• Facebook
  • Twitter
  • Google Plus
  • Wochenrückblick

Deutsche Bank im Stress

, Kai Beller

Die Deutsche Bank weist einen Rekordverlust aus, Besserung ist nicht in Sicht. Außerdem: Chefwechsel bei Adidas und Sorgen ums Öl

Bedrohliche Schieflage

Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt
Deutsche Bank-Zentrale in Frankfurt: Das Geldhaus steckt tief in den roten Zahlen - Foto: Getty Images

Die dunklen Wolken über der Deutschen Bank wollen sich einfach nicht verziehen. Auch unter dem neuen Chef John Cryan kann sich das größte deutsche Kreditinstitut nicht aus seinem Tief befreien. Am Mittwoch gab die Bank einen Rekordverlust von 6,7 Mrd. Euro für 2015 bekannt. So tief steckte die Deutsche Bank noch nie in ihrer Geschichte in den Miesen. Nicht einmal während der Finanzkrise 2008 schnitt das Geldhaus so schlecht ab.

Die Gründe für die Schieflage sind bekannt. Seit Jahren muss die Bank für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten Rückstellungen bilden. Auch Cryan musste wie schon seine Vorgänger die Summe weiter aufstocken: 5,2 Mrd. Euro stehen für die Bewältigung der skandalträchtigen Vergangenheit zur Verfügung, 1 Mrd. mehr als zuvor.

Auch der von Cryan initiierte Umbau lastet auf der Bilanz. Der Abbau von 9000 Stellen kostet zunächst einmal Geld. Das hatte die Bank-Spitze in Kauf genommen, denn sie will sich gesundschrumpfen. Cryan zeigte sich weiterhin überzeugt, dass seine Strategie der richtige Weg ist. Nach der Rosskur werde die Bank eine starke, effiziente und gut geführte Institution sein. Doch bis dahin ist es noch ein weiter und schwieriger Weg. Dass jetzt auch noch das Tagesgeschäft mit Privatkunden und im Investmentbanking schwächelt, macht die Aufgabe nicht leichter.

Investoren verlieren langsam das Vertrauen: Am Donnerstag brach die Aktie zwischenzeitlich um fast zehn Prozent ein. Zum Handelsschluss notierte sie immer noch mit 3,7 Prozent im Minus und war damit der schwächste Wert im Dax.

Deutsche Bank Aktie

Deutsche Bank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Stühlerücken bei Adidas und Henkel

Kasper Rorsted
Henkel-Chef Kasper Rorsted geht zum Sportausrüster Adidas - Foto: Getty Images

Kasper Rorsted ist ein erfolgreicher Manager. In seinen acht Jahren an der Spitze des Konsumgüterherstellers Henkel hat sich der Börsenwert des Düsseldorfer Konzerns verdreifacht. Jetzt soll Rorsted einem anderen Dax-Konzern zu einem Höhenflug verhelfen: Der 53-jährige Däne löst im Herbst Herbert Hainer als Vorstandschef von Europas größtem Sportartikelhersteller Adidas. Hainer geht damit ein halbes Jahr früher als geplant.

Gerne lässt Henkel Rorsted nicht ziehen. „Kasper Rorsted hat für Henkel sehr viel erreicht. Unter seiner Führung hat sich das Unternehmen seit 2008 in einem schwierigen Marktumfeld sehr erfolgreich entwickelt“, sagte die Aufsichtsratsvorsitzende Simone Bagel-Trah. Auch die Anleger hätten Rorsted gerne weiter bei Henkel gesehen. Die Aktie knickte ein, als der Wechsel bekannt wurde.

Dagegen machte das Adidas-Papier einen Satz nach oben. Rorsted wird offenbar zugetraut, die Probleme des Sportausrüsters zu lösen. Der scheidende Konzernchef Hainer hat zwar zuletzt wieder gute Zahlen vorgelegt, trotzdem hat Adidas gegenüber der weltweiten Nummer eins Nike an Boden verloren. Vor allem auf dem wichtigen US-Markt kommt Adidas nicht gegen den Branchenprimus an. Von seiner Golfsparte will sich das Unternehmen trennen, weil das Geschäft nicht mehr läuft. Und in Russland kämpft Adidas mit der Wirtschaftskrise und dem Rubelverfall.

