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Equal Pay Day am falschen Datum

, Capital-Redaktion

Die Unstatistik bringt die Wahrheit hinter den Zahlen ans Tageslicht. Diesmal: Warum der Equal Pay Day am falschen Tag stattfand

Hosentasche © Capital
Frauen haben weniger Geld in der Tasche, aber die Zahl von 22 Prozent ist nicht richtig

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. 
Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de. Jüngst erschienen im Campus Verlag ist das Buch „Warum dick nicht doof macht und Genmais nicht tötet - Über Risiken und Nebenwirkungen der Unstatistik“


Am 19. März fand in diesem Jahr der „Equal Pay Day“ statt. Warum an diesem Tag? „Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts verdienten Frauen im Jahr 2014 durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als Männer. Rechnet man den Prozentwert in Tage um, arbeiten Frauen 79 Tage, vom 1. Januar bis zum 19. März 2016, umsonst“, steht auf der Webseite der Initiative.

Die Unstatistiker halten die dahinterstehenden Überlegungen für falsch. „In gegebenen Berufen verdienen Frauen nicht 22 Prozent, sondern um die fünf Prozent weniger als Männer“, argumentieren sie. Die 22 Prozent resultierten vor allem daraus, dass Frauen häufiger in schlecht bezahlten Berufen und in Teilzeit arbeiteten. Ein Unterschied von fünf Prozent sei zwar „gleichfalls ungerecht, aber weit weniger extrem“.

Bekannter Fehler

Das Datum 19. März bleibe aber auch falsch, wenn man die 22 Prozent Minderverdienst als korrekt akzeptiere. „Denn dann müssten Frauen nicht 22 Prozent, sondern 27 Prozent länger arbeiten, um das Einkommen der Männer zu erreichen“, heißt es in der Unstatistik. 27 Prozent der durchschnittlich 220 Arbeitstage eines Jahres würden erst am 4. April erreicht, wobei zwei Urlaubstage pro Monat eingerechnet sind. Die Deutsche Mathematiker-Vereinigung (DMV) wies bereits vor Jahren auf die falsche Berechnung hin – allein es half nichts. An einem extremen Beispiel erläutert die Unstatistik den Fehler: „Wenn ein Mann 100 Euro am Tag verdient und eine Frau nur 50 Euro, dann muss die Frau nicht einen halben, sondern einen ganzen Tag länger arbeiten, um auf den gleichen Verdienst zu kommen.“

Ohne die beiden Fehler – also bei einem Minderverdienst von fünf Prozent – wäre der „Equal Pay Day 2016“ übrigens auf den 20. Januar gefallen.


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