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4 Taktiken für mehr Führungswirkung

, Stefan Wachtel

„Fachlich gut“ zu managen, reicht nicht. Es gibt keine gute Führung ohne guten Auftritt. Von Stefan Wachtel

Ein Mann gestikuliert in einem Seminarraum © Getty Images
Ein souveräner Auftritt erhöht die Führungswirkung

Als Manager sollten Sie wirksam führen – ob es Ihnen liegt oder nicht. Sie müssen in einer wirkungsvollen Weise auf die Dinge schauen und in der richtigen Weise darüber reden, Herzen und Seelen ansprechen und manchmal auch Stimmung machen. Aber wie erreichen Sie Wirkung?

Führungswirkung beginnt im Kopf. Deshalb sollte man wissen, von welchem Punkt aus man startet – und an welchem man ankommen will.

Wer führt, kennt beide Modi: Den einen der täglichen Abläufe, in dem es darum geht, Entscheidungen zu treffen und mit Fakten zu rechtfertigen, Komplexität zu beherrschen, Daten zu komprimieren, Sachverhalte zu beurteilen und nach Wahrheiten zu suchen. Dies ist der Modus des Experten. Er befindet sich in dem Raum, der vieles am Laufen hält – ich nenne ihn „Maschinenraum“.

Es gibt aber auch noch einen anderen Modus und der geht über das tägliche Managen hinaus, strebt nach mehr Effekt. Dorthin wird umgeschaltet, wenn es drauf ankommt, wenn man im Fokus steht. Hier blicken wir nach vorne, können Menschen begeistern, visionär sein, den Raum öffnen und „Flughöhe“ erreichen. Im „Executive Modus“ geht es um eine grundsätzlich andere Art aufzutreten, zu argumentieren und zu sprechen, die mit Talent oder Charisma allein nicht zu erklären ist – und auch nicht zu schaffen. In den Wirkungsmodus kommen Sie durch die Beachtung ganz konkreter Punkte:

Aus dem Maschinenraum zur Flughöhe

"Executive Modus" ist im Hanser Verlag erschienen

Die meisten von uns sind auf die Expertenseite gedrängt worden: In eine Kommunikationsweise, die schwer ist, vollständig, mit großer Tiefe und mit den Methoden der Sachverhaltsbehandlung vorgeht. Besonders die deutsche Managermentalität sitzt dem Klischee auf, es reiche, fachlich gut zu managen, wenn einem der Auftritt nicht so liegt. Das ist schlicht falsch. Es gibt keine gute Führung ohne guten Auftritt! „Fachlich gut“ kann vielmehr zum Ausschlussurteil werden. Vielmehr sollten Sie den Raum weit öffnen, an Höheres anschließen. Ein persönliches Credo entwickeln, das aus Prinzipien und Werten kommt, und Weitblick vermitteln durch eher kategorische Aussagen. Mehr „Flughöhe“, weniger Details!

Ich fasse es in ein Bild: Wenn es darauf ankommt, nützt es nichts, zu wissen, wo die richtige Schraube liegt. Sie müssen nicht die Schraube und ihre Wirkungsweise erklären – das tun Experten. Sie müssen vielmehr überzeugend vermitteln, dass dort unten genau die richtigen Schrauben liegen und das alles ganz wunderbar sortiert ist.

Von sachlich zu persönlich

Sachlichkeit genießt unter Deutschen hohes Ansehen. Wenn Diskussionen „versachlicht“ werden – wie langweilig! –, kann sich jemand auf die Schulter klopfen. Aber Sachlichkeit führt immer etwas anderes mit im Gepäck, das ist Unpersönlichkeit. Und genau das macht Ihnen Probleme, wenn Sie Executive werden. Was eben noch als Tugend galt, hält Sie im Expertenmodus fest. „Zu sachlich“ oder „zu technisch“ sind Todesurteile für jede Führungswirkung, denn im Sachlichen kommen keine Menschen vor.

