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"Schwarz verschwindet aus dem Business"

, Siems Luckwaldt

Designer René Storck über die neuen Farben in der Business-Mode und seine Stilikonen David Bowie und Prince Charles.


René Storck gründete 2001 seine Modemarke "René Storck". Seine Kollektionen werden ausschließlich in Deutschland und im europäischen Ausland produziert.


Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Ich komme aus einer Stadt, die vom Business im klassischsten Sinn geprägt ist. So kann man in der Frankfurter Innenstadt während der Woche kaum ein Restaurant finden, in dem man nicht von Bankern aus allen Führungsebenen umgeben ist. Der Dress-Code ist nach wie vor sehr strikt und wird von einigen Banken sogar vertraglich festgelegt. Hier bricht auch im aktuellen Klima niemand aus.

Bei den Frauen sehe ich dagegen ein wachsendes Selbstbewusstsein, das sich auch in einem Revival des Power-Dressings äußert. Frauen wollen nicht nach Büro aussehen, sondern nach Management oder Business. Dies gelingt nur über Qualität und einen Blick dafür wie man am besten wirkt, was übrigens für jede Branche gilt, wenn man ernst genommen werden möchte. Ich freue mich sehr, dass man das mittlerweile versteht und zuallererst in sich selbst investiert. Diese Aktie gewinnt immer.

Was sind Dos and Don'ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

Im Geschäft geht es um das Geschäft. Wenn der erste gute Eindruck gemacht ist, sollte das Äußere keine Aufmerksamkeit mehr erfordern, weder von einem Selbst und noch weniger vom Gegenüber, weder durch Farben, protzige Uhren und Taschen oder zu kurze Röcke. Das Outfit muss auch so funktionieren, dass man nicht ständig irgendetwas hin zupfen muss. Wenn man nach zwei Stunden Meeting aussieht wie Harry Potter und Hermine Granger nach der Zauberstunde, sollte man seine Teile nochmal überdenken.

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner und -frauen?

Ich sehe, dass die Farbe Schwarz im Business immer mehr verschwindet. Anthrazit, sehr dunkles Blau oder Braun und alle Grau-Töne wirken immer sehr edel und sehen auch gut aus, wenn man nicht gerade aus den Ferien kommt. Bei Frauen und Männern ist der Trend fast gegenläufig, wenn es um die Silhouette geht. Männer mögen die Anzüge eher schmal und körperbetont und Frauen freunden sich immer mehr mit Bundfaltenhosen und stark geschnittenen Jacken an, was ich immer mochte. Mir gefällt dieser starke Frauentyp sehr und das ist zum Glück auch meine Kundin.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Auch jede Frau: einen Rollkragenpullover aus Cashmere.

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Mir fällt kein Teil ein, das ganz verschwunden ist und wiederbelebt werden sollte.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Ich habe zuhause gelernt, dass Stil vor allem mit Haltung zu tun hat und es wichtig ist, langfristig zu denken. Ich habe so lange Kontakt zu meinen Kunden, dass ich sicher sagen kann, dass man praktisch alterslos wird, wenn man sich und seinem Stil treu bleibt. Für Männer und Frauen gleichermaßen inspirierend finde ich David Bowie und Prinz Charles: seit Jahrzehnten trägt er die perfektesten Jacken und Mäntel mit den schönsten Kragen und Schultern von den besten Schneidern dieses Planeten.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf/das langlebigste Geschenk?

Pferdeleder Clarks von Alden - das ist 25 Jahre her und die habe ich immer noch.

Gut gemachte Mode muss man anfassen können

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Das ist genau die Lücke, die wir mit unserer Kollektion für Männer füllen. Casual Luxury außerhalb des Geschäfts: eine tailormade Chino, Cashmere-Pulli und darüber einen Mantel oder eine Jacke aus Doubleface. Dazu geht jeder Schuh.

Ihre größte Stilsünde war …?

Nach neuesten Erkenntnissen: ein Teil von einer Billig-Kette.

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Mode kaufe ich ausschließlich in der Boutique oder einem Department Store. Ich liebe Läden und die Möglichkeit, Neues zu entdecken. Gut gemachte Mode muss man auch anfassen können. Wenn ich allerdings etwas nachkaufe wie einen Sneaker oder eine Jeans, mache ich das online.

Kurz & knapp: Krawatte oder Fliege?

Krawatte.

Rasur: trocken oder nass?

Nass.

Anzug: Doppel- oder Einreiher?

Zweireiher.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Kaschmirmantel.

Barfuß oder Lackschuh?

Barfuß im Lackschuh.


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