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Blessing gibt Commerzbank einen Korb

, Kai Beller

Die Commerzbank muss sich einen neuen Chef suchen. Außerdem: VW-Krise, Hapag-Lloyd-Börsengang und Chinas Flugzeugpläne

Führungsvakuum bei der Commerzbank

Commerzbank-Chef Martin Blessing
Commerzbank-Chef Martin Blessing kündigt seinen Rücktritt an - Foto: Getty Images

Die Woche begann mit einem Paukenschlag: Commerzbank-Chef Martin Blessing erklärte, dass er seinen Vertrag nicht über 2016 verlängern werde. Die Entscheidung kam unerwartet, denn ein Rücktritt des seit 2008 amtierenden Vorstandschefs stand bisher nicht zur Debatte. Auch ein Nachfolger für Blessing ist noch nicht in Sicht. Spekuliert wird sowohl über eine interne als auch externe Lösungen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung beispielsweise nennt den früheren Privatkundenvorstand der Deutschen Bank Rainer Neske als möglichen Kandidaten.

Über die Gründe seines Abgangs ließ Blessing nichts Genaues verlauten. Offenbar sieht er aber seine Mission als erfüllt an. „Die Bank steht heute wieder stabil da. Wenn wir im Frühjahr 2016 dann auch wieder eine Dividende zahlen, sind wir wieder eine ganze normale Bank“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine Blessing-Äußerung im Intranet der Bank.

Blessing hatte das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut im Frühjahr 2008 kurz vor Ausbruch der Finanzkrise übernommen. Unter seiner Führung übernahm die Commerzbank damals die Dresdner Bank. Dann geriet sie jedoch wegen der Finanzkrise in eine bedrohliche Schieflage. Der Staat musste das Institut retten. Mit einem Anteil von 15,6 Prozent ist der Bund immer noch der größte Aktionär bei der Commerzbank. Blessing blieb an Bord und verordnete dem Institut ein striktes Sparprogramm dem tausende Stellen zum Opfer fielen.

Heute präsentiert sich das Kreditinstitut in „stabiler Seitenlage“. Mit dem Abbau der Altlasten kommt die Commerzbank voran und das Privatkundengeschäft läuft gut. Mit einem Vorsteuerergebnis von 401 Mio. Euro im dritten Quartal schnitt das Geldhaus besser ab als vor Jahresfrist. „Der Turnaround der Commerzbank ist erfolgreich auf Kurs“, sagte Blessing. Zeit für ihn zu gehen...

Commerzbank Aktie

Commerzbank Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

VW-Skandal und kein Ende...

VW-Luftballons
Von wegen sauber: VW hat beim CO2-Ausstoß falsche Angaben gemacht - Foto: Getty Images

Für Volkswagen war es erneut eine Woche mit Tiefschlägen. Erst warf die US-Umweltbehörde EPA dem Autobauer vor, auch bei Fahrzeugen mit 3-Liter-Dieselmotoren die Abgaswerte geschönt zu haben. Volkswagen habe auch große Geländewagen wie den VW Touareg, den Porsche Cayenne und verschiedene Audi-Modelle mit der Manipulationssoftware ausgerüstet. Das Unternehmen wies die neuerlichen Vorwürfe zurück und versicherte zugleich, es werde mit der Behörde kooperieren.

Doch das war noch nicht alles. Am Dienstag verschickte der Konzern eine Pressemitteilung, die wie eine Bombe einschlug: „Aufklärung wird vorangetrieben: Volkswagen stellt bei internen Untersuchungen Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten fest“. Bisher war es stets um den Stickoxidausstoß gegangen. Rund 800.000 Fahrzeuge seien davon betroffen – erstmals auch Modelle mit Benzin-Motor, hieß es. Im Bundestag sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt, dass knapp 100.000 Benziner betroffen seien.

