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4 Denkfehler von Chefs auf Kuschelkurs

, Bernd Slaghuis

Was früher die Anweisung von oben war, wird heute vorsichtig in Watte gepackt. Aber ein weichgespülter Kuschelkurs ist keine gute Alternative. Von Bernd Slaghuis

Chef Manager © Getty Images
Der Chef als Kumpel – kann das gutgehen?

Bernd Slaghuis ist Karriere- und Business-Coach in Köln. Er hat sich auf Karriereplanung und Neuorientierung sowie das Coaching von Führungskräften aus dem mittleren Management spezialisiert. Er schreibt im Karriere-Blog Perspektivwechsel über seine ganz eigenen Sichtweisen auf Karriere, Bewerbung und Führung.  Bernd Slaghuis ist Karriere- und Business-Coach in Köln. Er hat sich auf Karriereplanung und Neuorientierung sowie das Coaching von Führungskräften aus dem mittleren Management spezialisiert. Er schreibt im Karriere-Blog Perspektivwechsel über seine ganz eigenen Sichtweisen auf Karriere, Bewerbung und Führung. 


Wer ist der bessere Chef für die Angestellten von morgen? Alter Ego-Macho oder empathischer Kumpel-Typ? Große Verunsicherung macht sich breit in Deutschlands Chef-Etagen. Die Verwirrung, was gute Führung auszeichnet, war selten so groß wie heute. Noch sitzen viele Bosse der alten Schule ganz oben. Doch sie merken, dass Durchsetzungskraft und Härte bei der Basis nicht mehr ankommen.

Drei Viertel der Chefs wünschen sich einen Paradigmenwechsel in der Führungskultur, so eine Studie der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Veränderung bedeutet Unsicherheit. Die Folge: Angst und Lähmung in der Organisation. Und so wird aus dem gestern erfolgreich autoritären Kontroll-Chef heute der freundliche Motivator auf Kuschelkurs. Die gute alte hierarchische Führung scheint verpönt, doch der hippe demokratische Weichspülgang ist so noch keine Alternative. Vier Denkfehler von Chefs auf Kuschelkurs:

1. Mehr Mitbestimmung motiviert Mitarbeiter

Einige Unternehmen wie der amerikanische Modeversand Zappos sind dazu übergegangen, Hierarchien vollständig abzuschaffen. Manager und Mitarbeiter auf Augenhöhe ist die Vision innovativer Unternehmensführung. Was nach Wertschätzung klingt, ist jedoch für die Masse vor allem der deutschen Konzern-Beschäftigten noch in weiter Ferne. Warum sollten dort altgediente Angestellte mal eben Entscheidungen treffen, wenn sie bisher alles vorgekaut bekommen haben? Mitsprache ja, aber bitte nichts selbst entscheiden! Die Angst vor Fehlern beherrscht unsere Arbeitswelt – nicht nur in den Großraumbüros, sondern auch in weiten Teilen der noch an ihren Stühlen klebenden Lehmschicht im mittleren Management.

2. Mehr Eigenverantwortung stärkt Mitarbeiter

Ja, die Eigenverantwortung gewinnt an Bedeutung, je dynamischer das Arbeitsumfeld wird. Chefs auf Kuschelkurs verwechseln Eigenverantwortung jedoch gerne mit dem Freibrief, die Mitarbeiter einfach machen und sie im Regen der auf sie einprasselnden Projekte stehen zu lassen. Mehr Eigenverantwortung bedeutet nicht weniger Führung. Ganz im Gegenteil, denn hierfür ist zunächst ein umso stärkeres Engagement als Führungskraft erforderlich. 

3. Kuschelkurs ist gesunde Führung

Kuscheln dürfte für die meisten Chefs und ihre Schäfchen angenehmer sein als Ellenbogen raus und brüllen. Doch wenn es darum geht, die ambitionierten Ziele von oben zu bedienen, spätestens dann wird den Kuschelkurs-Chefs Angst und Bange, und sie werden die gewohnt erfolgreiche Peitsche wieder auspacken, um nicht selbst einpacken zu müssen. Ein ungesundes Wechselbad der Gefühle, auch für ihre Mitarbeiter.

4. Kuschelkurs macht Spaß und bindet Mitarbeiter

Angestellte wünschen sich gute Beziehungen zu Kollegen, jedoch auch klare Anforderungen und Ziele. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Trendstudie von Stepstone. Eine Kuschelkultur allein ist nur die halbe Miete und führt zu Stillstand: Probleme werden tot geschwiegen oder abgewartet, bis sie sich von selbst erledigt haben, Fehler werden sorgsam unter den Teppich gekehrt. Nachhaltige Mitarbeiterbindung resultiert aus persönlicher Karriereentwicklung. Das Ergebnis einer Studie des Personaldienstleisters Manpower zeichnet für Deutschland ein düsteres Bild: Nur 14 Prozent der Unternehmen fördern heute ihre Talente systematisch.

Wir brauchen Klarheit und Flexibilität

Alle Führungsstile der letzten Jahrzehnte haben eines gemeinsam: Menschen, die führen und geführt werden. Mit ihren individuellen Werten, Motiven und Zielen, die sich von Generation zu Generation und auch im Laufe eines Lebens verändern. Jeder von uns hat unterschiedliche Weltbilder und damit Vorstellungen von Karriere und persönlicher Entwicklung: Für einige sind Anerkennung oder Sicherheit wichtig, andere streben nach Status, Macht und Geld. Ihnen allen als kleinsten gemeinsamen Nenner zur Sicherheit die weichgespülte Kuschelkurs-Führung überzustülpen, ist der falsche Weg.

Führung ist kein Standard-Tool, sondern eine Frage der richtigen Haltung. Sie setzt die ständige Reflexion und das Bewusstsein über die eigenen sowie die Werte, Motive und Ziele der Mitarbeiter voraus.

Klarheit und Flexibilität im Denken und Verhalten sind die entscheidenden zwei Stellhebel für wirkungsvolle und gesunde Führung. Je komplexer Technologien, Prozesse und auch Märkte werden, desto bedeutender wird Führung als Steuerungsinstrument. Klar gesetzte Leitplanken weisen die Richtung und geben Sicherheit. Erlaubte Flexibilität gewährt den nötigen Raum für Veränderung und Entscheidungen im Umgang mit Dynamik und Wandel. 


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