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Immobilien - ungebremster Preisanstieg

, Kai Beller

Die Immobilienpreise in Deutschland steigen immmer weiter. Außerdem: Der Öl-Preissturz, VWs Krisenmanagement und Yahoos Spaltung

Immobilien: Steigende Preise, mangelnder Wohnraum

Ein Schild mit der Aufschrift "zu verkaufen" steht vor einem Haus
Zu verkaufen: Die Immobilienpreise steigen seit Jahren - Foto: dpa

Der Trend zu steigenden Preisen am deutschen Immobilienmarkt ist ungebrochen. „Die Preisentwicklung auf dem Wohnimmobilienmarkt dürfte sich weiter fortsetzen. Für Städte und Regionen mit steigenden Bevölkerungszahlen erwarten wir weiter steigende Preise“, sagte Siegmar Liebig, Sprecher des Arbeitskreises der Gutachterausschüsse bei der Vorstellung des Immobilienmarktberichts. Für die Studie werten die Gutachterausschüsse Kaufverträge bundesweit aus.

Laut dem Bericht wurden im Jahr 2014 etwa 900.000 Immobilien im Wert von 191 Mrd. Euro verkauft. Allein 130 Mrd. Euro entfielen dabei auf Wohnimmobilien. Im Vergleich zu 2013 wechselten zwar nicht mehr Häuser und Wohnungen den Besitzer, die Käufer gaben aber sieben Prozent mehr Geld für die Objekte aus. Städte und städtische Regionen erfreuen sich mit 65 Prozent der Transaktionen weiter großer Beliebtheit.

Die höchsten Quadratmeterpreise bei Ein- und Zweifamilienhäusern ermittelten die Experten für München (7200 Euro), dem Landkreis Dachau (4200 Euro) und Düsseldorf (4000 Euro). Niedrige Wohnflächenpreise von 500 Euro pro Quadratmeter wurden unter anderem in den Landkreisen Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt), im Kyffhäuserkreis (Thüringen) und Osterode am Harz (Niedersachsen) registriert.

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immobilien-kompass.capital.de


Angesichts der vielen Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, rechnet das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung mit einem erhöhten Bedarf an Wohnungen.. „Inzwischen gehen wir davon aus, dass wir hierzulande statt der zuletzt von uns prognostizierten 270.000 Wohnungen jedes Jahr eher 350.000 bis 400.000 Wohnungen bauen müssen“, sagte BBSR-Direktor Harald Herrmann. Aber er sieht auch ein Problem, weil die „Ausweitung der Bautätigkeit“ begrenzt sei. Die Bauwirtschaft sei extrem ausgelastet, Baugrundstücke seien erst mit einer längeren Vorlaufzeit bebaubar und es fehle der preisgünstige Wohnungsneubau. Herrmanns Schlussfolgerung: „Es dürfte deshalb sehr schwierig sein, die mindestens 350.000 Wohnungen pro Jahr auch zu bauen, die wir kurzfristig benötigen.“

Ölpreis: Entspanntes Tanken

Eine Hand hält eine Zapfpistole
An einigen Tankstellen fiel der Preis für den Liter Diesel unter die Marke von 1 Euro

Der Ölmarkt kommt nicht zur Ruhe. Nach der Entscheidung der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) die Förderung nicht zu kürzen, rutschte der Preis pro Barrel für die Nordseesorte Brent unter die Marke von 40 Dollar. Für US-Öl der Sorte WTI wurde noch weniger verlangt. Damit bewegt sich der Preis auf dem Krisenniveau des Jahres 2009. Damals war die globale Konjunkturschwäche verantwortlich für das Preistief. 2015 dagegen gibt es zu viel Öl auf dem Markt.

Den Autofahrern hierzulande kommt der niedrige Preis zupass. Nach Berechnungen des Mineralölwirtschaftsverbandes fällt die Tankrechnung 2015 um gut 10,5 Mrd. Euro niedriger aus als im vergangenen Jahr. Bei Benzin betrage die Ersparnis 2,9 Mrd. Euro, bei Diesel 7,6 Mrd. Euro.

Was die Autofahrer freut, bringt die Ölkonzerne in eine gefährliche Lage. Die Gewinne von BP, Exxon, Shell und anderen Unternehmen sind eingebrochen. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht den Preisverfall daher auch mit Sorge. Sie warnt, dass durch den niedrigen Preis notwendige Investitionen unterbleiben könnten und die Abhängigkeit von Öl aus dem Nahen Osten zunehme. Dort wird Öl besonders billig gefördert.

Es ist vor allem Saudi-Arabien, das den Preiskampf anheizt. Mit dem niedrigen Preis soll das Fracking in den USA unrentabel werden. Wird dort die Förderung zurückgefahren, haben die Saudis den Machtkampf gewonnen. Bis es soweit ist, deutet nichts auf eine Trendwende am Ölmarkt hin. Die IEA erwartet, dass die Opec-Staaten im kommenden Jahr 31,3 Millionen Barrel pro Tag fördern werden. Das wären 1,6 Millionen Barrel mehr als 2015.