Bei vielen Modellen, die mit dem Label „BlueMotion“ versehen sind und als besonders schadstoffarm gelten, wurde der Kohlendioxidausstoß falsch ausgewiesene. Laut Volkswagen handelt es sich aber nicht um technische Manipulationen, sondern schlicht um falsche Angaben. Die wirtschaftlichen Risiken schätzt der Konzern auf 2 Mrd. Euro.

An der Börse kamen die neuen Hiobsbotschaften schlecht an. Am Mittwoch rauschte die VW-Aktie um 9,5 Prozent in die Tiefe. Innerhalb von drei Monaten haben die Anteilsscheine des Autobauers mehr als 48 Prozent an Wert verloren. Mittlerweile wird die Aktie für unter 100 Euro gehandelt.

Börsendebut mit Hindernissen

Ein Containerschiff von Hapag-Lloyd wird beladen
Die schleppende Konjunktur in der Containerschifffahrt belastete den Börsengang von Hapag-Lloyd - Foto: Hapag-LLoyd

Die traditionsreiche Hamburger Großreederei Hapag-Lloyd hat sich an die Börse gewagt. Doch der Börsenstart lief alles andere als glatt. Die Vorbereitungen wurden in den Medien allgemein als „holprig“ beschrieben, weil das Unternehmen mangels Interesse den Börsengang verschieben und die Preisspanne für die Papiere senken musste. Statt 23 bis 29 Euro wurden den Investoren die Aktien für 20 bis 22 Euro angeboten. Reißenden Absatz fanden die Papiere trotzdem nicht.

Einer der Gründe ist das schleppende Containergeschäft. Die dänische Reederei Maersk gab vor kurzem eine Gewinnwarnung heraus. Am Freitag vermeldete die weltgrößte Reederei dann einen Gewinneinbruch für das dritte Quartal: Der Gewinn ist um fast die Hälfte auf knapp 780 Mio. Dollar geschrumpft. Das Unternehmen rechnet nur noch mit einem Wachstum von ein bis drei Prozent bei der weltweiten Containerschifffahrt. Bislang waren die Dänen von zwei bis vier Prozent ausgegangen.

Das Umfeld für den Hapag-Lloyd-Börsengang ist also alles andere als rosig. Die Aktie notierte knapp über dem Ausgabekurs. "Wir sind mit dem Interesse der Investoren und der Nachfrage nach unseren Aktien zufrieden", sagte Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen. Der Börsengang spült 304 Mio. Euro in die Kassen der Reederei.

China fordert Airbus und Boeing heraus

Comac C919
Präsentation mit Verspätung: Das Flugzeug vom Typ C919 sollte schon letztes Jahr vorgestellt werden - Foto: Getty Images

China will auf dem Markt für Passagierflugzeuge mitmischen. C919 heißt der Hoffnungsträger des staatseigenen Flugzeugbauers Comac, der in ein paar Jahren Airbus und Boeing Marktanteile abjagen soll. Mit der Mittelstreckenmaschine für bis zu 175 Passagiere will die Staatsführung dem A320 von Airbus und der Boeing 737 Konkurrenz machen. Gefeiert wurde das Rollout der ersten Maschine mit Pomp und Marschmusik.

Doch der schöne Schein und die markigen Worte trügen über die Schwierigkeiten hinweg, die das Projekt begleiten. Denn eigentlich sollte das Flugzeug bereits im kommenden Jahr den Wettbewerb aufnehmen. Jetzt ist von 2020 die Rede. Der Jungfernflug findet 2016 statt, danach wird die Maschine drei Jahre lang getestet.

Luftfahrtexperten geben den Chinesen keine großen Chancen im Kampf gegen die Marktführer aus Europa und den USA. Die Maschine werde schon bei der Markteinführung veraltet sein, urteilten Luftfahrtexperten. Allerdings hat Comac einen wichtigen Vorteil: Comac dürfte von staatlichen Aufträgen profitieren. Denn der Staat hat mit Sicherheit kein Interesse daran, dass sein Vorzeigeprojekt jämmerlich scheitert.


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