Schweizer Banken verstehen es, ihrer geschätzten Kundschaft Wohlbehagen zu vermitteln. Wer am Zürcher Paradeplatz die UBS aufsucht, findet sich in einer gediegenen Halle umsorgt von freundlichen Empfangsdamen wieder. Er darf so richtig entspannen, wenn ihm ein aufmerksamer Anlageberater absolute Diskretion in Geldgeschäften zusichert. Das schätzen die Deutschen. Im vergangenen Jahr legten sie zehn Milliarden Euro bei den Eidgenossen an, gut sechs Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Dass der positive Trend abbricht, müssen die Vermögensverwalter im Alpenland kaum fürchten. Zu ihren besten Marketingpartnern gehören deutsche Steuerpolitiker - diesmal vereint in einem schwarz-roten Bündnis. "Reichensteuer", Pauschalsteuer auf Aktien und Immobiliengewinne, weitere Senkung des Sparerfreibetrags sowie das endgültige Aus von Medien- und Windkraftfonds dürften die Anlageentscheidungen vieler Bundesbürger nachhaltig beeinflussen.
Spitzenverdiener zahlen Löwenanteil
Gutverdiener zahlen den größten Teil der Einkommensteuer in die Staatskasse.
Umschichtung. "Mit dem Abgabendruck wächst der Erfindungsreichtum", prophezeit Dirk Pohl, Steueranwalt bei McDermott Will & Emery in München. Dabei entgehen Anleger dem Fiskus längst nicht nur durch verschwiegene Konten in der Schweiz oder an boomenden Finanzplätzen wie Singapur, Hongkong und Dubai. Ganz legal lassen sich Steuern etwa mit Fondsinvestments jenseits deutscher Grenzen sparen. Selbst ohne den Fokus auf steuerlich attraktive Nachbarländer zu richten, bleiben im Inland Chancen, abgabensparend umzuschichten. "Hektisches Herumbasteln am Steuerrecht schafft neue Schlupflöcher", sagt Hanno Berger von Dewey Ballantine in Frankfurt.
Anders als die deutsche Gerechtigkeitsdebatte nahezulegen versucht, sind diese bei Millionenvermögen am leichtesten zu nutzen: Ist der Kapitalstock groß genug, kommt es kaum noch darauf an, welche Kosten ein Umschichtungsmanöver verursacht - die Steuerersparnis wiegt die Belastungen mehr als auf. Die Vermögenswerte werden meist in ein Geflecht in- und ausländischer Gesellschaften eingebracht, die das Gefälle zwischen den nationalen Steuersätzen nutzen und die Abschirmwirkung zwischenstaatlicher Abkommen. "Solche Schlupflöcher kann die deutsche Steuerpolitik nicht schließen, weil sie dann eine Vielzahl internationaler Verträge neu verhandeln müsste", so Berger.
Fluchtwege. Doch auch wer sich maßgeschneiderte Firmenmäntel nicht leisten kann, profitiert schon mit Investments ab 10.000 Euro von Doppelbesteuerungsabkommen. Anleger, die sich etwa an einem Fonds mit US-Büroimmobilien beteiligen, versteuern Ausschüttungen nicht in Deutschland, sondern in den USA. Folge: Erträge bis 3200 Euro pro Jahr sind steuerfrei. Für darüber hinausgehende Gewinne liegt der Abgabensatz mit maximal 35 Prozent deutlich niedriger als hier zu Lande.
Auch im Inland bietet sich Raum für Steueroptimierungen mit Hilfe von geschlossenen Fonds. Anleger von Schiffsfonds profitieren etwa von einer besonders lukrativen Ausnahmeregelung: Bemessungsgrundlage für die Steuer ist nicht der Gewinn aus dem Geschäft mit Containerschiffen. Statt dessen wird die Abgabe nach der Tonnage bemessen und richtet sich dabei nach minimalen Pauschalen. Das soll auch so bleiben: Im Koalitionsvertrag gibt es eine machtvolle Bestätigung des Steuervorteils. "Den deutschen Reedereistandort werden wir weiter stärken. Erfolgreiche Instrumente wie die Tonnagesteuer erhalten wir." Schon frohlockt etwa das Fondshaus Hamburg: "Die angekündigte Reduzierung des Sparerfreibetrags nützt den Schiffsfonds." Das Kalkül: Bei einem Zinssatz von 6,5 Prozent konnte ein allein Stehender bisher 21.862 Euro steuerfrei anlegen. Künftig sind es nur noch 12.323 Euro. So werden die Fonds selbst für weniger begüterte Sparer interessant.
Auch Kai Henke, Vorstandschef der Münchner Tochter der Schweizer Privatbank Sarasin, rechnet in erster Linie mit Verschiebungen im Portfolio - aber keinesfalls mit dem Ende "steueroptimierter Anlagestrategien". Werden Gewinne aus Aktien ab 2007 unabhängig von der Haltedauer mit 20 Prozent Steuern belegt, erwartet Henke, dass ein großer Teil der heute angebotenen Zertifikate - vor allem der Papiere mit Discount - vom Markt verschwinden. Als Ersatz kommen nach Einschätzung des Bankers spezielle Fondsstrukturen infrage. Die kombinieren typischerweise etwa Rentenwerte oder Genussscheine mit einem Swap-Geschäft. Vorteil: Im Fonds bleiben die Gewinnteile, die auf das Swap-Geschäft entfallen, steuerfrei. Die Abgabenlast für den Anleger schrumpft auf ein Minimum. Zudem sind die Anlagen vergleichsweise sicher.
Schwacher Start
Der seit dem 1. April mögliche Abruf von Kontendaten läuft nur langsam an.
Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, hat für den Gezeitenwechsel bei der Besteuerung von Aktienerträgen noch eine Strategie zur steuerlichen Vorsorge auf Lager. "Anleger sollten alte Verlustbringer behalten, um sie eventuell mit künftigen Gewinnen verrechnen zu können." Hintergrund: Bisher ist unklar, ob vor 2007 erworbene Papiere in die Neuregelung einbezogen werden. Sollte das der Fall sein, müsste der Gesetzgeber nach der Steuerlogik auch alte Verluste berücksichtigen.














