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Der 160-Milliarden-Dollar Steuerdeal

, Kai Beller

Die Pharmakonzerne Pfizer und Allergan tun sich zusammen - um Steuern zu sparen. Außerdem: Wincor-Nixdorf-Übernahme und Infineon

Pharma-Fusion mit Hintergedanken

Pfizer-Schild
Pfizer zieht es ins Niedrigsteuerland Irland - Foto: Getty Images

Das Jahr ist reich an Großfusionen. Der größte Deal war bislang die Elefantenhochzeit in der Bierbranche von AB Inbev und SAB Miller für mehr als 100 Mrd. Dollar. Die beiden Pharmakonzerne Pfizer und Allergan werden diese Summe locker in den Schatten stellen. 160 Mrd. Dollar will der amerikanische Viagra-Hersteller für den irischen Botox-Produzenten Allergan hinblättern.

Es ist eine Transaktion der Superlative, denn mit dem Zusammenschluss würde der größte Pharmakonzern der Welt entstehen. Und es wäre einer der größten Übernahmen der Geschichte. An der Spitze steht immer noch der Mannesmann-Kauf durch Vodafone für rund 200 Mrd. Dollar im Jahr 1999.

Die beiden Pharmaunternehmen wollen aber keine Rekorde aufstellen, sondern vor allem Steuern sparen. Deshalb wird der Konzernsitz in Irland sein, das mit seinen nach wie vor niedrigen Unternehmenssteuersätzen ausländische Firmen anlockt. Auch Allergan war ursprünglich ein US-Unternehmen, das erst vor einem halben Jahr von dem irischen Unternehmen Actavis übernommen worden war. Der Name Allergan blieb. Er soll auch nach dem Pfizer-Deal bleiben – allerdings nur kurzfristig. Das gemeinsame Unternehmen wird dann wieder in Pfizer umbenannt.

Die offensichtliche Steuerflucht des Pharmariesen wurde zum Thema im US-Präsidentschaftswahlkampf. Die demokratische Bewerberin Hillary Clinton sagte, sie werde gegen solche Praktiken vorgehen. Und Donald Trump von den Republikanern kritisierte die Umzugspläne als „widerlich“. Die beiden sind sonst selten einer Meinung.

Pfizer-Chef Ian Read sprach dagegen von einem großen Deal für Amerika. Er erlaube es Pfizer, seine Investitionen in den USA fortzusetzen.

Das Volumen des Deals kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Zusammenschluss aus der Not geboren ist. Generikahersteller machen Pfizer seit geraumer Zeit das Leben schwer. Zudem fehlt dem US-Konzern ein Medikament mit Blockbuster-Qualitäten.

Wincor Nixdorf wird geschluckt

Geldautomat von Wincor Nixdorf
Geldautomat von Wincor Nixdorf: Das Geschäft läuft nicht mehr so gut - Foto: Wincor Nixdorf

Noch eine Übernahme sorgte in dieser Woche zumindest in Deutschland für Schlagzeilen. Der Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf aus Paderborn geht an den amerikanischen Konkurrenten Diebold. Mit 1,8 Mrd. Euro ist das Volumen der Transaktion im Vergleich zur Großfusion in der Pharmabranche bescheiden.

Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen zum Branchenprimus NCR aufschließen. Der Zusammenschluss ist aber auch eine Folge der Krise beim Geschäft mit Geldautomaten. Da Bargeld in vielen Ländern keine so große Rolle mehr spielt, werden weniger Automaten benötigt. Bei Wincor Nixdorf brach der Gewinn dramatisch ein: 8 Mio. Euro blieben in dem im September zu Ende gegangenen Geschäftsjahr übrig. Im Jahr zuvor waren es noch mehr als 100 Mio. Euro gewesen. Die Unternehmen suchen nun nach anderen Erlösquellen, um die Rückgänge zu kompensieren.

Der Deal kommt nur zustande, wenn 67,6 Prozent der Wincor-Aktionäre die Diebold-Offerte annehmen. 52,50 Euro werden ihnen je Aktie geboten. Am Freitag wurde das Papier für etwas mehr als 48 Euro gehandelt.

Der Name von Computerpionier Heinz Nixdorf wird übrigens nicht verschwinden: Diebold Nixdorf soll das neue Unternehmen heißen.

Infineon demonstriert Stärke

Infineon-Standort Dresden
Infineon begeisterte seine Anleger - Foto: Infineon

Viel Freude bereitete die Infineon-Aktie den Anteilseignern am Donnerstag. Das Papier verteuerte sich um mehr als 14 Prozent. Gründe für den Freudensprung waren sehr gute Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr und ein Ausblick, den ein Analyst als enthusiastisch beschrieb. Und auch das Unternehmen selbst präsentiert sich kraftstrotzend: „Wir fühlen uns stark“, sagte Infineon-Chef Reinhard Ploss.

Der Chip-Hersteller profitiert vor allem von seinem Geschäft mit Halbleitern für die Autobranche. Wegen des Trends zum vernetzten Auto wird die Sparte immer wichtiger für das Unternehmen. Schon jetzt trägt das Auto-Geschäft 40 Prozent zum Gesamterlös bei. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr auch wegen der Übernahme des US-Unternehmens International Rectifier um gut 34 Prozent auf knapp 5,8 Mrd. Euro. Der Konzerngewinn legte um 18 Prozent auf 634 Mio. Euro zu.

Auch 2016 werde ein gutes Jahr für Infineon, verspricht Konzernchef Ploss. „Im aktuellen Geschäftsjahr 2016 werden wir Umsatz, Ergebnis und Marge weiter steigern“, sagte er. Und auch die Aktionäre dürfen sich über so viel Optimismus freuen, denn ihnen wird eine Dividende von 20 Cent je Aktie in Aussicht gestellt – 2 Cent mehr als bislang vorgesehen.

Infineon Aktie

Infineon Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

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