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6 Tipps für die richtige Berufswahl

, Volker Leinweber

Absolventen in MINT-Studiengängen sind Mangelware. Doch nicht für jeden ist ein Studium geeignet - es gibt Alternativen. Von Volker Leinweber 

Platine Mechatroniker
"Wenn Tüfteln und Basteln noch nie Ihr Ding war, ist ein Ingenieurstudium wahrscheinlich nicht das richtige", meint Volker Leinweber

Volker Leinweber ist Physiker und seit 26 Jahren bei der Schott AG in verschiedenen Positionen tätig. Seit 2003 ist er Leiter der technischen und naturwissenschaftlichen Aus- und Weiterbildung. Volker Leinweber ist Physiker und seit 26 Jahren bei der Schott AG in verschiedenen Positionen tätig. Seit 2003 ist er Leiter der technischen und naturwissenschaftlichen Aus- und Weiterbildung.


MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Und für Berufe mit großem Zukunftspotenzial. Denn in einem Hightech-Land ohne Bodenschätze sind gut ausgebildete Menschen der wichtigste Rohstoff. Die Unternehmen fordern seit Jahren, dass mehr Jugendliche Ingenieur oder Informatiker werden sollten, sie fürchten einen Fachkräftemangel.

Junge Menschen, die gerade die Schule abgeschlossen haben und vor der wohl wichtigsten Entscheidung ihres Berufslebens stehen, sind oft hin und her gerissen, zwischen den Empfehlungen der Unternehmen und den eignen Interessen. Ihnen fällt es schwer, aus dem riesigen Angebot eine Ausbildung zu finden, die zu den eigenen Fähigkeiten passt.

Wahr ist: Die Aussichten für MINT-Akademiker sind exzellent. Das verleitet viele Schulabsolventen dazu, blindlings ein Fach zu studieren, über das sie nur wenig wissen. Die Frage, ob eine Ausbildung nicht besser passen würde, wird von vornherein gar nicht gestellt. Dabei ist es erst mal wichtig, Interessen abzuklopfen, etwa ob man technisch begabt ist. Dass diese Frage zu kurz kommt, beweisen die Zahlen der Studienabbrecher: Sie betragen in MINT-Fächern mehr als ein Drittel.

Dabei ist das duale Ausbildungssystem durch die Praxisnähe der darin ausgebildeten Fachkräfte einer der Erfolgsfaktoren der deutschen Unternehmen. Eine erfolgreiche Berufswahl ist gar nicht so schwer – wenn man ein paar Tipps beherzigt:

Eine Ausbildung nicht von vornherein ausschließen

Früher machten zwei Drittel der Schulabsolventen eine Ausbildung, ein Drittel studierte. Heute kehrt sich der Trend um. Viele Jugendliche lassen sich locken von angeblich guten Berufschancen oder die Eltern machen Druck. Zu viele dieser Studienanfänger brechen ihr Studium ab und bewerben sich bei uns um eine Ausbildung. Auch wenn uns das Interesse freut, wäre es uns lieber, wenn sich die Bewerber früher Gedanken gemacht hätten. Erst mal eine Ausbildung machen und bei Interesse später noch ein Studium dranhängen. Zuweilen stellt sich in der Praxis dann auch heraus, dass eine andere fachliche Weiterqualifizierung passender und zielführender ist.

Noten nicht überbewerten

Jugendliche, die sich bei uns um eine Ausbildung bewerben, müssen einen Eignungstest absolvieren. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass die Ergebnisse im Eignungstest nicht unbedingt die Schulnoten widerspiegeln. Denn die geben nur Hinweise auf fachliche Fähigkeiten. Für den beruflichen Erfolg sind aber vor allem Persönlichkeit, Engagement und der Umgang mit Menschen gefragt. Gute Noten sind deshalb keine Erfolgsgarantie für Ausbildung und Studium. An fachlichen Defiziten kann man arbeiten. Schwieriger wird es, mangelnde Leidenschaft oder Teamfähigkeit auszugleichen. 

Andererseits können Schulnoten in der Relation schon gewisse Hinweise geben. Wer in Mathe schlecht ist und Physik in der Oberstufe abgewählt hat, sollte sich gut überlegen, ob ein MINT-Studium das Richtige ist. Viele stürzen sich in ein Studium, wo wir schon am Abiturzeugnis sehen, dass es nicht reichen wird.

Unbedingt Praktika machen

Schulabsolventen werden mit gut gemeinten Ratschlägen von Verwandten und Bekannten zugeschüttet, auch Ratgeber im Internet sind beliebt. Aber nichts geht über eigene Erfahrungen. Ob einem eine Tätigkeit liegt oder ob man sich schon nach ein paar Tagen langweilt, erfährt man am besten, indem man diese Tätigkeit eine Zeit lang ausprobiert. Praktika während der Schulzeit oder nach dem Abitur sind deshalb nicht nur für angehende Azubis interessant. Wer ein Studium anpeilt, erhält im Praktikum wertvolle Informationen über das Berufsfeld. Wer in einem Praktikum gar nicht zurechtkommt oder die Tätigkeit ganz anders ist als erwartet, gewinnt eine wichtige Information, die sie oder ihn vor einer falschen Entscheidung bewahrt.

Interessen ehrlich einschätzen

Sie schreiben Ihre PC-Programme selbst und ein Ikea-Regal bauen Sie ohne Anleitung auf? Dann dürfte ein technischer Beruf eine gute Wahl sein. Umgekehrt gilt: Wenn Tüfteln und Basteln noch nie Ihr Ding war, ist ein Ingenieurstudium wahrscheinlich nicht das richtige, auch wenn die Karrierechancen noch so verlockend sind.

Alternative Karrierewege einschlagen

Viele Studienanfänger wollen später einmal Führungsaufgaben übernehmen. Sie studieren Betriebswirtschaftslehre, weil sie denken, dass dieser Studiengang sie direkt ins Management befördert. Doch BWL-Studierende gibt es wie Sand am Meer, was wiederum die Karrierechancen schmälert. Technische Berufe sind eine gute Alternative. Sie bereiten keineswegs nur auf eine Fachlaufbahn vor, sondern bieten viele Optionen, später auch Führungsverantwortung zu übernehmen.

Überhaupt führen vielversprechende Karrierewege nicht nur über die Uni. Auch Berufseinsteigern, die erstmal eine gewerbliche Ausbildung machen und vielleicht später ein duales Studium dranhängen, stehen alle Wege offen. Das deutsche Berufsbildungssystem ist sehr durchlässig. Eine Mechatroniker-Ausbildung kann bei späterem Engagement auch auf einen Vorstandsposten führen. 

Nicht immer auf die Eltern hören

Die Eltern spielen eine wichtige Rolle bei der Berufswahl ihrer Kinder – manchmal eine zu große. Oft erlebe ich es auf Berufsmessen oder Informationsveranstaltungen, dass die Eltern die Fragen stellen und die Jugendlichen, um die es eigentlich geht, nur daneben stehen und nichts sagen. Bitte versuchen Sie nicht, ihrem Nachwuchs ihre eigenen Vorstellungen überzustülpen! Besser ist es, den Kindern beratend zur Seite zu stehen und ihnen zu helfen, ihre Interessen zu entdecken.


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