Floskeln wie „man will dies“, „man will jenes“ oder „es kam zu einer schwierigen Situation“ verbergen Menschen und Unpersönliches erreicht kein Gefühl. Früher konnten sich die führenden Köpfe verstecken, heute geht das nicht mehr. Wollen Sie den Sprung in den Executive-Modus schaffen, müssen Sie als Person sichtbar werden.

Nichts, das wirklich wichtig ist, wird nur behauptet; es muss mit „wir“ an das Publikum angeschlossen sein. Deshalb braucht Führung die Ansprache konkreter Menschen: „Sie“, „wir“, „Sie alle hier“. Persönlich sein kann durchaus heißen, von sich selbst zu sprechen. Aber nicht zu viel. Kommen Sie aus der sicheren Deckung. Bekennen Sie sich! Damit vermeiden Sie das Prädikat „zu sachlich“. Beginnen Sie mit den Anderen, erst dann kommt Ihre Geschichte. Das Ziel muss sein: Der Hörer redet mit.

Von vollständig zu Auswahl

Den schlimmsten Satz kennen Sie. Er begegnet allen, die oft Präsentationen vorbereiten. Er heißt: „Muss noch rein.“ Es ist das Pre-Read-Problem. Sie mussten eine Fassung der Charts vorab versenden, nach oben, in die Zentrale. Das ist schön und gut, und das mag seinen Sinn haben. Diese haben ein Recht auf vollständige Information und ganzen Rapport. Aber Ihr Auftrag, wenn Sie im Business Review vor dem Vorstand stehen, ist ein gänzlich anderer: Sie wollen durch Auftritt, Argumente und Stimme von etwas überzeugen. Nennen Sie die Punkte, und machen Sie das gut, dann kommt kaum jemand auf die Idee, Sie mögen alles sagen. Vollständigkeit gilt als eine der großen Tugenden, aber sie gehört zur Rhetorik der Experten. Im Executive Modus ist permanente Auswahl gefragt.

Von schriftlich zu mündlich

Sie werden etwas sagen. Sie machen sich einen Plan dazu. Was kommt heraus? Ein Text! Vor allem Deutsche – auch Österreicher und Deutschschweizer – schreiben gern Texte, wo es eigentlich um mündliche Auftritte geht. Viele Reden lassen sich verschriftet gut lesen. Aber gesprochen wirkt der Text gestelzt, distanziert und oft kompliziert. Unsere Zuhörer baden es aus. Über eine Pressekonferenz schrieb einmal eine Zeitung: „Mit stoischer Ruhe“ lese der Spitzenmanager seinen Text vor wie einen langen Brief. Unsprechbares wird gesprochen, und Unanhörbares bleibt unverstanden. Schriftlich vorbereitet, und schriftdeutsch ohnehin.

Niemals ausformulierter Text, so heißt die Regel (von Hauptversammlungen und Paulskirchenreden abgesehen). Und niemals Volltext vorlesen. Aber wenn Sie schon schreiben, dann „Schreiben fürs Hören“. Dabei sollten Sie beachten, dass immer dasjenige besser verstanden wird und wirksamer ist, was nahe an der Sprache ist, die sonst auch gesprochen wird und niemals schriftdeutsch vorbereitet werden darf, was mündlich ausgesprochen werden soll.

Wer managt, kennt sich mit etwas aus oder kannte sich irgendwann mal mit etwas aus. Deshalb ist es nicht verwerflich, das tägliche Managen und Führen auch weiterhin im Expertenmodus zu versuchen. Mit den Methoden der Sachverhaltsbehandlung. Es ist nur ganz oft wirkungslos – für Ihren Arbeitgeber und für Sie. Für wirklich hohe Führungswirkung müssen Sie den Modus wechseln!


Stefan WachtelStefan Wachtel arbeitet mit Spitzenmanagern an Auftritten und Führungswirkung. Er ist Initiator des Award „Bester Managerauftritt“ und einer der „Leading Coaches of the World“. Gerade erschien im Hanser Verlag sein Buch „Executive Modus. 12 Taktiken für mehr Führungswirkung“



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