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BASF warnt vor schlechteren Zeiten

, Kai Beller

Die Geschäfte beim weltgrößten Chemiekonzern laufen nicht mehr rund. Außerdem: Lufthansa-Gewinne und VW-Verluste

BASF hat Probleme

BASF-Stammwerk in Ludwigshafen © BASF SE
BASF-Stammwerk in Ludwigshafen: Gewinnrückgänge in drei von vier Sparten

„Die BASF muss sich in den nächsten Jahren stärker wandeln als vielleicht viele andere Dax-30-Konzerne in Deutschland“, schrieb Capital-Kolumnist Bernd Ziesemer im Juli über die Lage beim weltgrößten Chemiekonzern. Er könnte Recht behalten. In dieser Woche kassierte der Ludwigshafener Konzern seine Gewinnprognose für dieses Jahr. Von einem ausgeprägten Sommerloch sprach Konzernchef Kurt Bock. Und auch im Herbst habe das Geschäft nicht angezogen. „Wir haben Stand heute kein wirkliches Mengenwachstum im Oktober“, sagte Bock. Eigentlich ist der Oktober ein starker Monat für das Unternehmen.

Die BASF leidet unter der Konjunkturabschwächung in China und der Krise in Brasilien. Beides sind wichtige Absatzmärkte für den Konzern. In China sei kein einfaches Wachstum mehr zu erzielen, meinte Bock. Auch der Ölpreisverfall macht dem Unternehmen zu schaffen. BASF ist dadurch zu Preissenkungen gezwungen.

BASF Aktie

BASF Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Gute Zahlen lieferte allein die Konzernsparte „Functional Materials and Solutions“, wo der Betriebsgewinn um 20 Prozent zulegte. Alle anderen Geschäftsbereiche sind auf Schrumpfkurs. Am deutlichsten zeigt sich das bei der Agrarchemiesparte, wo der Gewinn um mehr als 80 Prozent eingebrochen ist.

„Auf den Vorstand der BASF kommt viel Arbeit zu, in den nächsten Jahren einen neuen Konzern zu formen“, schrieb Ziesemer im Sommer. Das Unternehmen müsse innovativer werden „und damit weniger abhängiger vom Preiskampf bei Massenchemikalien“.

Ölpreistief hilft Lufthansa

Lufthansa-Maschine © Lufthansa
In den Sommermonaten waren die Lufthansa-Maschinen häufig ausgebucht

Germanwings-Katastrophe und Pilotenstreik – die Vorzeichen für einen starken Sommer waren bei der Lufthansa alles andere als gut. Doch in den Urlaubsmonaten waren die mehr als 600 Maschinen der Fluggesellschaft häufig ausgebucht. Zudem profitierte das Unternehmen von den niedrigen Ölpreisen. Dadurch sinkt die Tankrechnung in diesem Jahr um 1,1 Mrd. Euro auf 5,7 Mrd. Euro. Das operative Ergebnis im dritten Quartal stieg um etwas mehr als 50 Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. So viel verdiente die Lufthansa im gesamten letzten Jahr.

Mit den starken Zahlen im Rücken hob Konzernchef Carsten Spohr die Prognose für das Gesamtjahr an. Statt 1,5 Mrd. Euro peilt das Unternehmen nun ein um Sonderfaktoren bereinigtes Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 1,75 Mrd. bis 1,95 Mrd. Euro an.

„Keine Frage, der niedrige Ölpreis hat diese Entwicklung begünstigt, die Verbesserung geht aber über diesen Effekt hinaus“, sagte Spohr. In seinen Augen spiegeln die Zahlen auch die Bemühungen zum Umbau des Konzerns wider. Einen Kurswechsel wird es jedenfalls nicht geben, denn auf niedrige Ölpreise könne man nicht auf Dauer bauen: „Wir müssen daher weiterhin intensiv an der Wettbewerbsfähigkeit unserer Kostenstrukturen arbeiten. So haben wir für 2016 bereits Kosteneinsparungen im Volumen von rund 1 Mrd. Euro identifiziert.“

Investoren trauen dem guten Sommer nicht. Sie glauben nicht, dass die Lufthansa die Kosten dauerhaft drücken kann. Die Aktie verlor am Donnerstag mehr als acht Prozent.

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VW rutscht in die roten Zahlen

VW-Chef Matthias Müller © Getty Images
VW-Chef Matthias Müller: Die strategische Neuausrichtung will er erst kommendes Jahr verkünden

„Dieselgate“ hinterlässt deutliche Spuren bei Volkswagen. Der Autobauer fuhr im dritten Quartal einen Verlust von 3,5 Mrd. Euro ein. Zum ersten Mal seit 15 Jahren wies der Konzern damit rote Zahlen aus. Und auch die Aussichten für das Gesamtjahr sind trüb: Vorstandschef Matthias Müller erwartet einen Gewinneinbruch. Das operative Ergebnis von 12,7 Mrd. Euro aus dem vergangenen Jahr wird nicht wieder erreicht.

Investoren sind also vorbereitet auf weitere schlechte Nachrichten aus Wolfsburg. Das Ausmaß des Dieselskandals ist nach wie vor nur schwer abzuschätzen. Analyst Frank Schwope von der NordLB geht davon aus, dass sich die Gesamtkosten auf mindestens 30 Mrd. Euro belaufen. Von VW selbst gibt es dazu keine Aussagen. Für Rückrufe und Wertminderungen hat der Konzern bisher 6,7 Mrd. Euro zurückgelegt. Doch das dürfte bei weitem nicht ausreichen.

Im Fahrzeuggeschäft hat der Skandal bisher noch keine Spuren hinterlassen – wohl auch, weil die Manipulationen an Dieselmotoren erst seit September der Öffentlichkeit bekannt sind. Die Position als Weltmarktführer musste VW aber wieder an Toyota abgeben. Konzernchef Müller gab das Ziel auf, die Nummer eins auf der Welt zu sein: Es gehe nicht darum, „100.000 Fahrzeuge mehr oder weniger als ein großer Wettbewerber zu verkaufen“. Nachhaltiges und qualitatives Wachstum soll künftig im Zentrum stehen.


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