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Müllers Interview-Gate

, Kai Beller

VW-Chef Müller sorgt mit einem Interview in den USA für Verwirrung. Außerdem: Razzia bei Renault und chinesische Krauss-Maffei-Übernahme.

Verunglückte Amerika-Reise

VW-Chef Müller in Detroit
Das ging schief: VW-Chef Müller vergaloppierte sich in einem Interview - Foto: Getty Images

Dass die erste Reise von Volkswagen-Chef Matthias Müller in die USA kein leichter Gang werden würde, war klar. Dass sich der Vorstandsvorsitzende des größten europäischen Autobauers aber einen derartigen Lapsus erlauben würde, war dann doch sehr erstaunlich. Dabei lief zunächst alles nach Plan: In Detroit entschuldigte sich Müller für die Fehler seines Unternehmens im Zusammenhang mit der Manipulation von Abgaswerten: „Wir wissen, dass wir unsere Kunden, die zuständigen staatlichen Stellen und die allgemeine Öffentlichkeit hier in den USA sehr enttäuscht haben.“

Einen reumütigen VW-Chef hatte man in Amerika erwartet und Müller schien diese Rolle ausüben zu wollen. Doch in einem Interview mit dem Radiosender NPR bestritt er plötzlich, dass VW die US-Umweltbehörde EPA absichtlich getäuscht habe: „Wir haben nicht gelogen. Wir haben die Frage zuerst nicht verstanden. Und dann arbeiteten wir seit 2014, um das Problem zu lösen. Es war ein Versäumnis von VW, dass wir so lange gebraucht haben.“ Die Ingenieure hätten die Abgaswerte durch den Einbau von Software-Lösungen erreicht, die nicht den US-Vorschriften entsprochen hätten.

Also doch keine absichtliche Schummelei? Dabei hatte VW das doch schon vor Monaten zugegeben. Bei den Presse- und PR-Leuten dürften jedenfalls die Alarmglocken geläutet haben, als sie die Worte ihres Chefs hörten. Sie baten den Radiosender um ein zweites Interview, um Müller die Gelegenheit zur Korrektur seiner Äußerungen zu geben. Diesmal fiel der Volkswagen-Chef nicht aus der Rolle. Er entschuldigte sich für seine Äußerungen aus dem ersten Gespräch. Doch der Schaden war da schon entstanden.

Auch das Treffen mit EPA-Chefin Gina McCarthy lief nicht wie gewünscht. Die Behörde teilte im Anschluss kühl mit, VW habe noch keinen Rückrufplan für manipulierte Dieselfahrzeuge vorgelegt, den die EPA genehmigen könne. Aus der erhofften raschen Einigung mit der Behörde wurde damit nichts. VW muss ein neues Angebot vorlegen, zu dem eventuell auch der kostspielige Rückkauf von 100.000 der 580.000 betroffenen Autos gehören könnte.

Renault unter Verdacht

Renault-Logo
Falsche Abgaswerte? Renault bekam Besuch von den französische Behörden - Foto: Getty Images

Für VW dürfte es kein großer Trost sein, dass auch andere Autobauer Probleme mit Abgaswerten haben. Am Donnerstag wurde bekannt, dass die französischen Behörden drei Renault-Werke im Rahmen einer Überprüfung von Abgasmesswerten durchsucht haben. Haben die Franzosen etwa auch manipuliert? Das Unternehmen bestreitet das und auch der deutsche Motorenpartner Daimler bekräftigte, dass Renault keine Schummelsoftware eingebaut habe, um Abgaswerte zu manipulieren.

Am Aktienmarkt stürzte das Renault-Papier am Donnerstag trotzdem ab. In der Spitze verlor die Aktie zeitweise etwa 23 Prozent, bevor sie sich ein wenig erholen konnte. Zum Handelsschluss betrug das Minus immer noch zehn Prozent.

