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Anlegers Albtraum

, Kai Beller

Die DSW-Watchlist zeigt die größten Kapitalvernichter des Jahres. Außerdem: Apple-Neuheiten und Nike-Zahlen 

Ein Mann sitzt vor Computerbildschirmen und fasst sich an den Kopf
Zum Verzweifeln: Mit der falschen Aktie kann man viel Geld verlieren - Foto: Getty Images

Wer mit einem massiven Einbruch an den Finanzmärkten nach den Terroranschlägen in Brüssel gerechnet hatte, sah sich getäuscht. Der Dax knickte nur kurz ein und schaffte zeitweise dann sogar den Sprung über die 10.000-Punkte-Marke. Nur die Aktien von Fluglinien und Reiseunternehmen standen unter Druck.

Kapitalvernichtung anderer Art betrieb der Modehersteller Steilmann: Nur wenige Monate nach dem Börsengang ist das Unternehmen zahlungsunfähig. Die Sanierungsbemühungen seien nicht erfolgreich gewesen. „Der Vorstand wird vor diesem Hintergrund nunmehr unverzüglich den Insolvenzantrag stellen“, teilte das Unternehmen mit. Anleger trennten sich scharenweise von der Aktie, die sich um knapp 90 Prozent verbilligte.

Mit so einer Performance hätte Steilmann sicher gute Chancen auf die Aufnahme in die DSW-Watchlist der größten Kapitalvernichter. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz legte am Mittwoch zum 15. Mal ihre Untersuchung über deutsche Aktien, vor, die im Prime Standard notiert sind. Erstmals hat sie dabei auch Dividendenzahlungen berücksichtigt. Neben kleineren Werten finden sich unter den 50 größten Kapitalvernichtern auch einige Dax-Konzerne wieder. Mit RWE gehört ein Wert aus der ersten Börsenliga sogar unter die Top Ten. Aber auch Commerzbank, Eon, K+S, Deutsche Bank und Thyssenkrupp haben ihre Anleger enttäuscht.

DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler sagte, es sei ein Warnsignal, „wenn eine der Gesellschaften, die man im Depot hat, auf der DSW-Watchlist auftaucht“. Es müsse aber nicht zwingend ein Verkaufszeichen sein. „Hier kann sich gerade der Blick auf den Einjahreszeitraum lohnen, der ja bei einigen Gesellschaften bereits wieder deutlich im Plus liegt“, sagte Tüngler.

Wie schnell es gehen kann, zeigt das Beispiel Adidas. 2014 war der Sportartikelhersteller bei der Kursentwicklung das Schlusslicht unter den Dax-Konzernen. In der Bilanz des vergangenen Jahres lag die Adidas-Aktie mit einem Plus von 59 Prozent an der Spitze der Dax-Titel.

Apple: kleiner, bunter billiger

iPhone SE
Die neuen iPhones sehen aus wie das Modell 5s - es sind aber die neuen SEs - Foto: Getty Images

„Apple is boring now“ überschrieb das Digitalmagazin Quartz seine Geschichte über die Neuheiten-Show des iPhone-Herstellers. Umwerfende neue Produkte hat das Unternehmen schon länger nicht mehr zu bieten. Stattdessen gibt es Altbekanntes in anderen Größen und Farben. Die Produktfamilie des Verkaufsschlagers iPhone bekommt Nachwuchs durch ein kleineres Gerät, das Marketing-Chef Philip Schiller als „das weltweit schönste und leistungsstärkste Telefon mit 4-Zoll-Display“ anpries. Und auch das iPad-Pro wurde geschrumpft und ist jetzt auch in einer 10-Zoll-Variante erhältlich. Das war es dann aber auch schon.

Hat Apple seine Fähigkeit verloren, etwas wirklich Neues zu erfinden. Schon bei der Apple-Watch war das Unternehmen nicht der Erfinder des Produkts. Eher sind die Ingenieure aus Cupertino hier auf einen fahrenden Zug aufgesprungen, denn Computeruhren gab es schon vor der Apple-Watch.

Apple-Mitgründer Steve Wozniak kritisierte, dass der Konzern immer stärker den Märkten folge, statt sie anzuführen. Und aufzumischen, möchte man hinzufügen. Doch statt revolutionärer Produkte gibt es von Apple nur Geräte, die Konkurrenten wie Samsung oder Microsoft in ähnlicher Form auch anbieten. Apple sei gefangen in einem unendlichen Zyklus von Fortsetzungen und Ablegern, schreibt Quartz.

Bislang zahlt sich diese Strategie aus. Die Kundschaft hält dem Konzern die Treue und so lange sie sich freiwillig im Apple-Universum bewegen, kommt Geld in die Kassen. Aber wehe Apple wird uncool...

Nike: der Dollar-Effekt

Eine Person mit Nike-Schuhen springt in die Luft
Nike springt nicht hoch genug: Die Börse ist enttäuscht

Der amerikanische Adidas-Konkurrent Nike hat seinen Umsatz im letzten Quartal um acht Prozent gesteigert auf 8 Mrd. Dollar gesteigert. Das hört sich zwar auf den ersten Blick gut an, doch die Bilanz hat ein paar unschöne Flecken. Vor allem der starke Dollar macht dem weltgrößten Sportartikelhersteller zu schaffen. Die Erlöse in den Schwellenländern gingen sogar wegen dieses Währungseffektes zurück.

Die Aktie knickte deutlich ein, da half es auch nicht, dass der Konzern mit seinem Gewinnwachstum um 20 Prozent auf 950 Mio. Dollar, besser abgeschnitten hat als erwartet. Die Investoren schauten stärker auf die Umsatzprognose: Das in Aussicht gestellte Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich reichte ihnen nicht. Rivale Adidas traut sich mehr zu: Umsatz und Gewinn sollen um zehn bis zwölf Prozent gesteigert werden.


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