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Tipps für schüchterne Führungskräfte

, Susanne Hake

Charisma und Extrovertiertheit sind von gestern. Auch Schüchterne haben das Zeug zur Führungskraft. Von Susanne Hake

Führungskraft © Getty Images
Führungskräfte brauchen heute kein charismatisches Auftreten mehr

Susanne Hake kombiniert langjährige Berufserfahrung aus Werbung, Körperpsychotherapie und Spielfilmregie. 2008 entwickelte ein ganzheitliches Coachings- und Trainingsprogramm, speziell für Menschen mit Selbstmarketing-Blockade. Ihr Buch „Selbstmarketing für Schüchterne“ ist im Redline Verlag erschienen

Susanne Hake kombiniert langjährige Berufserfahrung aus Werbung (McCann-Erickson, TBWA), Körperpsychotherapie und Spielfilmregie (ARD, ZDF, SAT.1). 2008 entwickelte sie ein ganzheitliches Coachings- und Trainingsprogramm, speziell für Führungskräfte mit Selbstmarketing-Blockade.


1. Vergessen Sie Charisma

Neue Studien (von Connson Chou Locke von der London School of Economics) zeigen, dass Charaktereigenschaften der Führungskräfte so gut wie nichts mit dem wirtschaftlichen Erfolg der jeweiligen Unternehmen zu tun haben. Der amerikanische Managementberater Peter Drucker schreibt sogar, dass die effektivsten Führungskräfte, die er kennen gelernt hat, nur eine Gemeinsamkeit haben: „Sie hatten wenig oder gar kein 'Charisma' und wenig Verwendung sowohl für dieses Wort als auch für das, was es bedeutet.“

Überlassen Sie den Glamour also den Schauspielern, ziehen Sie sich trotzdem ordentlich an und kümmern Sie sich um Wichtigeres. Zum Beispiel um Ihre schon durch Fingerabdrücke wissenschaftlich nachweisbare Einzigartigkeit, speziell den verwertbaren Teil davon. Beginnen Sie mit der Bestandaufnahme: Was sind Ihre offiziellen Geschichten, diejenigen, die Sie zum Teil sogar dokumentieren können (z.B. Zeugnisse, Referenzen, Jugendschwimmschein)? Was sind Ihre inoffiziellen Geschichten? Die, die sie am liebsten verheimlichen würden. Was für Schwächen haben Sie überwunden? Was haben Sie daraus gelernt? Gerade in diesen inoffiziellen Geschichten steckt viel Kraft. Und nun: Was sind Ihre wahren Stärken, Talente und Gaben? Womit können Sie anderen Menschen und Organisationen dienen?

Fazit: Ein moderner Chef ist ein Coach, kein Charismatiker. Führung bedeutet heute Dienstleistung für ein Unternehmen und die Mitmenschen. Die Zeit für Egozentriker ist abgelaufen.

2. Gestalten Sie Ihre Vision

Introvertierte reagieren, nach Studien des englischen Psychologen Jeffrey A. Gray, eher bestrafungsvermeidungsorientiert als belohnungsorientiert. Die Forscherin Debra Johnson stellte fest, dass die Gehirne introvertierter Menschen genau in den Regionen mehr durchblutet werden, in denen erinnert, gedacht und geplant wird.  Extravertierte hingegen denken zwar auch, sind aber mehr an äußerlichen Reizen interessiert als Introvertierte.

Wie können sich Schüchterne, viele davon sind introvertiert, also mit eigenen Zielen motivieren?  Indem sie sich mehr Zeit dafür nehmen und nicht nur die üblichen Techniken anwenden, solche Ziele überhaupt zu finden. Neben den herkömmlichen Methoden zur Entwicklung einer eigenen Vision gibt es zum Beispiel auch die „Authentisches-Jammern“-Technik, die „Sau-raus“-Methode und eher abgehobene Vorgehensweisen.

Eine eigene Vision muss nicht ein Bild sein, wie der Begriff suggeriert. Vielleicht haben Sie andere sinnliche Eindrücke (Fühlen, Hören, Schmecken, Riechen) oder einen Wert, ein Wort, das Ihnen viel bedeutet. Finden Sie Ihre Version von Vision, brechen Sie diese herunter in Ziele und Handlungsschritte. Handeln Sie dann in diese Richtung.

Fazit: Finden Sie heraus, für was Sie stehen. Leben Sie Ihre Vision, zumindest Details davon, schon jetzt. Orientieren Sie sich an dem, was Ihnen wirklich wichtig ist, und eine von Ihnen mitgestaltete Zukunft kommt Ihnen entgegen.

3. Lieben Sie Ihre Gegenwart

Schüchterne Menschen grübeln oft darüber, was andere Menschen über sie denken. Das führt zu unnötigen Schamgefühlen, Vereinzelung und Konfliktvermeidung. In Führungspositionen geht es aber oft auch um zunächst unpopuläre Entscheidungen und die Fähigkeit, Konflikte zu lösen. Das lässt sich lernen.

Hier liegt einer der wichtigsten Hebel für Führungskompetenz: beobachten Sie Ihre Gedanken, werden Sie mit Ihren Ängsten vertraut. (Wirklich ausgewachsene Sozialphobien, davon schreibe ich hier nicht, gehören in ärztliche Behandlung.) Wenn ein unnötig negativer Gedanke auftaucht, sagen Sie sich „Stopp“, visualisieren Sie sich das entsprechende Verkehrsschild und denken Sie dann umgehend an etwas anderes. Etwas Angenehmes oder Neutrales, das sich jetzt in Ihrem Umfeld befindet. Oder einfach an den Weltmeister-Torschuss von Mario Götze.

Spüren Sie Ihren Körper, er ist immer in der Gegenwart. Geben Sie ihm Sauerstoff, Bewegung und Liebe. Ihr Körper und der persönliche Raum um ihn herum, wird so zu Ihrer mobilen Komfortzone, die sie begleitet, in welche Lernzone sie sich auch hineinbewegen.

Fazit: Den eigenen inneren Dialog beobachten. Klarheit in der Kommunikation und den souveränen Umgang mit Konflikten lernen. Es werden sich neue Möglichkeiten eröffnen. Nutzen Sie Ihre unaufhaltsame Karriere für Ihre persönliche Entwicklung.


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