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  • Wochenrückblick

Börsen behalten die Nerven

, Kai Beller

Die Geldpolitik bewegt die Märkte mehr als die Anschläge in Paris. Außerdem: Fusion unter Genossen und Thyssenkrupp

Der Schock bleibt aus

Händler vor Anzeigentafel an der Frankfurter Börse
Die Börsen können die Terroranschläge in Paris gut verkraften - Foto: Deutsche Börse AG

Wer nach den verheerenden Terroranschlägen von Paris mit heftigen Börsenturbulenzen gerechnet hatte, sah sich getäuscht. Zu Wochenbeginn blieb es ruhig an den Finanzmärkten. Nur Luftfahrt- und Touristiktitel mussten Abschläge hinnehmen, weil Investoren mit Stornierungen nach den Attacken der Islamisten rechnen. Der Goldpreis machte einen kleinen Sprung nach oben.

Aber das waren auch schon die auffälligsten Ausschläge. Offenbar erwartet an den Börsen niemand, dass die Anschläge größere Auswirkungen auf die Konjunktur haben werden. Berenberg-Bank-Chefvolkswirt Holger Schmieding erinnerte daran, dass auch die Terrorattacken in Madrid 2004 und London 2005 die Wirtschaft nicht negativ beeinflusst hätten.

Dass es trotzdem zu Bewegung an den Finanzmärkten kam, war der Geldpolitik zu verdanken. In Erwartung höherer Zinsen in den USA und einer weiteren Lockerung der EZB-Geldpolitik stieg der Dax am Donnerstag über die Marke von 11.000 Punkten. Die Verluste durch das Börsenbeben im Sommer sind damit nahezu wettgemacht.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

Die Zinswende in den USA wird wohl im Dezember kommen. Den stärksten Hinweis dafür lieferten die am Mittwoch veröffentlichten Sitzungsprotokolle der US-Notenbank. Vieles deutet auf eine Zinsanhebung noch in diesem Jahr hin, von weiteren Zinsschritten wird die Fed aber wohl Abstand nehmen. Also bleibt es auch in den USA bei niedrigen Leitzinsen, was wiederum die Investoren beruhigt.

EZB-Chef Mario Draghi machte deutlich, dass er wegen der anhaltend niedrigen Inflation bereit ist, die Geldschleusen weiter zu öffnen. „Wir werden das tun, was wir machen müssen, um die Inflation so schnell wie möglich zu erhöhen“, sagte er auf einem Bankenkongress in Frankfurt. Bisher hat das Anleihenkaufprogramm der Notenbank noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Die Inflationsrate ist weit von den angestrebten zwei Prozent entfernt. Das Programm habe aber Gestaltungsmöglichkeiten, die eine noch expansivere Geldpolitik ermögliche.

Fusion unter Genossen

DZ Bank
Die DZ Bank in Frankfurt ist das größere der beiden genossenschaftlichen Finanzinstitute - Foto: DZ Bank

„Es wächst zusammen, was zusammen gehört“, sagte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch. Doch die Verschmelzung der genossenschaftlichen Spitzeninstitute DZ Bank und WGZ war ein äußerst mühsamer Prozess. Mehrere Anläufe waren in der Vergangenheit gescheitert. Mal waren es persönliche Animositäten, dann machte die Finanzkrise die Fusionspläne zunichte. Diesmal sind die Vorzeichen besser: Beide Häuser sind gut aufgestellt, nachdem sie ihre Kapitaldecke im Zuge des Bankenstresstests aufgestockt haben.

Und so herrscht denn Optimismus bei allen Beteiligten, dass es diesmal klappt. Es liege zwar noch eine große Wegstrecke vor ihnen, sagte WGZ-Chef Hans Bernd Wolberg. Doch er sei davon überzeugt, „dass wir dieses wichtige Projekt erfolgreich ins Ziel tragen können“. Im Sommer 2016 soll die Verschmelzung vollzogen werden.

Als Name des neuen genossenschaftlichen Spitzeninstituts ist „DZ Bank – die Initiativbank“ vorgesehen. Den Chefposten wird Kirsch übernehmen, Wolberg soll sein Stellvertreter werden. Das spiegelt die Kräfteverhältnisse wider, denn die DZ Bank ist mit einer Bilanzsumme von etwa 400 Mrd. Euro fast viermal so groß wie die WGZ. Mit der Verschmelzung würde das drittgrößte deutsche Kreditinstitut nach der Deutschen Bank und der Commerzbank entstehen.

Der Zusammenschluss soll natürlich auch Einsparungen bringen. Von 100 Mio. Euro pro Jahr ist die Rede. Und auch einen Personalabbau wird es geben, wobei keine Angaben zum Umfang gemacht wurden. Im Kern gehe es darum die Volks- und Raiffeisenbanken effektiver zu versorgen und IT-Prozesse zu straffen.

Thyssenkrupp – gedämpfte Aussichten

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger
Konzernchef Heinrich Hiesinger hat Thyssenkrupp umgebaut - Foto: Getty Images

„Wir haben geliefert, was wir versprochen haben. Wir haben Thyssenkrupp stabilisiert und die Integration des Konzerns weiter vorangetrieben“, sagte Konzernchef Heinrich Hiesinger zur Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres. Doch das solide Ergebnis überdeckt ein wenig die Probleme, denen sich der Industriekonzern gegenübersieht. Daher ist der Ausblick auch verhalten. „Insgesamt hält Thyssenkrupp daher einen vorsichtigen Blick auf 2015/2016 für geboten“, teilte das Unternehmen mit.

Probleme bereiten unter anderem der Preisverfall bei Stahl, chinesische Billigimporte und die Zurückhaltung der Kunden im Anlagenbau. Und auch von der Konjunktur ist kein Rückenwind zu erwarten.

Hiesinger tritt daher erneut auf die Kostenbremse. 850 Mio. Euro will er im laufenden Geschäftsjahr einsparen. Mittelfristig soll sich der Umbau des Unternehmens aber bezahlt machen. Unter Hiesinger bewegt sich Thyssenkrupp weg vom Stahlgeschäft und hin zu einem Technologiekonzern, der sein Geld unter anderem mit Aufzügen, Maschinen und Teilen für die Autobranche verdienen will.

Auf mittlere Sicht peilt der Konzern ein operatives Ergebnis von mehr als 2 Mrd. Euro an. Davon ist er noch ein gutes Stück entfernt: Im abgelaufenen Geschäftsjahr lag das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern bei 1,68 Mrd. Euro. Für das neue Geschäftsjahr strebt Hiesinger 1,6 bis 1,9 Mrd. Euro an.


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