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12.12.2012
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Steuerflucht in die Schweiz
Schluss mit listig

Kostrzewas Prognose: "Tritt das Steuerabkommen nicht in Kraft, werden die Behörden 2013 beginnen, Gruppenanfragen zu stellen." Jener deutsch-schweizerische Vertrag hängt nach wie vor in der Schwebe, ist aber ein wesentlicher Grund für die Hektik vieler Steuersünder: Er sieht vor, dass Schweizer Banken bis zu 41 Prozent des Schwarzgelds deutscher Kunden einkassieren und in deren Heimat überweisen. Im Gegenzug sollen Betroffene straffrei davonkommen.

Der Bundestag hat das Abkommen Ende Oktober verabschiedet, ob der Bundesrat zustimmt, ist indes fraglich - die SPD ist dagegen. Kritiker wie Nordrhein-Westfalens Finanzminister Norbert Walter-Borjans monieren, dass Steuersünder bei der geplanten Regelung bis Ende dieses Jahres Zeit hätten, ihr Geld aus der Schweiz herauszuschaffen - oder es mithilfe einer Tarnfirma besser zu verstecken.

Scheitert das Abkommen, droht eine neue Fahndungswelle. "Viele Mandanten sind extrem unruhig", sagt Ellen Ashauer-Moll, Steuerberaterin bei Rödl & Partner in Regensburg. Mehr noch als bei der großen Selbstanzeigewelle 2010. Pro Tag melden sich zurzeit rund 120 reuige Bürger bei den Behörden.

Zugleich, so berichten Steuerberater übereinstimmend, gibt es zahlreiche Anleger, die zwar eine Selbstanzeige vorbereitet haben, aber mit dem Abschicken noch warten. Ihnen drohen vielfach besonders hohe Nachzahlungen - etwa weil sie nicht nur Kapitalerträge verheimlicht, sondern unversteuerte Einnahmen in die Schweiz geschafft haben. In solchen Fällen fordert der Fiskus oft auch Mehrwertsteuer und Sozialabgaben.

Wer sich die Option offenhält, sein unversteuertes Vermögen nicht preiszugeben und in vermeintlich besser geschützte Anlageformen umzuschichten, sollte jedoch wissen, dass deutsche Steuerfahnder im Kampf gegen Tarnfirmen kräftig aufgerüstet haben - unabhängig von der Gruppenanfrage, die das Waffenarsenal bald ergänzt. Als besonders wirkungsvoll erweist sich eine Datenbank, die das Bundeszentralamt für Steuern in Bonn in den vergangenen Jahren aufgebaut hat - weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Darin werden Namen von ausländischen Firmenvehikeln gesammelt, die bundesweit in Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung oder Korruption auftauchen. Besonders brisant: Erfasst werden auch die Namen sämtlicher Bevollmächtigter.

Ab nach Singapur?

Sobald ein Firmenvehikel ins Visier gerät, erzählen Insider, checken Beamte, ob der Name des Bevollmächtigten auch bei anderen Gesellschaften in der Schweiz und weiteren Steueroasen auftaucht. "Es gibt in der Schweiz Anwälte und Steuerberater, die bei Dutzenden Unternehmen als Bevollmächtigte fungieren", sagt Brandi-Anwalt Weber-Blank. Taucht ein Name allzu häufig auf, spricht vieles dafür, dass der Betroffene ein Dienstleister für Steuerhinterzieher ist - der die Ermittler zu seinen Kunden führen kann.

Je mehr die Schweiz ihr Image als sicherer Hafen für Steuerflüchtlinge einbüßt, desto größer ist die Versuchung, das Geld außer Landes zu bringen. Anlegern, die mindestens siebenstellige Beträge verstecken, empfehlen Berater gern, sich an einer Firma außerhalb von Europa zu beteiligen, die dann ein Konto vor Ort eröffnet. Zu den beliebtesten Destinationen zählen Dubai und Singapur, wo man ohne großen Aufwand eine Limited oder eine Stiftung gründen kann.

Allerdings könnte es auch in Singapur bald ungemütlich werden. Im Oktober haben Deutschland und der Stadtstaat ein Abkommen vereinbart, das eine weitreichende Kooperation im Kampf gegen Steuerhinterziehung vorsieht. "Singapur ist keine Steuerfluchtburg", lobte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kürzlich bei seiner Asienreise. Sein Staatssekretär Hartmut Koschyk wies darauf hin, dass Gruppenanfragen an die Schweiz auch dem Zweck dienen können, Namen von Personen herauszukriegen, die Vermögen nach Singapur verschoben haben.

"Steuerhinterzieher müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Zeiten der Steuerflucht vorbei sind", sagt Steuerberaterin Ashauer-Moll von Rödl & Partner. "Mit den derzeit propagierten Tricks gewinnen Betroffene vielleicht drei bis fünf Jahre, aber der weltweite Trend richtet sich gegen sie."

Aus dem Magazin

 

Dieser Beitrag stammt aus Capital Heft 12/2012.

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Quelle: Capital
© 2012 capital.de

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