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Der Mann, der China shortet

, Stephen Foley

Etliche Hedgefonds spekulieren auf eine Abwertung Pekings. Keiner tritt so selbstbewusst auf wie der Amerikaner Kyle Bass.

Kyle Bass beim Weltwirtschafstforum in Davos © Getty Images
Kyle Bass beim Weltwirtschafstforum in Davos

"Ich war zweimal in Peking. Ich muss da nicht nochmal hin", sagt Kyle Bass. "Ich hab´ kein Problem damit." Der Hedgefonds-Manager aus Dallas, der Subprime geshortet hat, mit Scharfschützengewehren schießt und mit Speeren auf Fischfang geht, hat keine Angst vor den chinesischen Behörden.

Er hat ein Jahrzehnt lang gezeigt, dass er so redet wie er investiert hat. Sein jüngster apokalyptischer Call ist, dass die kommunistische Regierung nicht genug Ressourcen hat, um eine Bankenkrise und eine scharfe Abwertung zu verhindern. Und wenn ihn das ins Zentrum der wütendsten Debatten an den Finanzmärkten stellt – na, dann ist das eben so.

"Wer auch immer in China investiert hat, sei es ein Pensionsfonds oder ein Staatsfonds oder eine große amerikanische oder europäische Institution, der sollte darüber nachdenken. Und zwar nicht mit der üblichen Verehrung, die China entgegengebracht wird", sagt Bass. "Jeder hat diesen Glauben, dass China jederzeit nach Belieben den dreifachen Salto mortale hinkriegen kann", sagt der ehemalige Kunstspringer. "Unsere Meinung ist, dass sie sich neu aufstellen müssen."

"China steht völlig mit dem Rücken zur Wand"

Bass ist beileibe nicht der einzige Hedgefonds-Manager, der auf eine chinesische Abwertung des Renminbi setzt. Als Peking den Spekulanten neulich einen Schuss vor den Bug verpassen wollte, da nahm es sich George Soros vor, der auf der Titelseite der regierungsabhängigen "Volkszeitung" angegriffen wurde. Mit einer Analyse für die Kunden seines 1,7 Mrd. Dollar schweren Hayman Capital-Fonds, die auf zwölf Seiten die chinesischen Banken, die Schattenbanken und die Zentralbank auseinandernimmt, hat Bass sich aber zur lautesten, forensischsten und farbigsten Stimme unter denen entwickelt, die eine erzwungene Abwertung Chinas erwarten.

"Was wir erleben ist die Korrektur des größten Makro-Ungleichgewichts, das die Welt je gesehen hat", schreibt er. Die Verluste der Banken könnten viermal so groß sein wie die während der Subprime-Krise in den USA. Die Zentralbank verfüge nicht über genug Reserven, um das Loch zu stopfen und ihre Währung zu verteidigen. "China steht völlig mit dem Rücken zur Wand", so Bass, das Land "steht am Abgrund einer starken Abwertung". Ökonomen und Pekinger Offizielle haben diese Analyse bestritten; Zhou Xiaochuan, der Chef der chinesischen Zentralbank, gab sogar eines seiner seltenen Interviews, um zu erklären, dass die Kapitalabflüsse Ausdruck einer Anpassung zu einem neuen Gleichgewicht seien, nicht etwa Kapitalflucht.

Das alles passt zu früheren Verlautbarungen von Bass: Seit der Großen Rezession hat er Staatsschuldenkrisen in Irland, Griechenland, Portugal, Spanien, UK, der Schweiz und Frankreich vorhergesagt. Er hat Japans Wirtschaft mit einem Schneeball-System verglichen. Nicht immer kommt das Armageddon tatsächlich - er räumt ein, dass er bei der Schweiz und den Briten falsch lag. Japan steht immer noch, auch wenn er durch die Abwertung des Yen dort am Ende Geld verdient hat. Haymans Gewinne waren, gemessen an den Branchengrößen, seit der Finanzkrise bescheiden, 2015 war nach den eigenen Worten von Bass eines der schlechtesten Jahre. Aber von seinen Prognosen sind genügend eingetreten, um ihn ernst zu nehmen. Der Manager eines Fonds von Hedgefonds sagt, wer bei Bass investiere, der finanziere gleichsam einen "Thinktank zu der Frage, wie man durch die Weltwirtschaft steuert".

