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Krebs durch Erdölförderung?

, Capital-Redaktion

Die Unstatistik bringt die Wahrheit hinter den Zahlen ans Tageslicht. Diesmal: Warum statistische Abweichungen oft nur Zufall sind.

Statistik © Getty Images

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. 
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de. Jüngst erschienen im Campus Verlag ist das Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet - Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“


Von den 2500 Einwohnern Rodewalds im Landkreis Nienburg sind im Zeitraum von 2005 bis 2013 20 Personen an Leukämie oder Tumoren des Lymphgewebes erkrankt. Die Hannoversche Allgemeine schrieb über die „rätselhaften Krebsfälle von Rodewald“. Im Durchschnitt seien nur zwölf Fälle zu erwarten. Die Häufung sei statistisch signifikant und nicht durch Zufall zu erklären. Möglicherweise sei Benzol für die Krebserkrankungen verantwortlich. Bei der Erdölförderung rund um den Ort entweicht dieser Stoff.

Laut der Unstatistik „sind solche Häufungen alles andere als signifikant“. Sie seien vielmehr normal. Im Jahr 2014 starben durch Krebs 223.000 Menschen, das war ein Viertel aller Todesfälle in Deutschland insgesamt. Teilt man diese Zahl per Zufallsprinzip auf alle 11.100 Gemeinden auf, werde es viele Kommunen geben, in denen weit mehr als 25 Prozent an Krebs gestorben sind und welche, wo der Anteil weit darunter lag.

Viel Lärm um nichts?

Diese Abweichungen seien rein zufällig und fast sicher zu erwarten. „Hätten etwa alle Gemeinden Deutschlands so wie Rodewald 2500 Einwohner, läge die Wahrscheinlichkeit, dass in mindestens einer davon in neun Jahren statt der erwarteten zwölf mehr als 19 Leukämie-Erkrankungen auftreten, bei über 99,9 Prozent“, rechnet die Unstatistik vor. Selbst die Wahrscheinlichkeit, dass in zehn oder mehr Gemeinden solche Häufungen rein zufällig vorkommen, betrüge noch mehr als 95 Prozent.

Das heißt aber nicht, dass ein Zusammenhang zwischen der überdurchschnittlichen Zahl an Krebserkrankungen und der Erdölförderung in Rodewald ausgeschlossen ist. Allein aus den Zahlen zwölf und 20 sei sie niemals zu beweisen. Und die Unstatistik schlussfolgert: „Üblicherweise ergibt das Nachforschen nach systematischen Gründen in solchen Fällen immer das Ergebnis: viel Lärm um nichts.“


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