Renault Aktie

Renault Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Der gesamte Autosektor wurde mit abgestraft: Der Stoxx Europe 600 Auto Index verlor sieben Prozent. Da nützte es auch nichts, dass Renault-Rivale PSA Peugeot-Citroen erklärte, nicht von den Razzien betroffen zu sein. Die Aktie geriet trotzdem in den Abwärtssog.

Das Vertrauen der Investoren in die Branche ist offenbar schwer erschüttert. Frankreichs Energieministerin Ségolène Royal sah sich noch am Donnerstag genötigt, ein gutes Wort für Renault einzulegen: „Es gibt keinen Betrug bei Renault. Das sollten Aktionäre und Mitarbeiter wissen“, sagte sie. Doch auch wenn das Unternehmen tatsächlich nicht geschummelt haben sollte, Probleme mit den Abgaswerten gibt es wohl auch bei Renault. So wurden bei Fahrzeugen der Marke überhöhte Kohlendioxid- und Stickoxidwerte festgestellt.

Deutsch-chinesische Freundschaft

Krauss-Maffei-Chef Frank Stieler (M.) freut sich über die neuen Investoren aus Fernost - Foto: Krauss Maffei
Krauss-Maffei-Chef Frank Stieler (M.) freut sich über die neuen Investoren aus Fernost - Foto: Krauss Maffei

Für 925 Mio. Euro kauft der chinesische Chemiekonzern Chem China den Münchner Spezialmaschinenbauer Krauss Maffei. Es ist die bislang größte Übernahme eines chinesischen Unternehmens in Deutschland. Angst vor einem Ausverkauf gibt es auf deutscher Seite nicht. Im Gegenteil Krauss-Maffei-Chef Frank Stieler begrüßte den Eigentümerwechsel von dem kanadischen Finanzinvestor Onex zu den Chinesen. „Mit Chem China gewinnen wir einen strategischen und langfristigen orientierten Investor, der sich seit vielen Jahren für unser Unternehmen interessiert“, sagte er. Tatsächlich wollte der staatliche Konzern bereits 2012 den Maschinenbauer kaufen. Damals zogen die Chinesen jedoch den Kürzeren.

Die Übernahme könnte sich für beide Unternehmen als nützlich erweisen. Für Krauss Maffei eröffnen sich durch den neuen Eigentümer neue Marktchancen im Fernen Osten. Und die Chinesen erhalten Zugang zu deutscher Technologie. Panzer stellt Krauss Maffei übrigens schon lange nicht mehr her: Die Rüstungssparte wurde 1999 aus dem Unternehmen herausgelöst. Heute gehört Krauss Maffei zu den führenden Anbietern von Kunststoffmaschinen, die zum Beispiel in der Autoproduktion zum Einsatz kommen. „Wir erwarten, dass die Entwicklungen in der Automobilindustrie großes Potenzial bieten“, sagte Jianxin Ren, Chairman von Chem China.

Ein Kahlschlag in Deutschland ist nicht zu befürchten. Bei bisherigen Übernahmen sind die chinesischen Eigentümer behutsam mit den deutschen Managern und Mitarbeitern umgegangen. Capital berichtete bereits 2013 über chinesische Investoren und ihren „Marsch durch Deutschland“. Kiekert, Kion, Preh, Putzmeister und Saargummi gehörten damals bereits chinesischen Investoren. Die Erfahrungen mit ihnen waren durchweg gut. Das bestätigten auch Gewerkschaften und Betriebsräte.

Auch bei Krauss Maffei begrüßten die Arbeitnehmervertreter den Eigentümerwechsel. „Wir sind zuversichtlich, dass durch weiteres Wachstum die bestehenden Arbeitsplätze in Deutschland und Europa gesichert und neue geschaffen werden“, sagte Betriebsratschef Peter Krahl. Tatsächlich sollen auch in Deutschland neue Jobs geschaffen werden. Unklar ist nur, in welcher Größenordnung.


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