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Macht googeln dumm?

, Capital-Redaktion

Die Unstatistik bringt die Wahrheit hinter den Zahlen ans Tageslicht. Diesmal: Warum googeln per Smartphone nicht denkfaul macht

Armut
Falsche Schlüsse aus einer Studie: Wer per Smartphone googelt, muss nicht denkfaul sein

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. 
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de. Jüngst erschienen im Campus Verlag ist das Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet - Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“


Macht googeln dumm? Die Berichterstattung über eine kanadische Studie zu den Auswirkungen der Smartphone-Nutzung legt das nahe. Vor allem die häufige Suchmaschinen-Nutzung mache denkfaul, wird unter Berufung auf die Untersuchung berichtet. „Unsere Forschungsergebnisse stützen einen Zusammenhang zwischen intensiver Smartphone-Nutzung und geringerer Intelligenz“, zitiert beispielsweise das Internetportal gesundheitsstadt-berlin.de einen der kanadischen Forscher. Die Sache scheint also klar: Der Intelligenzquotient sinkt mit jeder Google-Suche.

Die Unstatistik hält diese Interpretation der Forschungsergebnisse für falsch. „So gerne manche glauben möchten, dass das Smartphone denkfaul macht oder gar in die digitale Demenz treibt – die kanadische Studie zeigt das nicht“, schreiben die Unstatistiker. Für die Studie wurden Erwachsene in Kanada befragt, ob sie ein Smartphone besitzen und wenn ja, wie viel Zeit sie damit in Suchmaschinen, in sozialen Netzwerken und mit Entertainment-Apps verbringen. Außerdem galt es, logische Denkaufgaben zu lösen.

Korrelation ist nicht gleich Kausalität

Das Ergebnis so die Unstatistik: „Im logischen Denken bestand kein Unterschied zwischen jenen, die ein Smartphone besaßen, und jenen, die keines hatten; kein Unterschied zwischen jenen, die mit ihrem Smartphone viel Zeit in sozialen Netzwerken verbrachten, und jenen, die das nicht taten; und auch kein Unterschied zwischen jenen, die viel Zeit mit Entertainment-Apps wie Videospielen verbrachten, und jenen, die das nicht taten. Nur wer mehr Zeit mit Suchmaschinen verbrachte, zeigte niedrigere Leistungen bei den Denkaufgaben.“

Man könne aus dem Letzteren aber nicht ableiten, dass der Einsatz von Suchmaschinen denkfaul mache. „Aus einer Korrelation kann man nicht auf Kausalität (auf die Ursache) schließen – aus dem Umstand, dass die Geburtenrate dort höher ist, wo es mehr Störche gibt, folgt eben nicht, dass die Kinder vom Storch gebracht werden“, argumentiert die Unstatistik. Es könne ebenso gut sein, dass die Kausalrichtung anders herum verlaufe, also Denkfaule oder Personen mit einer geringeren Allgemeinbildung eher auf Suchmaschinen zurückgriffen.

Ein anderes Ergebnis der Untersuchung zeige, dass die in der Berichterstattung vermutete Kausalrichtung sogar „eher unwahrscheinlich“ sei: „Wenn googeln mit dem Smartphone das logische Denken schwächen würde, dann müssten jene Erwachsene, die kein Smartphone besitzen, die besten Leistungen erzielen.“ Aber diese Gruppe unterscheide sich überhaupt nicht von den anderen.

Die Autoren der Studie seien vorsichtiger mit kausalen Zusammenhängen. Die eigentliche Erkenntnis der Studie sei daher vielleicht eine andere: „Man braucht kein Smartphone, um denkfaul zu werden – die Verwechslung von Korrelation mit Kausalität in der Berichterstattung ist das beste Beispiel.“


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