VW: Die Krise als Chance

VW-Chef Müller umringt von Pressevertretern
Großer Andrang: Mit Spannung wurde die erste Pressekonferenz von VW-Chef Matthias Müller erwartet - Foto: Volkswagen AG

Der neue Volkswagen-Chef Matthias Müller will die Krise zum Umbau des Konzerns nutzen. Bei seiner ersten großen Pressekonferenz als Vorstandsvorsitzender kündigte er an, dass Volkswagen künftig weniger zentralistisch geführt werden solle. Das heißt, dass den einzelnen Konzernmarken mehr Eigenständigkeit zugebilligt wird. Und auch einen Kulturwandel will Müller herbeiführen: „Wir brauchen ein Stück mehr Silicon Valley, gepaart mit der Kompetenz aus Wolfsburg, Ingolstadt, Stuttgart und den anderen Konzernstandorten“, sagte er. Volkswagen brauche „keine Ja-Sager, sondern Manager und Techniker, die mit guten Argumenten für ihre Überzeugungen und ihre Projekte kämpfen“.

So stellt sich Müller die Zukunft vor, die Gegenwart ist leider immer noch von der Vergangenheit geprägt. Zu den Kosten des Abgasskandals konnte Müller nichts sagen. Immerhin soviel: Der Verkauf von Unternehmensteilen sei bislang nicht notwendig.

An die Aufarbeitung des Skandals gehe VW ohne Tabus heran, versprach Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. „Ich garantiere Ihnen hier und heute, dass wir diese rückhaltlose Aufklärung zum Abschluss führen werden“, sagte er. Neun möglicherweise an den Manipulationen seien bereits freigestellt worden. In einem Interview mit den ARD-Tagesthemen betonte Müller, dass die Konzernspitze nichts von den Manipulationen gewusst habe. „Das Ganze hat sich im mittleren Management und darunter abgespielt“, sagte er.

Die Untersuchung der von VW eingeschalteten Anwaltskanzlei Jones Day werde sich noch „deutlich ins nächste Jahr hinein erstrecken“, hieß es. Die externen Ermittler hätten gigantische Datenmengen zu sichten: „Bislang wurden 102 Terabyte gesichert; das entspricht umgerechnet etwa 50 Millionen Büchern. Mehr als 1500 elektronische Datenträger von ca. 380 Mitarbeitern wurden eingesammelt.“

Eine Konsequenz hat Volkswagen aus dem Skandal bereits gezogen. Emissionstests würden „künftig grundsätzlich extern und unabhängig überprüft werden“. Außerdem sollen „stichprobenhafte Real-Life-Tests zum Emissionsverhalten auf der Straße eingeführt“ werden. „Damit tragen wir hoffentlich dazu bei, Vertrauen zurückzugewinnen", sagte Pötsch.

Yahoo: Aufspaltung und Babyglück

Yahoo-Chefin Marissa Mayer
Yahoo-Chefin Marissa Mayer muss jetzt zwei Dinge managen: ihre neugeborenen Zwillinge und ihren strauchelnden Konzern - Foto: Getty Images

Eigentlich war Yahoo-Chefin Marissa Mayer 2012 angetreten, um den Internet-Konzern wieder auf Augenhöhe mit Konkurrenten wie Google und Facebook zu bringen. Doch es blieb beim Vorhaben. Das Unternehmen konnte nie aus dem langen Schatten der Wettbewerber treten. Zuletzt konnte Yahoo nur noch mit seiner Beteiligung an dem chinesischen Internethändler Alibaba wuchern. Mayer wollte die Anteile für 30 Mrd. Dollar verkaufen und damit die murrenden Aktionäre zufriedenstellen.

Doch selbst dieser Plan ist gescheitert – aus steuerlichen Gründen. Statt des Verkaufs wird der Konzern nun aufgespalten. Yahoo wird danach nur noch aus der Alibaba-Beteiligung bestehen. Das Kerngeschäft soll in eine neue börsennotierte Gesellschaft überführt werden. Die Anteilsscheine werden unter den Yahoo-Altaktionären aufgeteilt werden.

Es kann aber auch sein, dass sich ein Käufer für den Yahoo-Kern mit seinen Millionen Nutzern findet. Der US-Telekommunikationskonzern Verizon soll bereits Interesse signalisiert haben. Im Frühjahr hatte das Unternehmen einen anderen Internetpionier geschluckt: AOL. Verizon drängt in den Markt für Online-Werbung, da würde Yahoo durchaus ins Beuteschema passen.

Konzernchefin Mayer gönnt sich in dieser kritischen Phase nur eine Miniauszeit für ihre Babys. Sie hat in dieser Woche Zwillinge zur Welt gebracht. Nach nur drei Wochen will sie ihre Arbeit wieder aufnehmen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Dabei hatte Mayer den Erziehungsurlaub bei Yahoo auf 16 Wochen verlängert.


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