• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Wochenrückblick

Die Rettung des Garantiezinses

, Kai Beller

Die Bundesregierung schafft den Garantiezins für Lebensversicherungen doch nicht ab. Außerdem: Rocket Internet und Argentinien

Kehrtwende beim Garantiezins

Ein Mann tippt auf ein Smartphone
Viel Rechnerei: Der Garantiezins macht die klassische Lebensversicherung aber nicht unbedingt attraktiver - Foto: Getty Images

Das Ende des Garantiezinses für Lebensversicherungen schien eigentlich schon festzustehen. Zum 1. Januar sollte der garantierte Maximalzins von zurzeit 1,25 Prozent abgeschafft werden. Doch jetzt macht die Bundesregierung einen Rückzieher. Die Pläne seien vom Tisch, hieß es im Bundesfinanzministerium. Im kommenden Jahr werde nun geprüft, ob der Garantiezins an die Marktgegebenheiten angepasst werden müsse.

Ob der sogenannte Höchstrechnungszins eventuell doch abgeschafft werden soll, entscheidet sich nun bei den Beratungen über das Lebensversicherungsreformgesetz, das für 2018 vorgesehen ist. Der Garantiezins soll die Versicherer davon abhalten, ihren Kunden Zinsen in einer Höhe anzubieten, die sie später selbst in Schwierigkeiten bringen könnten. Wegen der niedrigen Zinsen haben viele Gesellschaften Probleme, das Geld der Versicherten gewinnbringend anzulegen.

Gegen die Abschaffung hatte es Widerstand in der Versicherungsbranche und in der Union gegeben. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft begrüßte daher den Rückzieher: „Die Fortschreibung der Verordnung zum Höchstrechnungszins ist insbesondere mit Blick auf Solvency II sachgerecht”, sagte Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth. Und auch Verbraucherschützer lobten die Entscheidung. Der Garantiezins sorge wenigstens ein bisschen Transparenz bei Lebensversicherungen, sagte Axel Kleinlein von Bund der Versicherten.

Mit Solvency II ändern sich zum Jahreswechsel die Spielregeln für die Lebensversicherer. Sie müssen ihre Policen dann stärker mit Kapital unterlegen. Das Zinsversprechen sollte dadurch überflüssig werden. So hatte auch das Finanzministerium bislang argumentiert.

Der Garantiezins ist im Zuge der Niedrigzinsphase von einst vier Prozent auf den jetzigen Wert gesunken. Vier Prozent bekam man bis ins Jahr 2000. Danach ging es schrittweise abwärts. Die zurzeit niedrige Zinsgarantie taugt kaum noch als Verkaufsargument. Viele Versicherer ziehen sich aus dem Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen zurück und bieten stattdessen Produkte an, die für die Kunden höhere Risiken mit sich bringen.

Zeitenwende in Argentinien

Argentiniens Flagge
Argentinien: Der neue Präsident Macri löst ein Wahlversprechen ein

Der neue argentinische Präsident Mauricio Macri hat kurz nach seinem Amtsantritt ein zentrales Wahlversprechen eingelöst: Er gab den Devisenhandel wieder frei. Damit dürfen die Argentinier unbegrenzt US-Dollar kaufen, was unter Macris Vorgängerin Cristina Fernandez Kirchner nicht möglich war. Unter ihrer Präsidentschaft wurden 2011 Kapitalkontrollen eingeführt, um Kapitalflucht und Steuerhinterziehung zu stoppen. 2000 Dollar durften die Argentinier monatlich erwerben.

Ihre Ziele hat Kirchner mit den Kapitalkontrollen nicht erreicht. Denn eigentlich wollte sie die Devisenreserven der Zentralbank abschotten. Doch diese sind stattdessen auf weniger als 25 Mrd. Dollar zusammengeschmolzen.

Der liberale Macri will mit der Freigabe, den Export ankurbeln und ausländische Investoren ins Land locken. „Wer importieren will, kann es tun und wer Dollar kaufen will, wird in der Lage sein , sie zu kaufen“, wird Finanzminister Alfonso Prat-Gay zitiert. Die neue Regierung erhofft sich von der Freigabe eine Belebung der argentinischen Wirtschaft.

Nach der Freigabe verlor der argentinische Peso gut 30 Prozent zum Dollar. 1 Dollar kostete damit fast 14 Peso. Zu solchen Kursen war die US-Währung auf dem Schwarzmarkt gehandelt worden. Der offizielle Kurs lag bei gut 10 Peso für 1 Dollar. Für die Argentinier hat die Abwertung aber auch unerfreuliche Nebenwirkungen: Die Lebenshaltungskosten steigen.

Zweifel an Rocket Internet

Rocket-Internet-Zentrale in Berlin
Rocket Internet: Bei Anlegern wachsen die Zweifel - Foto: Rocket Internet

Was ist bei der deutschen Start-up-Schmiede Rocket Internet los? Das Unternehmen gab am Mittwoch bekannt, dass sich das Wachstum der 13 wichtigsten Beteiligungen verlangsamt habe. Unternehmen wie der Möbelhändler Home24, der Essenslieferdienst Delivery Hero, und der Kochbox-Anbieter Hello Fresh schreiben rote Zahlen. Die beiden letztgenannten häuften in den ersten neun Monaten dieses Jahres einen bereinigten Betriebsverlust von 122 Mio. Euro an.

Die Rocket-Aktie gab am Donnerstag drei Prozent nach. Sie hat den Investoren in diesem Jahr viel Verdruss gebracht. Seit Jahresbeginn verlor das Papier 45 Prozent, derzeit ist die Aktie nur noch etwas mehr als 28 Euro wert.

Rocket Internet Aktie

Rocket Internet Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Anleger misstrauen offenbar den Ankündigungen von Rocket-Chef Oliver Samwer, der drei „Proven Winner“ bis Ende 2017 aus den roten Zahlen bringen will. Einer der Gewinner soll in den nächsten 18 Monaten an die Börse gebracht werden. Dabei könnte es sich um das Jungunternehmen Hello Fresh handeln, dessen erster IPO-Versuch angeblich am Widerstand des Großaktionärs Kinnevik gescheitert war.

Auch wenn Rocket ein Zerwürfnis mit Kinnevik dementiert, ist es bemerkenswert, dass Kinnevik-Chef Lorenzo Grabau den Aufsichtsratsvorsitz abgibt. Stattdessen übernimmt mit Marcus Englert ein Vertrauter Samwers den Posten. Zumindest aus dieser Richtung droht dann kein Gegenwind mehr.


Artikel zum Thema
Autor
  • Wochenrückblick
Microsoft vernetzt sich mit Linkedin

Der Softwarekonzern will mit dem Karrierenetzwerk weiter wachsen. Außerdem: Kuka-Offerte, Siemens-Übernahme und Bahn-RücktrittMEHR

  • Wochenrückblick
Die Bundesliga wird Milliardärin

Mit dem neuen Medienvertrag stößt die Fußball-Bundesliga in neue Dimensionen vor. Außerdem: Eon und Rocket Internet.MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.