Sande.

Weil die Expertise für die Autoentwicklung und Dieselmotoren im Haus bleiben sollten, zerschlug sich der Magna-Deal. Gut 8 Mrd. Dollar Verlust hat GM Europe seitdem angehäuft. Das zeigt, wie kostspielig die damalige Entscheidung war.

2009 nach Bankrott und Rettung durch die US-Regierung war GM dringend auf eine Verbesserung seines Modell-Angebots angewiesen, das schon lange nicht mehr mit Toyota, Honda und anderen Importmarken konkurrieren konnte. Das Benzinpreishoch 2008 führte dazu, dass sich die spritfressenden SUVs und Pickups der Autobauer aus Detroit nicht mehr verkauften. Die von der Pleite bedrohten Konzerne mussten bessere und energieeffizientere Modelle bauen.

Pkw belasten Gewinnmargen

Die Rechnung hat sich in den vergangenen Jahren wegen der niedrigeren Kraftstoffpreise in ihr Gegenteil verkehrt. GM und andere Autobauer mussten ihre Produktion drosseln und teure Rabatte anbieten. Die schwindende Bedeutung von Kleinwagen und Dieselmotoren in anderen Teilen der Welt heiße für GM, dass die Europa-Aktivitäten außerhalb der Region nur sehr schwer verwertbar seien, wie eine mit den Konzerngeschäften vertraute Person sagte. Im Ergebnis hat die runderneuert Fahrzeugflotte nicht den anvisierten finanziellen Erfolg gebracht.

Letztes Jahr beispielsweise brachte der Autohersteller neue Versionen seines Kompaktwagens Chevrolet Cruze und seiner Mittelklasselimousine Malibu unter dem Beifall der Kritiker heraus. Das Magazin Car & Driver etwa bewertete den Malibu besser als den Toyota Camry und den Honda Accord, die das Segment in Nordamerika dominieren.

Die Verkaufszahlen von Malibu und Cruze zogen an – aber das belastete die Gewinnmargen von General Motors in Nordamerika im vergangenen Jahr im Vergleich zum Jahr davor, als hochprofitable Trucks und SUVs einen höheren Anteil am Absatz ausmachten.

Opel wird nicht mehr gebraucht

GM wird das Kleinwagensegment nicht aufgeben, aber der Konzern kann sich dabei auf ein Entwicklungsteam in Südkorea stützen, das in den frühen 2000er-Jahren von Daewoo Motors übernommen wurde. Das Elektroauto Chevy Bolt, vorgestellt im Dezember und für GM ein Ausweis der eigenen Ingenieurskunst, wurde gemeinsam in Südkorea und Detroit entwickelt.

Auch in GMs wachsenden China-Aktivitäten spielt die Autoentwicklung eine zunehmende Rolle. 2015 startete der Konzern eine 5 Mrd. Dollar-Investition zur Entwicklung einer gemeinsamen Kleinwagenplattform mit SAIC Motor, dem größten Joint-Venture-Partner des US-Autobauers in China. Das Projekt soll die Basis für mehr als ein Dutzend Modelle sein, die in Brasilien, Mexiko, China und anderen Schwellenländern von 2019 an verkauft werden sollen.

Nach Analysteneinschätzung bräuchte GM eine Reihe neuer SUVs, Vans und anderer Neuheiten, um in Europa die Gewinnschwelle zu erreichen und seinen Marktanteil auf mehr als sechs Prozent zu steigern, was ungefähr einem Drittel des amerikanischen Marktanteils entspricht. Notwendig wäre eine Kapitalspritze in einer Zeit, in der das Unternehmen mehr Geld in Elektroautos, selbstfahrende Autos und neue Formen der Mobilität steckt.

GM sieht sich außerdem mit Unsicherheiten über die Zukunft der EU konfrontiert und muss sich im Zuge des VW-Dieselskandals auf strengere Umweltrichtlinien einstellen, was nach Einschätzung von Experten einen kostspieligen Schub hin zur Elektromobilität bedeutet.

Copyright The Wall Street Journal 2017

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