Aufstieg eines Evangelisten

"Er ist ein wirklich smarter, unabhängiger Denker", sagt Daniel Loeb, der aktivistische Hedgefonds-Manager, der bei Bass investierte, als der 2005 Hayman gründete. "Vielleicht hat er das aus Texas, aber es gibt bei ihm so eine evangelistische Qualität: Er ist von seinen Analysen stark überzeugt, und es macht ihm gleichermaßen Spaß, zu recherchieren und seine Meinungen mitzuteilen."

Bass wurde 1969 in Florida geboren und wuchs in Dallas auf. Er verspürte immer einen brennenden Drang, aus dem Mittelschichtleben seiner Jugend aufzusteigen. "Mein Vater hat nie etwas gespart", sagt er. "Er war immer ein mittlerer Manager im Hotelgeschäft, und ich musste alles tun, was ich nur konnte, um mit Hilfe von Sport- und akademischen Stipendien durchs College zu kommen. Von dem Tag, an dem ich die Schule verlassen habe, habe ich immer mindestens 50 Cents von jedem verdienten Dollar gespart."

In den 1990ern mischte sich er sich unter die Hedgefonds-Szene, begann als einfacher Aktienbroker in der Dallas-Niederlassung von Bear Stearns, und schlug einer jungen Gruppe von Short-Sellern Ideen vor. Er identifizierte Aktien, die überbewertet, oder noch schlimmer, betrügerisch erschienen – von ostdeutschen Werften bis zu texanischen Hypothekenbanken.

"Recht haben macht eine Menge Spaß"

Als er schließlich genug Kapital beisammen hatte, um seinen eigenen Fonds zu eröffnen, fing er mit Wetten gegen Subprime-Hypotheken an, die seine Reputation begründeten. Er war nicht früh oder verrückt genug, um in dem Buch "The Big Short" von Michael Lewis vorzukommen. Aber Bass taucht in dessen Fortsetzung "Boomerang" auf, wo er den Autor Lewis auf seiner Ranch herumfährt. Und zwar in einem Hummer-Wagen, der bösartige Verfolger dadurch abschütteln kann, dass er James-Bond-mäßig Nägel ausspuckt.

Diese Ranch ist unter den "Alpha Males" der Hedgefonds-Branche legendär: Freunde treffen sich dort, um mit seiner Waffensammlung zu schießen ("es sind nicht mehr als 100 Stück" und alle sind beim Justizministerium registriert, sagt er). Er hatte auch schon verletzte Militärveteranen zu Gast. Jedes Jahr findet eine Ökonomie-Konferenz dort statt.

Derzeit teilt er seine Zeit auf zwischen Dallas, wo zwei Teenager aus seiner ersten Ehe leben, und San Francisco, der Heimat seiner Freundin Alexandra Suich, der US-Tech-Korrespondentin des "Economist". Es gibt auch Abstecher auf die Bahamas, wo er Speerfischen geht. "Das ist die zweitbeste Übung, um Kalorien zu verbrennen. Die beste ist schnelles Holzhacken." Peking steht nicht auf dem Programm.

"Recht gehabt zu haben ist die süßeste Trophäe, die man überhaupt gewinnen kann", sagt er und prognostiziert seinen Sieg bei der Wette gegen den Renminbi. "Wenn man zu einem Ergebnis kommt und man liegt am Ende richtig, dann zählt nicht nur das Geld. Es ist einfach so, dass Recht haben eine Menge Spaß macht."

Copyright The Financial Times Limited 2016


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