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Microsofts teurer Nokia-Irrtum

, Kai Beller

Die Nokia-Übernahme erweist sich für Microsoft als Fehlinvestition. Ferner: Sal-Oppenheim-Urteil und natürlich das Griechenland-Drama

Verhängnisvoller Irrtum

Nokia Lumia Smartphone
Nokia-Smartphone mit Microsoft-Betriebssystem: Nadella zieht die Reißleine - Foto: Microsoft

Vor einem Jahr hat der Softwareriese Microsoft die Übernahme der Mobilfunksparte des finnischen Nokia-Konzerns vollzogen. Mit den Produkten des früheren Weltmarktführers wollte Microsoft im Smartphone-Geschäft mit Apple und Samsung konkurrieren – und seinem eigenen Handy-Betriebssystem zum Durchbruch verhelfen. Der Deal erweist sich heute als Riesenflop. Microsoft-Chef Satya Nadella zog in dieser Woche die Notbremse und kündigte Abschreibungen in Höhe von 7,6 Mrd. Dollar an. Außerdem werden weitere 7800 Stellen gestrichen.

Die von Nadellas Vorgänger Steve Ballmer eingefädelte Übernahme hatte Microsoft 9,5 Mrd. Dollar gekostet – eine teure Fehlinvestition. Ballmer wollte mit den Geräten der Finnen die Hardwaresparte stärken. Mit Nokia holte sich Microsoft jedoch einen schwachen Partner ins Haus. Die Finnen – einstmals Weltmarktführer – hatten den Trend zu hochpreisigen Smartphones verschlafen. Die Geräte mit dem Windows-Betriebssystem kamen zu spät, Apple und die Konkurrenz mit Googles Android-Betriebssystem hatten sich den Markt bereits aufgeteilt.

Infografik: Nokia-Übernahme erweist sich als Flop | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Unter Nadella schlägt Microsoft einen anderen Weg ein. Der Konzernchef ordnet das Hardwaregeschäft der Windowssparte unter. Zwar soll es noch Microsoft-Geräte geben, diese werden jedoch an die Entwicklung des Betriebssystems Windows gekoppelt. Also quasi Windows first. Stephen Elop, ehemaliger Nokia-Chef, der zu Microsoft gewechselt war, hat das Unternehmen deswegen wieder verlassen.

An der Börse kamen Nadellas Pläne gut an: Die Aktie legte in einem schwachen Marktumfeld zu.

Ex-Banker verurteilt

Friedrich Carl Janssen (M.) umrahmt von seinen Verteidigern
Friedrich Carl Janssen (M.) umrahmt von seinen Verteidigern: Der frühere Risikovorstand von Sal. Oppenheim ist der einzige, der keine Bewährungsstrafe bekam - Foto: Reuters

Mit einer Haftstrafe und drei Bewährungsstrafen endete der Sal.-Oppenheim-Prozess in Köln. Wegen Untreue in zwei Fällen verurteilte das Landgericht Köln den früheren Risikovorstand des Bankhauses Sal. Oppenheim Friedrich Carl Janssen zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft. Die anderen angeklagten Banker Christopher von Oppenheim, Matthias Graf von Krockow und Dieter Pfundt erhielten Bewährungsstrafen zwischen einem Jahr und elf Monaten und zwei Jahren. Der fünfte Angeklagte Josef Esch, ein schillernder Bauunternehmer, kam gar mit einer Geldstrafe davon. Die Staatsanwaltschaft hatte für alle Angeklagten Haftstrafen gefordert.

Mit dem Urteil endet nach mehr als zwei Jahren einer der größten und kompliziertesten Wirtschaftsprozesse der Bundesrepublik. Mehr als sechs Stunden dauerte es, bis die Richterin die Urteilsbegründung vorgelesen hatte. Allerdings sind die Urteile noch nicht rechtskräftig. Staatsanwaltschaft und Verteidigung können noch in Revision gehen.

Den Angeklagten wurde vorgeworfen mit riskanten Geschäften das Bankhaus geschädigt zu haben. Die Bankvorstände hatten unter anderem versucht den Warenhauskonzern Arcandor zu retten, als dessen Schieflage schon offensichtlich war. 100 Mio. Euro sollen dieses und ein anderes riskantes Immobiliengeschäft in Frankfurt am Main das Kreditinstitut gekostet haben. Außerdem hätten sie ihre Privatinteressen mit denen der Bank unzulässigerweise verquickt.

Während Janssen bis zuletzt keine Reue zeigte, räumten Krockow und Oppenheim eigenes Fehlverhalten ein. Janssen dagegen sagte in dem Verfahren, dass er davon überzeugt gewesen sei, Arcandor retten zu können. Er war damals Chefkontrolleur bei dem Handelskonzern, der 2009 dann nicht mehr zu retten war. Arcandors Zusammenbruch zog auch Sal. Oppenheim in die Tiefe – nur durch einen Notverkauf an die Deutsche Bank wurde das traditionsreiche Haus gerettet.

Wutrede gegen Tsipras

Es kommt selten vor, dass ein Politiker aus der Rolle fällt. Doch Guy Verhofstadt, Chef der liberalen Fraktion im Europaparlament, platzte in dieser Woche der Kragen. Anlass war der Besuch des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras, der vor den Abgeordneten die Haltung seiner Regierung zur Rettungspolitik für sein Land darlegte. Verhofstadt mochte das alles nicht mehr hören. Sieben Minuten lang las der Liberale dem Sozialisten die Leviten und machte ihn dabei für die Krise verantwortlich: „Ich bin sauer, weil wir tatsächlich auf einen Grexit zu schlafwandeln“, rief Verhofstadt an die Adresse Tsipras’ gerichtet. Die Rechnung dafür müssten die Griechen bezahlen.

Aber Tsipras habe es in der Hand, das Desaster noch abzuwenden. Er müsse nur endlich ein vernünftiges Reformpaket mit einem Zeitplan präsentieren, um Griechenland zu retten. Tsipras solle Schluss machen mit Vetternwirtschaft und den Privilegien der Schiffseigentümer, Militärs, Kirchen, Inseln und politischen Parteien. „Was ich von Ihnen verlange ist, diese Dinge in ein süßes kleines Paket zu packen und auf den Tisch zu legen“, sagte Verhofstadt.

Tsipras habe die Wahl, er könne als „Wahlunfall“ oder als „revolutionärer Reformer“ in die Geschichte eingehen. Die Mehrheit der Griechen wollen im Euro bleiben. „Also zeigen Sie uns jetzt, dass Sie ein echter Anführer sind und kein falscher Prophet. Tun Sie es!" Nun, Tsipras hat inzwischen eine neue Reformliste vorgelegt. Was die neuen Vorschläge wert sind, wird sich am Wochenende weisen.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble ist ebenfalls genervt von den Griechen und offenbar auch von Ratschlägen aus Washington. Seinem US-Amtskollegen machte er ein unmoralisches Angebot. „Ich habe meinem Freund Jack Lew angeboten, dass wir Puerto Rico in die Eurozone aufnehmen könnten, falls die Vereinigten Staaten willens wären, Griechenland in die Dollar-Union aufzunehmen“, sagte Schäuble. Der Vorschlag war vermutlich nicht ganz ernst gemeint, aber Capital hat mal nachgesehen, ob sich der Tausch lohnen würde.


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