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„Der Trend-Look ist minimalistisch“

, Siems Luckwaldt

Michael Michalsky über den Dresscode-Knigge fürs Büro, die Trendfarbe schwarz und warum er Cowboystiefeln ein Revival gönnt.

Michael Michalsky © Michalsky by Dorothea Tuch
Michael Michalsky

Michael Michalsky arbeitete viele Jahre als Global Creative Director für Adidas und verantwortet seit 2005 den Relaunch der Marke MCM. Seine eigene Mode entwirft er für das Atelier Michalsky. Jetzt wurde der Hightech-Fan vom Düsseldorfer 3D-Technologieunternehmen DOOB Group zum Creative Director genannt.


Capital: Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Michalsky: Heutzutage gibt es zum Glück nicht mehr diese strengen Raster. Ein Bankangestellter kann mittlerweile statt förmlichem Anzug auch gepflegte Raw-Denim Jeans und Kaschmirpulli tragen. Ein Hoch auf die Individualität! Ich liebe sie und bin froh, dass sich die Menschen auch im Berufsalltag flexibler stylen können. Aber natürlich nur in einem gewissen Maß. Denn man sollte darauf achten dem Anlass entsprechend passend gekleidet zu sein. Stylish clean, in gedeckten Farben, auf gute Schnitte und Qualität achten und freitags auch mal casual tragen. Less is more.

Was sind Dos and Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

Da A und O des Dresscode-Knigges fürs Büro ist, dass man auf ein sauberes, adrettes Erscheinungsbild achtet und etwas trägt, das die Persönlichkeit positiv unterstreicht. So wirkt man auch gleich viel selbstbewusster und wird ernst genommen. Absolute No-Gos sind Flip Flops. Die haben im Office nichts verloren und gehören wenn überhaupt nur an den Strand. Außerdem gehen auch Shorts bei Männern oder zu kurze Röcke für Frauen nicht. Jeder kann in seiner Freizeit tragen was er möchte, im Büro sollte man sich dann doch noch etwas zügeln in Punkto Freizügigkeit und Styling.

Was sind die wichtigsten Trends der Saison für Businessmänner und -frauen?

Black is back! Und das kombiniert mit einem kleinen weißen Akzent, wie zum Beispiel einen Hemdkragen, der unter dem Pullover hervorblitzt. Insgesamt gesehen entwickelt sich die Mode aktuell immer noch in die monochrome, sehr klassische Richtung. Der Trend-Look ist minimalistisch, gerne schwarz-weiß und puristisch - preppy mit einem Schuss minimal. Trägt man(n) dazu einen camel-farbenen Mantel spielt er auch in der neuen Saison ganz oben mit in der Fashionliga.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Um für alle Anlässe und Lebenslagen stiltechnisch gewappnet zu sein, sollte man ein solides Fashion-Basic Fundament im Kleiderschrank zu haben. Ein Styling-Survival Kit mit dem nichts schief gehen kann! Dazu gehören die Strickkrawatte, ein cleanes T-Shirt in guter Qualität, ein Oxford Hemd in weiß oder hellblau, ein perfekt geschnittener Blazer, ein graues Sweatshirt und monochrom weiße Sneakers.

zum Bäcker "eher casual"

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Ich hoffe, dass Cowboystiefel endlich einmal wieder als Trendpiece zurückkommen. Das wäre doch mal was! Die sahen in den Achtzigern so cool zu Karottenjeans und Sportswear aus.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Der Begriff „Stilikone“ impliziert für mich, dass dieser Mensch über einen langen Zeitraum stilistisch sicher und wegweisend auftritt. So etwas gibt es sehr selten. Ganz sicher würde ich Karl Lagerfeld als Stilikone bezeichnen. Madonna würde mir einfallen. Und Marlene Dietrich.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf/das langlebigste Geschenk?

Eine wirklich große und langlebige Anschaffung war meine schwarze Lammfell Motocross Jacke von Hèrmes, die mich seit elf Jahren jeden Winter treu begleitet. Ich liebe diese Jacke und würde sie niemals hergeben, obwohl ich mich sonst sehr schnell von Kleidung trennen kann und auch regelmäßig in meinem Kleiderschrank aussortiere.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Es kommt darauf an wann ich am Abend zuvor ins Bett gekommen bin. Ich bin berufsbedingt viel unterwegs und oft erst spät zu Hause. Aber ich würde sagen, eher casual. Gerne auch in Trackpants, also Joggingshosen zum Beispiel aus Cashmere-Wollmix in grau oder schwarz. Dazu weiße Sneakers und ein lässiger Hoodie, fertig ist der cosy Weekend-Look.

barfuß im Lackschuh

Ihre größte Stilsünde war …?

Ein leuchtend blau und giftgrüner Wende-Trenchcoat von Fiorucci. Aber damals fand ich ihn gut, heute kaum zu glauben.

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online? Begründen Sie bitte Ihre Wahl.

Eigentlich überall. Ich mag außergewöhnliche Boutiquen und Konzeptstores wie Corso Como oder Colette genauso wie große innovative Kaufhäuser im Ausland, zum Beispiel Barney’s oder Selfridges. Aber gestehe gern, dass ich immer mehr online kaufe. Es ist super bequem, man hat eine unglaublich tolle und vielfältige Auswahl und ist nicht von Öffnungszeiten abhängig. Das finde ich sehr praktisch, gerade wenn man viel arbeitet und auch am Wochenende oftmals beruflich unterwegs ist, so wie ich.

Kurz & knapp: Krawatte oder Fliege?

Die Krawatte, am liebsten eine Strickkrawatte.

Rasur: trocken oder nass?

Echte Männer rasieren sich nass.

Anzug: Zwei- oder Einreiher?

Definitiv der Einreiher. Doppelreiher sehen offen getragen oft schwierig aus..

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Der Kaschmirmantel, eine Anschaffung fürs Leben.

Barfuß oder Lackschuh?

Wenn es geht barfuß am Strand ansonsten aber barfuß im Lackschuh. Das ist styling-technisch ganz wichtig!


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