Auch Henkel hat Probleme in Russland. Um die wird sich in Zukunft Hans Van Bylen kümmern. Henkel entschied sich damit für eine interne Lösung, denn der Belgier war bisher im Vorstand für die Kosmetiksparte zuständig.

Die Ölschwemme

Ölpumpe
Überproduktion: Die Welt schwimmt im Öl, der Preis verfällt

An den Märkten ging es in dieser Woche wieder drunter und drüber. Diesmal war es vor allem der Ölpreis, der die Investoren nervös machte. Mitte der Woche fiel der Preis für ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI unter die Marke von 27 Dollar. Zudem warnte die Internationalen Energie-Agentur (IEA) davor, dass die Ölmärkte in diesem Jahr „im Überangebot ertrinken“ könnten.

Der niedrige Ölpreis wird an den Finanzmärkten mittlerweile nicht mehr als Konjunkturstütze wahrgenommen. EZB-Präsident Mario Draghi sieht die Gefahr einer Deflationsspirale, sollten die fallenden Preise beim Öl auf andere Güter überspringen. Das sei zwar noch nicht der Fall, aber „wir müssen sehr wachsam sein“, sagte Draghi.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) ist alarmiert. Er senkte am Dienstag seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft von 3,4 Prozent auf 3,1 Prozent. Sorgen bereiten dem IWF in erster Linie die schwächelnden Schwellenländer – allen voran Brasilien und China – sowie die Ölförderländer. Für Saudi-Arabien senkte der Fonds seine Vorhersage um einen Prozentpunkt: Die Wirtschaft in dem weltweit größten Ölförderland werde 2016 und 2017 nur noch um ein bis knapp zwei Prozent wachsen.

Der Dax rutschte Mitte der Woche unter die Marke von 9400 Punkten. Danach ging es aber wieder bergauf, weil ein Kälteeinbruch in Amerika und Europa Hoffnungen auf eine wachsende Ölnachfrage nährte. Aber wie nachhaltig ist dieser Preisanstieg angesichts der weltweiten Überproduktion? Die Tanklager sind bis oben hin voll und mit dem Iran kehrt noch ein weiterer Ölproduzent nach Aufhebung der Wirtschaftssanktionen auf den Markt zurück.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Hoffnungen der Investoren ruhen aber nicht nur auf dem Öl, sondern auch auf der Geldpolitik. Angesichts der Warnungen von EZB-Chef Draghi erwarten viele Marktteilnehmer, dass die Notenbank bereits im Frühjahr neue Milliarden in den Markt pumpen wird, um das Deflationsrisiko einzudämmen. Und auch die Bank of Japan denkt über eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik nach. Es sind also wieder einmal die Notenbanken, die die Finanzmärkte stützen.


Artikel zum Thema
Autor
  • Wochenrückblick
Microsoft vernetzt sich mit Linkedin

Der Softwarekonzern will mit dem Karrierenetzwerk weiter wachsen. Außerdem: Kuka-Offerte, Siemens-Übernahme und Bahn-RücktrittMEHR

  • Wochenrückblick
Die Bundesliga wird Milliardärin

Mit dem neuen Medienvertrag stößt die Fußball-Bundesliga in neue Dimensionen vor. Außerdem: Eon und Rocket Internet.MEHR

LESERKOMMENTARE

 

Kommentare Einblenden

Datenschutz

Die Kommentarfunktion "Disqus" wird von der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Moderation

Die Kommentare werden von Capital moderiert. Das heißt, Kommentare werden von der Redaktion freigeschaltet. Kritik und auch in der Sache harte Diskussionen sind willkommen, Beleidigungen werden wir dagegen nicht zulassen. Näheres hierzu finden Sie in unserer Netiquette.