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Eon mit traurigem Negativrekord

, Kai Beller

Der Energiekonzern verbucht einen Rekordverlust von 7. Mrd. Euro. Außerdem: BMW-Höhenflug und VW-Skandal

Eon: ganz tief unten

Eon-Chef Johannes Teyssen
Schlechte Zahlen, düstere Aussichten: Eon-Chef Johannes Teyssen hofft auf die Aufspaltung - Foto: Getty Images

Die großen deutschen Energiekonzerne bereiten ihren Anteilseignern momentan nur Verdruss. Nach den Hiobsbotschaften von RWE war in dieser Woche Konkurrent Eon an der Reihe. Es war nichts Gutes zu erwarten, doch es kam noch schlimmer. Eon-Chef Johannes Teyssen gab einen Nettoverlust von 7 Mrd. Euro für 2015 bekannt. Der Rekordverlust kam vor allem durch Abschreibungen auf Gas- und Kohlekraftwerke zustande, die unter dem Rückgang der Stom-Großhandelspreise leiden.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht. „Nach zwei Monaten im neuen Geschäftsjahr ist erkennbar, dass sich unser Marktumfeld weiter eingetrübt hat“, sagte Teyssen auf der Bilanz-PK seines Konzerns. Der Konzernchef setzt nun seine ganze Hoffnung auf die geplante Aufspaltung des Unternehmens. „Es ist richtig, die Geschäfte jetzt zu trennen und die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich die Unternehmen entlang eigener Strategien weiterentwickeln können“, sagte der Eon-Chef.

Unter dem Namen Eon soll künftig das wachsende Ökostromgeschäft gebündelt werden. Die konventionelle Energieerzeugung übernimmt eine neue Gesellschaft mit dem Namen Uniper. Angesichts der von Teyssen beschriebenen Marktlage ist jedoch fraglich, warum das konventionelle Energiegeschäft bei Uniper besser laufen soll. Teyssen nannte die Wasserkraft als möglichen Wachstumszweig für das neue Unternehmen.

Um die Aktionäre bei Laune zu halten, zahlt Eon eine Dividende von 50 Cent je Anteilsschein. Doch Teyssen deutete an, dass die Ausschüttung angesichts der schwierigen Lage auf dem Prüfstand stehe. Konkurrent RWE hat die Dividende bereits gestrichen.

BMW: Ende einer Rekordfahrt?

BMW-Feier zum 100. Geburtstag
Mit Pomp zelebrierte BMW in dieser Woche seinen 100. Geburtstag - Foto: BMW Group

Sorgen um ihre Dividende müssen sich BMW-Anteilseigner momentan nicht machen. 3,20 Euro je Aktie schüttet der Autobauer für 2015 an seine Aktionäre aus – 30 Cent mehr als im Vorjahr. Aber selbst das halten einige Analysten für nicht ausreichend. Der Konzern kann es sich offenbar leisten, denn mit einem Nettogewinn von rund 6,4 Mrd. Euro stehen die Bayern außerordentlich gut da. Nicht nur beim Gewinn auch beim Umsatz und beim Absatz erzielte BMW 2015 Rekordwerte.

BMW behauptete sich damit als Nummer eins unter den deutschen Premiumherstellern vor Daimler und Audi. Trotzdem wird die Luft dünner für den Autobauer. BMW-Chef Harald Krüger prognostiziert für dieses Jahr nur noch leichte Zuwächse, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

Und Daimler hat den Abstand im letzten Jahr schon verringert. Bei der Umsatzrendite ist der Stuttgarter Konzern den Münchnern sogar schon voraus. Bremst Daimler BMW in diesem Jahr aus? Das will der Branchenprimus unbedingt verhindern, wird doch in diesem Jahr der 100. Geburtstag gefeiert. Das Rennen verspricht spannend zu werden.

Noch besteht die alte Reihenfolge: Im Februar verkaufte BMW rund 143.400 Fahrzeuge seiner Stammmarke. Daimler setzte im gleichen Zeitraum 133.800 Mercedes-Fahrzeuge ab. Auf dem dritten Rang folgt Audi mit 126.500 Autos.

VW: Warum geht Michael Horn?

Michael Horn
"We totally screwed up": Mit diesem Eingeständnis wird Michael Horn wohl immer in Verbindung gebracht werden - Foto: Getty Images

Michael Horn war das Gesicht der VW-Krise – zumindest galt das für die ersten Tage nach Bekanntwerden des Abgasskandals. Der Chef der US-Tochter des Wolfsburger Konzerns trat als erster Unternehmensvertreter ins Rampenlicht, um sich für den Einbau der Manipulationssoftware in Dieselmotoren zu entschuldigen. Horn war es auch, der sich den scharfen Fragen der US-Abgeordneten im Kongress stellte. Auch hier entschuldigte er sich und wies die Verantwortung Software-Ingenieuren des Unternehmens zu.

Man kann also sagen, dass er die Drecksarbeit für den Vorstand im fernen Wolfsburg erledigt hat. Jetzt tritt er plötzlich von seinem Posten zurück – in gegenseitigem Einvernehmen, wie es hieß. Horn wolle sich anderen Aufgaben widmen, teilte der Konzern mit. Kein Wort zu den Gründen des Rückzugs. War es ein Rauswurf? Horn war bereits im Frühjahr 2014 über die Abgasprobleme bei Dieselfahrzeugen informiert, Alarm hat er offenkundig nicht geschlagen.

Oder geht der US-Statthalter freiwillig, weil ihm mit Hinrich Woebcken ein früherer BMW-Manager vor die Nase gesetzt wird? Woebcken ist ab April für die Region USA, Kanada und Mexiko zuständig. Jetzt wird er interimsmäßig auch noch Horns Aufgaben übernehmen.

Gar nicht begeistert von dem Personalwechsel sind die VW-Händler in den USA, die Horns abrupten Abgang als schweren Schlag für VW bezeichneten. Mit „brutaler Ehrlichkeit“ habe der VW-Manager das Vertrauen der Händler gewonnen, schreibt die FAZ unter Berufung auf eine Stellungnahme des National Dealer Advisory Councils. Ein Vertrauen, dass sie dem Vorstand in Wolfsburg nicht entgegenbringen.

Die Demission Horns war nicht die einzige schlechte Nachricht im Zusammenhang mit dem Dieselskandal. So wurde in dieser Woche bekannt, dass die US-Justiz wegen des Verdachts auf Bankbetrug und mögliche Steuervergehen gegen VW ermittelt. Außerdem soll die Schummelsoftware Ende 2014 oder Anfang 2015 sogar noch einmal optimiert worden sein. Dadurch habe die Software noch besser erkennen können, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand oder der Straße befunden habe. Es gibt noch viel aufzuklären in der Affäre.


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