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Grossbank macht sich klein

, von Kai Beller

Die britische Bank HSBC streicht Stellen im großen Stil. Außerdem: Apples Musikdienst, Twitters Chefwechsel und G7-Klimaziele

Jobabbau bei HSBC

HSBC-Zentrale in London
HSBC-Hauptsitz in London: Die Bank überlegt, ihre Zentrale zu verlegen – möglicherweise nach Asien - Foto: HSBC

Europas größte Bank HSBC ist so etwas wie das britische Pendant zur Deutschen Bank. Beide Geldhäuser suchen nach einer neuen Strategie und schlagen sich mit diversen Skandalen aus vergangenen Tagen herum. Die Briten wollen nun mit einer Mischung aus Stellenabbau und dem Rückzug aus einigen Märkten an erfolgreichere Zeiten anknüpfen. Bis zu 50.000 Stellen weltweit fallen dem Kahlschlag zum Opfer.

25.000 Mitarbeiter will die Bank durch den Verkauf ihrer Tochtergesellschaften in der Türkei und Brasilien loswerden. Weitere 25.000 Stellen werden durch die Schließung von Filialen sowie Einsparungen in der Verwaltung und im IT-Bereich wegfallen. Nach Abschluss der Maßnahmen 2017 soll HSBC noch knapp 210.000 Beschäftigte haben. 2010 waren es noch fast 300.000.

Mit den Plänen will Vorstandschef Stuart Gulliver die Kosten um 5 Mrd. Dollar pro Jahr reduzieren. Zunächst aber verursacht der Kahlschlag Kosten: Die Bank rechnet mit Sonderaufwendungen in Höhe von 4,5 Mrd. Dollar.

Ob diese Sparrunde den Durchbruch bringt? Die bisherigen Einsparungen haben noch nicht den gewünschten Effekt gebracht. Im vergangenen Jahr war der Vorsteuergewinn  um 17 Prozent eingebrochen. Mit einer weniger komplexen Struktur und Investitionen in Asien soll nun endlich die Wende gelingen.

Und noch etwas könnte sich bei dem Geldinstitut ändern. Die Bank überlegt, London als ihren Hauptsitz aufzugeben. Bis zum Jahresende soll Entscheidung fallen. Als möglicher neuer Standort ist Hongkong im Gespräch – von dort stammt die Bank ursprünglich. Vielleicht kann der britische Finanzminister George Osborne die Banker aber auch noch zum Bleiben überreden. Er müsste dazu wohl eine Abkehr von der bisherigen Politik einer strengen Regulierung ankündigen und die Bereitschaft erkennen lassen, die Bankenabgabe ein wenig zu lockern.

Apple streamt jetzt auch

Apple-Music auf einem iPhone
Apples Streamindienst wird auf allen Geräten des Konzerns vorinstalliert - Foto: Apple

Mit großen Worten geizt Apple nicht. Auch auf der Entwicklerkonferenz in dieser Woche waren sie wieder zu vernehmen. Konzernchef Tim Cook stellte bei dieser Gelegenheit den neuen kostenpflichtigen Streamingdienst Apple Music vor. Damit werde, so die Apple-Verantwortlichen, ein „neues Kapitel“ aufgeschlagen. Das mag für Apple stimmen, aber nicht für die Musikbranche insgesamt, denn Apple ist hier mehr Nachzügler als Vorreiter.

Das Unternehmen sah sich zum Handeln gezwungen, weil die Musikverkäufe über die hauseigene Plattform iTunes zurückgehen und gleichzeitig Streamingdienste wie Spotify einen Aufschwung erleben. Warum sollten die Kunden aber jetzt zu Apple Music wechseln? Für einen Preis von 9 Euro pro Monat erhalten sie Zugang zu 30 Millionen Musiktiteln. Dazu gibt es ein Internetradio und Playlists, die von Menschen und nicht von Computern zusammengestellt werden.

So viel mehr bietet Apple damit nicht als die Konkurrenten. Das Unternehmen darf aber mit der Trägheit seiner Nutzer rechnen, denn Apple Music wird auf den Rechnern, Tablets und Smartphones aus dem eigenen Haus vorinstalliert. Die Kundschaft bekommt also alles aus einer Hand, was sicherlich ein Vorteil ist.

Ärger gibt es auch schon: US-Wettbewerbshüter prüfen, ob Apple Musikkonzerne unter Druck gesetzt hat. Das Unternehmen soll Vorzugskonditionen für seinen Dienst verlangen.

Stühlerücken bei Twitter

Twitter-CEO Dick Costolo
CEO Dick Costolo hat Twitter nicht das erhoffte Wachstum gebracht - Foto: Marla Aufmuth for Twitter, Inc.

Wie es sich für einen Kurznachrichtendienst gehört, wurde der Rücktritt von Twitter-CEO Dick Costolo per Tweet verkündet:

Costolo geht also und mit Jack Dorsey nimmt einer der Twitter-Gründer auf dem Chefsessel des sozialen Netzwerks Platz – zumindest vorübergehend. Er ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden, denn Twitter ist hinter die Konkurrenz zurückgefallen. Das lässt sich an einigen Zahlen festmachen: 302 Millionen aktive Nutzer im Vergleich zu 1,4 Milliarden bei Facebook. Die Wachstumsrate hat sich in den letzten Jahren zudem verringert.

Profitabel ist das Unternehmen auch nicht: Zwar verdoppelte Twitter 2014 den Umsatz gegenüber 2013 auf 1,4 Mrd. Dollar. Unter dem Strich stehen jedoch Verluste: Mehr als 162 Mio. Dollar waren es allein im ersten Quartal 2015.

Investoren fragen sich zunehmend, wie Twitter jemals auf einen grünen Zweig kommen will. Der Rückzug Costolos wurde mit einem Kurssprung belohnt. Doch die Probleme des Netzwerks sind noch lange nicht behoben.

Klimasignal von den G7-Staaten

Greenpeace Aktivisten projizieren den Slogan "G7 100% Erneuerbare Energien" auf eine Bergwand in den Alpen
Greenpeace Aktivisten projizieren den Slogan "G7 100% Erneuerbare Energien" auf eine Bergwand in den Alpen - Foto: dpa

Umweltverbände rücken zu G7-Gipfeln normalerweise zum Protestieren an. Auch beim Treffen in Elmau war beispielsweise Greenpeace vor Ort, um für eine klimafreundliche Energiepolitik zu demonstrieren. Lob für die Staats- und Regierungschefs war nicht unbedingt zu erwarten. Doch diesmal war alles anders: „Elmau hat geliefert“, kommentierte Greenpeace-Energieexperte Tobias Münchmeyer die Klimabeschlüsse. „Die Vision einer globalen Energiewende hin zu 100 Prozent Erneuerbaren hat heute deutlich Konturen gewonnen. Mit ihren Beschlüssen stimmen die G7 endgültig den Abgesang auf die Kohle an.“ Auch andere Umweltverbände waren des Lobes voll.

Die G7-Staaten haben sich zu einer kompletten Abkehr von Kohle, Öl und Gas bekannt. Bis Mitte 2050 soll die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien gelingen. "Wir wissen, dass wir im Laufe des Jahrhunderts eine Dekarbonisierung brauchen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Ende des Treffens. Das war so nicht zu erwarten. Vor allem Kanada und Japan galten im Vorfeld der Konferenz als Bremser.

Mit dem gemeinsamen Beschluss senden die G7 nun ein starkes Signal an die Klimakonferenz im Dezember in Paris. Dort wird ein neuer Anlauf für ein weltweites Klimaabkommen unternommen. Bei solchen Treffen sind bekanntlich schon manche Vorhaben gescheitert.


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